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11.06.2009 14:49

Gene aus dem Eis

Dipl.-Ing. Margarete Pauls Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

    Forscher des Alfred-Wegener-Instituts erhalten international einmaliges Projekt, um das Erbgut eines polaren Ökosystems zu entschlüsseln

    Schon in der Vergangenheit gelang es Forschern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in internationaler Zusammenarbeit, das Genom einer Meereisalge und eines Meereisbakteriums zu sequenzieren und damit wertvolle Erkenntnisse über die genetische Anpassung an die extreme Umwelt von Arktis und Antarktis zu erlangen. Nun werden sie noch einen Schritt weiter gehen und erstmals ein polares Metagenom entschlüsseln, also die Gesamtheit aller Erbanlagen, die in einer kompletten Lebensgemeinschaft im Meereis vorhanden sind.

    In einem internationalen Wettbewerb, den die Firma Roche für die Förderung von Sequenzierungsprojekten ausgelobt hatte, gelang es dem Molekularbiologen Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut und seinem Kollegen Thomas Mock von der University of East Anglia, Norwich, UK, sich gegen eine große internationale Konkurrenz von rund 250 Anträgen, darunter auch medizinische Projekte, durchzusetzen und den zweiten Platz zu belegen. Dadurch erhalten die Molekularbiologen mit einem Projekt der Grundlagenforschung Zugang zu den weltweit derzeit einzigartigen methodischen Möglichkeiten der Firma Roche und können ein Metagenom in einer Größe von bis zu 3 Milliarden Basenpaaren sequenzieren. Zum Vergleich: ein durchschnittliches Gen ist ca. 1500 Basenpaare groß, eine Meereisalge umfasst etwa 50-100 Millionen Basenpaare. Die vorgesehene Datenmenge entspricht also potenziell 1-2 Millionen neuer Gene oder 50 einfach sequenzierten Eisalgengenomen. Weltweit wurden bisher nur wenige, überwiegend bakterielle Metagenome verschiedener Lebensräume entschlüsselt. Mit dem neuen Projekt wird erstmals ein eukaryotisches, genetisch also komplexeres, polares Metagenom sequenziert.

    Dabei wollen die Mikrobiologen aus Bremerhaven und Norwich auch Gene finden, die derzeit "ausgeschaltet" sind. "Durch unsere bisherige Arbeit haben wir vor allem aktive Erbanlagen entschlüsselt, die für das Überleben unter heutigen Lebensbedingungen mitbestimmend sind. So konnten wir bei polaren Kieselalgen zum Beispiel Gene für Gefrierschutzproteine finden", erläutert Klaus Valentin. "Mit dem neuen Projekt wollen wir auch die Potentiale kennen lernen, die im Erbgut schlummern. Deshalb werden wir aktive und inaktive Gene sequenzieren. Denn wenn sich in Zukunft Umweltfaktoren wie Temperatur, Kohlendioxidkonzentration oder Lichtintensität verändern, ist es wichtig zu wissen, über welche Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel polare Lebensgemeinschaften aufgrund ihrer genetischen Grundausstattung verfügen."

    Hinweise für Redaktionen
    Ihre Ansprechpartner im Alfred-Wegener-Institut sind Dr. Klaus Valentin (Tel. 0471 4831-1452, E-Mail: Klaus.Valentin@awi.de) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Magdalena Hamm (Tel. 0471 4831-2008, E-Mail: medien@awi.de)
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    Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.


    Bilder

    Anders als Süßwassereis ist Meereis von feinen Poren durchzogen, in denen sich flüssiges Wasser mit hoher Salzkonzentration befindet. In diesem Lebensraum hat sich über Jahrmillionen eine dichte und stark spezialisierte Lebensgemeinschaft ausgebildet, die von sehr unterschiedlichen Mikroorganismen dominiert wird. Die braune Färbung des Eises zeigt die belebten Bereiche an.
    Anders als Süßwassereis ist Meereis von feinen Poren durchzogen, in denen sich flüssiges Wasser mit ...
    Quelle: Foto: Christiane Uhlig, Alfred-Wegener-Institut


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

    Anders als Süßwassereis ist Meereis von feinen Poren durchzogen, in denen sich flüssiges Wasser mit hoher Salzkonzentration befindet. In diesem Lebensraum hat sich über Jahrmillionen eine dichte und stark spezialisierte Lebensgemeinschaft ausgebildet, die von sehr unterschiedlichen Mikroorganismen dominiert wird. Die braune Färbung des Eises zeigt die belebten Bereiche an.


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