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21.03.2001 16:02

Neue Quellen zu William Shakespeare

Petra Giegerich Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Der Dichter war Mitglied einer katholischen Geheimorganisation

    Hildegard Hammerschmidt-Hummel

    Neue Quellen zu William Shakespeare
    Der Dichter war Mitglied einer katholischen Geheimorganisation und mehrmals in Rom

    William Shakespeare, der englische Nationaldichter, war ein heimlicher Katholik mit Kontakten zur verbotenen jesuitischen Missionsbewegung Englands. Als solcher war er ein Feind der Krone und Stand auf der Seite Spaniens und des Papstes. Sein Engagement im katholischen Untergrund diente dem Schutz der blutig verfolgten katholischen Priester, die zumeist in den Häusern des katholischen Landadels versteckt wurden. Den Einsatz um den Fortbestand seiner Religion führte Shakespeare unter größter Gefahr für Leib und Leben.

    Die Mainzer Anglistikprofessorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel kann erstmals die These von der Zugehörigkeit Shakespeares zu der unter Elisabeth I. und ihrem Nachfolger Jakob I. verbotenen katholischen Kirche wissenschaftlich belegen. Die international renommierte Shakespeare-Forscherin erschließt das Lebensgeheimnis des großen Dichters aus einer Fülle von Daten und Fakten und legt neues historisches Quellenmaterial vor, das diese These untermauert. Hammerschmidt-Hummel beweist in ihrem Buch "Die verborgene Existenz des William Shakespeare", dass Shakespeare aus einem streng katholischen Elternhaus stammte und eine katholische Erziehung erhielt, dass er an dem nach jesuitischem Muster geführten Kolleg (Collegium Anglicum) im flandrischen Douai (heute Frankreich) studierte und später als Privatlehrer in einem katholischen Adelshaushalt arbeitete. Die Autorin weist nach, dass sich Shakespeare im katholischen Untergrund engagierte und für das Überleben der katholischen Kirche in England eine tragende Rolle gespielt hat.

    Kindheit, Erziehung, Ausbildung
    Sein Vater, John Shakespeare, war überzeugter und praktizierender Katholik, der unter den von Elisabeth I. erlassenen antikatholischen Strafgesetzen litt und Sanktionen ausgesetzt war. Die Grafschaft Warwickshire, in der Stratford-upon-Avon liegt, galt neben Lancashire als Hochburg des im verborgenen praktizierten Katholizismus. Auch Verwandte des Dichters waren überzeugte Anhänger des alten Glaubens und erlitten deswegen Verfolgung, Gefangennahme, Folter und - wie im Fall des High Sheriff Edward Arden von Parkhall - den Tod. William wurde insgeheim katholisch erzogen. Sein Lateinschullehrer Simon Hunt war Katholik. Hunt, der später emigrierte, wurde in Douai am Collegium Anglicum Priester und in Rom Jesuit. Die Autorin fand zahlreiche Indizien dafür, dass der junge Shakespeare in den Jahren von 1578 bis 1580 diese beliebte Ausbildungsstätte besucht hat und hier seine fundierte geisteswissenschaftliche Ausbildung erwarb.

    Engagement im katholischen Untergrund
    Von 1580 bis 1582 war Shakespeare unter dem Namen William Shakeshafte als Privatlehrer in dem katholischen Haushalt von Alexander Hoghtons in Lancashire beschäftigt. Bei ihrem Quellenstudium entdeckte Hammerschmidt-Hummel, dass Hoghton testamentarisch eine elfköpfige Geheimorganisation finanzierte, eine Untergruppe der 1580 in Rom gegründeten Catholic Association. William Shakespeare stand als ein hochrangiges Mitglied auf der "Gehaltsliste" der Geheimorganisation Hoghtons. Die Autorin hat auch das Geheimnis um die sogenannten "lost years" von 1585 bis 1592 gelüftet, über die bisher nichts bekannt war. Sie fand heraus, dass Shakespeare in dieser Zeit Kontakte zu den englischen Exilkatholiken auf dem Kontinent hatte und mindestens dreimal in Rom war, wo er unter verschiedenen Pseudonymen im Pilgerhospiz des Englischen Kollegs logierte.

    Shakespeare leistete - über seinen Tod hinaus - einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand des blutig unterdrückten englischen Katholizismus. Im März 1613 erwarb er zusammen mit drei Treuhändern das östliche Torhaus auf dem Klostergelände von Blackfriars. Dieses verwinkelte Gebäude bot zahlreiche Verstecke und war eine zentrale Anlaufstelle für die verfolgten und flüchtigen Priester der katholischen Kirche. Dort erhielten sie Unterkunft und Fluchthilfe über die Themse. Shakespeare und seine Treuhänder hatten ein geradezu perfektes arbeitsteiliges Arrangement: Der Besitzer der Mermaid Tavern konnte die Verpflegung bereithalten, ein Schiffsmagnat den Transport über den Kanal sichern, der Businessmanager der Shakespeareschen Theatergruppe (The King's Men) die Organisation übernehmen Das nahe gelegene Shakespearesche Blackfriars Theatre konnte zur Tarnung der Priester Kostüme, Perücken und Bärte stellen.

    Die Tatsache, dass über William Shakespeares Leben bisher relativ wenig bekannt war, erklärt sich folglich nicht nur aus der geheimen Zugehörigkeit zum gesetzlich verbotenen und blutig unterdrückten englischen Katholizismus, sondern insbesondere auch aus seinen verschwiegenen Aktivitäten im organisierten katholischen Untergrund, die ihn und seine Familie stark gefährdeten. Die Fülle an dokumentarisch gesicherten neuen Erkenntnissen, die Hildegard Hammerschmidt-Hummel vorlegt, lässt weite Teile des Shakespeareschen Werkes zwangsläufig in einem ganz neuen Licht erscheinen und erhellt schlagartig bislang dunkel gebliebene und rätselhafte Textstellen.

    Hildegard Hammerschmidt-Hummel
    Die verborgene Existenz des William Shakespeare
    Dichter und Rebell im katholischen Untergrund
    Verlag Herder, Freiburg 2001
    ISBN 3-451-27417-5, DM 49,80

    Informationen unter Verlag Herder, Pressestelle 0761/2717-226,
    E-Mail: presse@herder.de, www.herder-aktuell.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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