Korpulenter Nachwuchs alarmiert Urologen: Übergewicht ist Risikofaktor für Harnsteine - auch bei Kindern

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09.06.2009 12:10

Korpulenter Nachwuchs alarmiert Urologen: Übergewicht ist Risikofaktor für Harnsteine - auch bei Kindern

Bettina-Cathrin Wahlers Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

    Mit jährlich rund 1,2 Millionen Betroffenen zählen Harnsteine zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland. Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Alarmierend sind jüngste Studienergebnisse aus den USA: Dort soll sich das Vorkommen von Harnsteinen bei Kindern im vergangenen Jahrzehnt verfünffacht haben. Vergleichbare Erhebungen gibt es hierzulande nicht, doch Deutsche Urologen warnen, Übergewicht ist auch bei unseren Jüngsten ein Risikofaktor für schmerzhafte Harnsteine.

    "In Deutschland gibt es keine systematische Erfassung von Harnsteinerkrankungen bei Kindern. Experten ist aktuell keine auffällige Häufung bekannt", so Professor Dr. Margit Fisch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das könnte sich aber, wie in den USA, aufgrund des zunehmenden Übergewichts und der Ernährungsgewohnheiten unserer Kinder ändern. Professor Dr. Thomas Knoll, Vorsitzender des Arbeitskreises "Harnsteine" der Akademie der Deutschen Urologen: "Es gilt inzwischen als gesichert, dass ein Zusammenhang zwischen Übergewicht bis hin zum Gesamtkomplex des metabolischen Syndroms und der Bildung von Harnsteinen besteht. Angesichts der großen und steigenden Zahl übergewichtiger Kinder dürfen wir langfristig die Gefahr einer Zunahme von Harnsteinen bei Kindern auch bei uns nicht unterschätzen." In Deutschland gelten inzwischen etwa 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren als übergewichtig. Das sind etwa 1,9 Millionen Betroffene, die Hälfte davon ist adipös.

    Aufklärung ist deshalb dringend notwendig. "Übergewicht an sich ist fast immer mit Stein begünstigenden Faktoren assoziiert, die aber meist nicht im Kindes- und Jugendalter, sondern erst später zu Steinen führen. Stein begünstigende Faktoren sind überhöhte Proteinzufuhr und überhöhte Natriumzufuhr", so Dr. Thomas Henne, pädiatrischer Nephrologe am Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg. Eiweiße und Kochsalz sind in Fertiglebensmitteln reichlich vorhanden und die stehen bekanntermaßen in Form von Pommes, Hamburgern, Pizzen und Chips ganz oben auf dem Speiseplan vieler Kinder. Neben Fast Food begünstigen auch Cola und andere Erfrischungsgetränke die Bildung von Harnsteinen. Dr. Henne: "Durch Softdrinks, die osmotisch wirksame Substanzen in hoher Konzentration enthalten und zu wenig 'freies Wasser' bereitstellen, ist der Urin bei diesen Kindern meist sehr konzentriert, was wiederum ein Risikofaktor ist."
    Blut im Urin, Harnwegsinfektionen und häufiger Harndrang können Symptome für Harnsteine sein. Wenn ein Stein den Harnleiter verstopft, treten typische Kolikschmerzen auf, die aber bei kleinen Kindern auch als unspezifische Bauchschmerzen imponieren können.
    Urologen raten deshalb allen Eltern, auf viel Bewegung, Normalgewicht, eine gesunde Ernährung mit normaler Salz- und Proteinzufuhr sowie regelmäßiges Trinken ihrer Sprösslinge zu achten, um der Entstehung von Harnsteinen als urologischer Folgeerkrankung von Übergewicht keine Chance zu geben.

    Hintergrundinformation:
    Harnsteine können im gesamten Harntrakt vorkommen. So spricht man unter anderen von Nierensteinen, Harnleitersteinen und Blasensteinen. Während Blasensteine in erster Linie bei Blasenentleerungsstörungen entstehen, können Nieren- und Harnleitersteine aufgrund von nicht optimaler Lebensführung (Ernährungsgewohnheiten) oder durch Stoffwechselstörungen auftreten. Eine Ursache der ansteigenden Häufigkeit der Harnsteinerkrankung in den sogenannten westlichen Industrieländern wird in der zunehmenden Übergewichtigkeit der Bevölkerung gesehen, die gleichzeitig auch zu einer Zunahme der Blutzuckerkrankheit, des Bluthochdrucks und zu Fettstoffwechselstörungen führt (metabolisches Syndrom). Mehr dazu auf der Website der Deutschen Urologen unter www.urologenportal.de.
    Experten diskutieren das Thema Harnsteine auf der 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie vom 16. bis 19. September 2009 in Dresden. Medienvertreter können sich bereits jetzt für den weltweit drittgrößten Urologen-Kongress unter www.dgu-kongress.de akkreditieren.


    Weitere Informationen:

    http://www.dgu-kongress.de
    http://www.urologenportal.de
    http://www.presseportal.de/otsEinladung/event/8a988089ab (Akkreditierung und PK-Anmeldung)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Professor Dr. Margit Fisch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.


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    Professor Dr. Thomas Knoll, Vorsitzender des Arbeitskreises "Harnsteine" der Akademie der Deutschen Urologen.


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