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20.05.2009 13:16

"Neue Familie, neues Glück?!"

Dipl.-Kfm. (FH) Andreas Schneider Pressestelle
Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

    Seit letztem Jahr bietet der Förderverein der Kinderklinik Wernigerode e.V., unterstützt durch die Praxis Alltagspause und die Hochschule Harz, die erfolgreiche pädagogische Vortragsreihe "Bildungsreise durch die kindliche Erlebniswelt" Hilfe und Orientierung für Eltern, Großeltern und andere Interessierte an.

    Zur diesjährigen Auftaktveranstaltung am Mittwoch, den 13. Mai 2009, fanden sich erneut zahlreiche Wissbegierige auf dem Wernigeröder Campus ein. Die Familientherapeutin Isabell Martin vermittelte Wissen- und Bedenkenswertes zum Thema "Patchworkfamilien als familiäre Wirklichkeit im kindlichen Erleben". Wichtig war ihr vor allem die Tatsache, dass das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie nicht nur an die beteiligten Erwachsenen sondern insbesondere auch an die Kinder viele Herausforderungen stellt, die über den ganz normalen Familienalltag hinausreichen.

    Patchwork- bzw. Stieffamilie sind keine Erfindung der Neuzeit. Man denke nur an die vielen Märchen, die dafür sorgten, dass Begriffe wie Stiefmutter oder Stiefschwester einen bitteren Beigeschmack haben. Wenn Isabell Martin heute von einer Patchworkfamilie spricht, sieht sie darin eher eine neue Chance auf Familienglück. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Patchworkdecke, bei der neue und alte Flicken zusammengesetzt werden, damit daraus ein neues interessantes Ganzes entsteht. Eine derartig komplexe Familienkonstruktion birgt natürlich reichlich Potential für Stress und Disharmonie - vor allem da nicht bei Punkt Null begonnen wird. Eine Patchworkfamilie ist eine Familienform, in die mindestens einer der Erwachsenen ein Kind oder gar mehrere Kinder aus vorangegangenen Partnerschaften mitbringt. Somit entsteht sie in Folge von Verlusten und Abschieden von alten Beziehungen. Isabell Martin weiß, dass alle Familienmitglieder gravierende Veränderungen im System Familie erlebt haben, die besonders von den betroffenen Kindern oft als dramatisch empfunden werden. Plötzlich besteht beispielsweise nur noch ein eingeschränkter Kontakt zu einem Elternteil, zu Geschwistern oder Großeltern. Wichtige Bezugspersonen fallen einfach weg. Die Kinder sind in dieser Situation gezwungen, vorzeitig in Ablöseprozesse einzutreten und sich auf neue Beziehungen und Bindungen einzulassen. Viele Kinder sind in dieser Situation völlig überfordert. Gefühlschaos und Unsicherheit bestimmen oft über einen längeren Zeitraum ihren Alltag. Wenn es jedoch gelingt, im Spannungsfeld zwischen leiblicher Herkunftsfamilie und Zweitfamilie ein eigenständiges Familienkonzept zu entwickeln, stehen die Chancen gut, dass alle beteiligten Familienmitglieder sich in der neuen Familie wohl fühlen und befriedigende Beziehungserfahrungen machen können. Kinder aus Patchworkfamilien bekommen zahlreiche Impulse für ihr persönliches Wachstum. Sie verfügen beispielsweise über eine hohe soziale Kompetenz im Umgang mit unterschiedlichen Menschen und verfügen über Erfahrungen im Umgang mit komplexen Situationen. "Geduld und Bereitschaft zu Auseinandersetzung sowie zur Selbstreflexion" sind laut Isabell Martin entscheidende Faktoren für eine neue glückliche Zukunft in einer Patchworkfamilie.

    Die Mai-Veranstaltung der "Bildungsreise durch die kindliche Erlebniswelt" gab den Auftakt zur diesjährigen Vorlesungsreihe, die voraussichtlich Ende September fortgesetzt wird. Details dazu werden zeitnah bekannt gegeben. Alle Interessierten sind auch dann wieder herzlich in den Hörsaal C auf den Wernigeröder Campus der Hochschule Harz eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    fachunabhängig
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


     

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