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26.06.2009 09:10

Neuer HTA-Bericht: Dialysepatienten profitieren von Phosphatbindern

Susanne Breuer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)

    Alle Typen von Phosphatbindern können den gestörten Mineralhaushalt von Dialysepatienten wirksam verbessern. So ein Ergebnis eines jetzt vom DIMDI veröffentlichten HTA-Berichts. Gegenüber kalziumhaltigen Phosphatbindern erscheint die Arterienverkalkung bei neueren, kalziumfreien Wirkstoffen vermindert. Ein möglicher Grund sind die in Studien bei ihnen seltener beobachteten hohen Kalziumspiegel.

    Davon könnten besonders ältere Patienten profitieren, die ohnehin ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besitzen. Allerdings sei für endgültige Aussagen die Datenbasis zu schmal: zehn von elf Primässtudien beziehen sich auf insgesamt nur 539 Patienten, bemängeln die Autoren. Sie fordern weitere Langzeitstudien. Damit sei zu klären, ob das Verhindern von Kalkablagerungen letztlich die Überlebensraten von Dialysepatienten verbessert.

    Phosphat: Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall
    Ein zu hoher Phosphatspiegel ist für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion ein gravierender kardiovaskulärer Risikofaktor. Ist trotz phosphatarmer Ernährung die Konzentration im Blut zu hoch, können sogenannte Phosphatbinder helfen: Sie binden über die Nahrung aufgenommenes Phosphat im Magen-Darm-Trakt und senken so indirekt seine Blutkonzentration. Vier Typen sind bekannt: Die traditionellen Kalzium- und Aluminiumsalze sowie die neu entwickelten Substanzen Sevelamer und Lanthankarbonat.

    Schutz vor Arterienverkalkung?
    Alle vier Substanzgruppen können die Phosphatmenge und andere Stoffe im Blut effektiv kontrollieren. Das folgt aus Studien, die dem Bericht zugrunde liegen. Dabei erscheinen alle Phosphatbinder vergleichbar sicher: Unerwünschte Arzneimittelereignisse sind unter ihnen etwa so häufig wie bei Dialysepatienten im Allgemeinen.
    Kalziumfreie Wirkstoffe weckten hohe Erwartungen, die Verkalkung und damit letztlich die Sterblichkeit bei Dialysepatienten zu verringern, so die Autoren. Denn die beständige Kalziumzufuhr unter kalziumhaltigen Phosphatbindern spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Gefäßverkalkungen.
    Studiendaten belegten für Sevelamer eine geringere Arterienverkalkung als unter kalziumhaltigen Phosphatbindern. Ob dadurch die Sterblichkeit sinke, wollen die Autoren aus den wenigen vorliegenden Ergebnissen nicht schließen. Zumindest bestimmte Patientengruppen, nämlich ältere Patienten (>65 Jahre), profitierten jedoch entsprechend. Dies sei aber nicht eindeutig auf verminderte Kalziumablagerungen zurückzuführen. Auch Begleiteffekte einer Therapie mit Sevelamer wie eine Senkung der Lipide könnten eine Rolle spielen.

    Dialysepatienten: hohes Herz-Kreislauf-Risiko
    Über 90.000 Menschen leiden in Deutschland an chronisch eingeschränkter Nierenfunktion. Sie können Stoffwechselprodukte wie Harnstoff oder Phosphat nicht ausreichend ausscheiden. Rund 66.000 Patienten mussten deshalb 2006 zur externen "Blutwäsche" - der Dialyse. Reichern sich schädliche Substanzen im Blut an, können Ablagerungen in den Blutgefäßen entstehen, die das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die häufigste Todesursache chronisch nierenkranker Patienten.

    Effektivität und Kosteneffizienz von Phosphatbindern in der Dialyse (Sophie Brunner-Ziegler, Barbara Fröschl, Cora Hiebinger, Alice Wimmer, Johannes Zsifkovits)

    HTA-Berichte bei DAHTA
    Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Verschiedene Berichte sind außerdem in der Schriftenreihe HTA als Buchausgabe erschienen und im Buchhandel und im DIMDI Webshop zum Preis von je 20,00 EUR (zzgl. Versandkosten) erhältlich.


    Weitere Informationen:

    http://gripsdb.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta236_bericht_de.pdf - Bericht im Volltext (PDF, 640 kB)
    http://gripsdb.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta236_kurzfassung_de.pdf - Bericht als Kurzfassung (PDF, 63 kB)
    http://www.dimdi.de/de/hta/db/index.htm - HTA-Berichte beim DIMDI suchen
    http://www.dimdi.de/de/hta/programm/index.htm - HTA beim DIMDI
    http://www.egms.de/de/reports/dahta/index.shtml - HTA-Berichte der DAHTA bei German Medical Science (GMS)


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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