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26.03.2001 14:28

Der Reformtyp ist gefragt

Jürgen Abel M. A. Pressestelle
Universität Bayreuth

    Damit sich der Reformtyp an den bayerischen Gymnasien durchsetzt und damit Extreme vermieden werden, trafen sich die Lehrkräfte für das Fach Wirtschafts- und Rechtslehre aus den Regierungsbezirken Oberfranken und Oberpfalz zum vierten Kontaktstudium an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth. Ziel der Veranstaltung war das Einüben simulativer Unterrichts-verfahren an Hand des volkswirtschaftlichen Plansspiels MACRO.

    Viertes Kontaktstudium für Gymnasiallehrer/-innen für Wirtschafts- und Rechtslehre
    Der Reformtyp ist gefragt
    Simulativer Unterrichtsverfahren mit VWL-Plansspiel MACRO

    Bayreuth (UBT). Bei dem Versuch, Lehr-kräfte nach ihrer prinzipiellen Einstellung zum handlungsorientierten bzw. schülerzentrierten Unterricht zu klassifizieren, könnte man vielleicht drei Typen unter-scheiden:

    Erstens der Verweigerungstyp: Er hält moderne Unterrichtsformen für überflüssig, ja z. T. sogar für schädlich, und will am traditionellen lehrerzentrierten Unterricht festhalten. Sein pädagogisches Sinnen und Streben gilt dem Frontalunterricht und seine Medienwelt besteht aus Schulbuch, Heft und Tafelbild gestützt vom roten Notenbuch.
    Zweitens der Reformtyp: Dieser Typus hält Simulationsformen wie Planspiel, Rollen-spiel oder Fallstudie für notwendig und will sie an geeigneter Stelle statt frontaler Unter-richtsverfahren einsetzen.

    Drittens der Revolutionstyp: Er sieht in der Handlungsorientierung den "Königsweg" menschlicher Lernprozesse und versucht demnach die traditionellen Vermittlungsverfahren ersatzlos zu streichen. Sein Unterricht besteht aus einer Häufung von Problembearbeitungen, Gruppendiskussionen, Infragestellungen und Kollagen.

    Damit sich der Reformtyp an den bayerischen Gymnasien durchsetzt und damit Extreme vermieden werden, trafen sich die Lehrkräfte für das Fach Wirtschafts- und Rechtslehre aus den Regierungsbezirken Oberfranken und Oberpfalz zum vierten Kontaktstudium an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth. Ziel der Veranstaltung war das Einüben simulativer Unterrichts-verfahren an Hand des volkswirtschaftlichen Plansspiels MACRO. Spielleiter waren Professor Dr. Bernhard Herz vom Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre I (Wirtschaftspolitik) und sein wissenschaftlicher Assistent Mi-chael Weber. Die Leitung der Tagung hatte Ltd. Akad. Dir. Dr. Günter Schiller vom Fachbereich Didaktik der Ökonomie.

    Nach den fachlichen Einführungen durch Professor Herz wurden die mitspielenden Lehrkräfte in Gruppen aufgeteilt, deren Aufgabe es war, als Entscheidungsträger auf wirtschaftliche Situationen einzuwirken. Die Gruppen hatten die Aufgabe, sich in Ziele, Aufgaben und Handlungsparameter von Unternehmen, Gewerkschaften, Zentralbank und Staat hineinzufühlen. Als Entschei-dungsträger der einzelnen volkswirtschaftlichen Sektoren simulierten die Teilnehmer Tarifverhandlungen, Entscheidungen über Geldversorgung, Haushaltsführung, Investitionsaktivitäten und praktizierten Gespräche am runden Tisch.

    Die Teilnehmer zeichneten sich durch ein hohes Maß an Engagement aus, was sich in lebhaften Gruppendiskussionen und präzisen modelltheoretischen Fragen an den Spielleiter zeigte. Professor Herz verstand es aber auch, prägnant die Beziehungen zwischen dem Modell des Planspiels MACRO und den tatsächlichen Entwicklungen und Gegebenheiten in konkreten gesamtwirtschaftlichen Situationen der Ver-gangenheit und Gegenwart aufzuzeigen.

    Das Planspiel MACRO ist an den Gymnasien in Baden-Württemberg bereits Lehrplanbestandteil und eignet sich ebenfalls gut für den Einsatz in den Grund- bzw. Leistungs-kursen Wirtschafts- und Rechtslehre an bayerischen Gymnasien. Der Begriffsapparat, der im Fach Wirtschafts- und Rechtslehre überwiegend im traditionellen Unterricht erarbeitet wird, kann durch das Planspiel MACRO vertieft und spielerisch handlungsorientiert aufbereitet werden. Es reicht heute nicht mehr, den Schülerinnen und Schülern Fachbegriffe und Sachverhalte zu vermit-teln, sondern es muss neben der Fachkompetenz noch Sozial- und Methodenkompetenz im Unterricht geboten werden. Eine bundesweite Stärkung der ökonomischen Bildung an allgemeinbildenden Schulen, und hier vor allem des situativen Lernens, fordern auch die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften gestützt von Eltern- bzw. Lehrerverbänden und Wissenschaft in ihrem Memorandum 2000.

    Das Ende der Tagung galt deshalb nicht der Frage, ob Handlungsorientierung Ja oder Nein, sondern wie ein zeitlich relativ umfangreiches Planspiel in den Wochenstun-denplan integriert werden kann. Wünschenswert wäre ein Projekttag, an dem die vier Phasen des Planspiels mit Gruppendis-kussion, Entscheidung, computergestützter Auswertung und erneuten Diskussionen durchgespielt werden können. Es ist jedoch auch möglich, das Planspiel in vier bis fünf Unterrichtsstunden abzuhandeln, oder in der unterrichtsfreien Zeit. Ähnlich wie beim Planspiel Börse könnten hier Preise als zusätzliche Motivation dienen.

    Am Ende der Tagung stand die Erkenntnis, dass ein motivierender Unterricht eine sinnvolle Mischung von traditionellem und handlungsorientiertem Unterricht sein muss, also der Reformtyp das Idealbild eines mo-dernen Pädagogen ist. Denn schon der Schulreformer Ferdinand Kindermann gab um 1770 an die ihm unterstellten Land-schullehrer die Weisung: "Hütet Euch, eifrige Schulfreunde, das Alte in einem gebiete-rischen Tone und mit Verachtung zu ver-werfen. Es ist nicht Neues so gut, dass es nicht eine verhasste Seite, und nicht Altes so übel, dass es nicht Gutes hätte".
    Günter Schiller


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Pädagogik / Bildung, Wirtschaft
    regional
    Studium und Lehre
    Deutsch


     

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