idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
12.06.2009 11:40

Sprachwissenschaftler der Viadrina erforschen "Sprachinseln"

Annette Bauer Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

    Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler der Europa-Universität Viadrina Frankfurt
    (Oder) untersuchen jetzt in einem Forschungsprojekt die Besonderheiten der deutschen Sprache, wie es in "Sprachinseln" Brasiliens und Russlands gesprochen wird. Vor allem geht es darum herauszufinden, wie die deutschen Dialekte etwa 100 bis 150 Jahre nach dem Höhepunkt der Emigration nach Südbrasilien und Sibirien heute gesprochen werden und wie sie sich verändert haben. Dr. Peter Rosenberg von der Viadrina erläutert: "Diese Sprachinseldialekte zeigen einige auffällige Parallelen, sie wandeln sich rapide, gehen unter den Jüngeren teilweise verloren, stehen im Kontakt mit anderen deutschen Dialekten und mit der jeweiligen Mehrheitssprache Portugiesisch bzw. Russisch."
    Einerseits werden im Rahmen dieses Projekts Erhebungen in den seit den 1860er Jahren bestehenden
    "Kolonien" des Munizips Pelotas im südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul durchgeführt.
    Andererseits sollen Sprachaufnahmen in den um 1900 gegründeten Dörfern im deutschen Nationalkreis Halbstadt in der westsibirischen Region Altai vorgenommen werden, hauptsächlich im "Zentraldorf" Schumanowka. In den zwei Untersuchungsregionen werden jeweils eine ostniederdeutsche Varietät (Hinterpommern bzw. Danziger Raum) und eine westmitteldeutsche (Hunsrück) bzw. westoberdeutsche (Südwestdeutschland) Varietät gesprochen, weshalb beide gut miteinander vergleichbar sind.
    Innerhalb der nächsten drei Jahre werden in den deutschen Sprachinseln Südbrasiliens und Sibiriens
    mit etwa 60 dort lebenden Personen Sprachaufnahmen durchgeführt. Diese Personen sollen unterschiedlichen Altersgruppen angehören, um auch Unterschiede zwischen den Generationen untersuchen zu können. Außerdem sollen die Daten mit Sprachaufnahmen verglichen werden, die vor rund zehn Jahren schon einmal in beiden Untersuchungsgebieten durchgeführt worden waren.
    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhoffen sich von der Untersuchung in der "Extremsituation" von Sprachinseln neue Erkenntnisse darüber, wie und unter welchen Bedingungen sich Sprache wandelt. So kann ein tieferer Einblick in die Natur menschlicher Sprache und damit in die menschliche Kognition gewonnen werden.
    Gefördert wird das Projekt mit dem Titel "Regularität und Irregularität in der Kasusmorphologie deutscher Sprachinselvarietäten (Russland, Brasilien): intralinguale, interlinguale, typologische Konvergenz" seit Januar 2009 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Eine Zusammenarbeit besteht außerdem mit anderen Universitäten, die an ähnlich gelagerten Forschungsvorhaben arbeiten, beispielsweise der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Universität Bremen und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo demnächst Tagungen zu diesem Thema stattfinden werden. Auch mit Universitäten in Russland und Brasilien sowie in den USA besteht eine enge Kooperation zur Erforschung der deutschen Sprachinseln. Nach Abschluss des Projekts soll eine Buchpublikation ausführlich über die gewonnenen Erkenntnisse informieren.

    Weitere Informationen:
    Dr. Peter Rosenberg, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
    E-Mail: rosenberg@euv-frankfurt-o.de
    Homepage: http://www.kuwi.euv-frankfurt-o.de/de/lehrstuhl/sw/sw1/index.html


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).