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23.06.2009 15:00

DPG und DGN warnen vor Parkinson-Therapie mit adulten Stammzellen

Frank A. Miltner Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie

    Gemeinsame Presseerklärung der Deutschen Parkinson-Gesellschaft (DPG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)

    Von verschiedenen Anbietern weltweit, seit einiger Zeit auch vom Kölner XCell-Center, wird Patienten, die an einem Morbus Parkinson leiden, eine Therapie mit aus ihrem Knochenmark gewonnenen Stammzellen angeboten. Die Stammzellen werden den Patienten direkt in die Gehirnflüssigkeit oder direkt in das Gehirn transplantiert oder intravenös injiziert. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist ein Nutzen dieser Therapie nicht gegeben.

    Für die erfolgreiche Behandlung des Morbus Parkinson mit Hilfe von Stammzellen ist es erforderlich, dass sich die eingesetzten Stammzellen im Gehirn in Dopamin-produzierende (dopaminerge) Nervenzellen umwandeln. Die Entwicklung solcher dopaminerger Nervenzellen aus Stammzellen, die aus dem Knochenmark eines erwachsenen Menschen gewonnen werden (sogenannte adulte Knochenmarkstammzellen), ist jedoch nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft nicht möglich. Ebenso wenig ist auch nur ansatzweise gesichert, dass Stammzellen, die in die Gehirnflüssigkeit transplantiert werden, überhaupt die Gehirnareale erreichen können, in denen sie gebraucht werden. Indirekte Effekte der transplantierten Knochenmarkstammzellen, z.B. über eine Beeinflussung des Immunsystems, werden derzeit kontrovers diskutiert; schlüssige Belege für solche Effekte beim Morbus Parkinson fehlen jedoch.

    Dem fehlenden Nutzen der angebotenen Stammzelltherapie stehen allerdings mögliche erhebliche Gesundheitsrisiken gegenüber. In Studien über die Einbringung von Knochenmarkzellen in Herzkranzgefäße konnte festgestellt werden, dass diese Stammzellen gemäß ihrer vorherigen Funktion im Herzmuskel Knochenmark bildeten und kein Muskelgewebe. Eine solche Bildung von Knochenmark im Gehirn könnte kaum abschätzbare unerwünschte Risiken bei Patienten hervorrufen. Wissenschaftliche Daten aus klinischen Studien zu den möglichen Gesundheitsrisiken fehlen.

    Vor diesem Hintergrund warnen die Deutsche Parkinson-Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie betroffene Patienten davor, sich in der Hoffnung auf eine Linderung oder Heilung ihres Morbus Parkinson einer Therapie mit aus dem Knochenmark gewonnenen Stammzellen zu unterziehen. Die Risiken einer solchen Behandlung stehen in keinem Verhältnis zu einem nur vermuteten Nutzen.

    Für vertiefende Informationen einschließlich der wissenschaftlichen Grundlagen dieser Warnung wenden Sie sich bitte an die Arbeitsgruppe Zellersatztherapien der Deutschen Parkinson Gesellschaft (http://www.parkinson-gesellschaft.de/).

    Deutsche Parkinson Gesellschaft
    Prof. Dr. med. W. Oertel (1. Vorsitzender)
    Aukammallee 33, 65191 Wiesbaden

    Deutsche Gesellschaft für Neurologie
    Prof. Dr. med. H. Reichmann (1. Vorsitzender)
    Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin

    Kontakt für fachliche Rückfragen

    Prof. Dr. med. Johannes Schwarz
    Klinik für Neurologie, Universität Leipzig
    Liebigstr. 20,04103 Leipzig
    Tel. +49-341-9724202
    Fax +49-341-9724239
    E-Mail: johannes@caltech.edu

    Prof. Dr. med. Alexander Storch
    Klinik und Poliklinik für Neurologie
    Technische Universität Dresden
    Fetscherstrasse 74, 01307 Dresden
    Tel.: +49-351-458-2532
    Fax: +49-351-458-4352
    E-Mail: Alexander.Storch@neuro.med.tu-dresden.de

    Pressestelle der DGN
    c/o albertZWEI media GmbH, München, Frank A. Miltner, presse@dgn.org , Tel: 089 461486-14

    Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
    Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, busse@dgn-berlin.org

    Abdruck honorarfrei - Belegexemplar an die Pressestelle erbeten

    Sie erhalten diese Pressemitteilung, weil Sie im Presseverteiler der Deutschen


    Weitere Informationen:

    http://www.dgn.org/pressemitteilung-23.06.2009.html Diese Pressemitteilung im Internet


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Philosophie / Ethik
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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