Zu Ehren des amerikanischen Kommunikationswissenschaftlers Prof. Dr. John J. Gumperz und aus Anlass seines Besuchs in Fulda am 25. Juli hat der Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda John-Gumperz-Lectures eingerichtet.
Sie werden künftig internationalen Sozial- und Kulturwissenschaftlern verliehen. Für maximal ein Semester können diese am Fachbereich lehren und forschen. "Damit intensivieren und verstetigen wir unser Engagement im internationalen Wissensaustausch, insbesondere in den Kommunikations- und Kulturwissenschaften", betonte Prof. Dr. Heinrich Bollinger, Dekan des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften. "Wir sind seit Jahren mit Professor Gumperz freundschaftlich verbunden und er hat in unseren Studienprogrammen schon mehrmals gelehrt", ergänzte Prof. Dr. Werner Nothdurft vom Fachbereich, der mit Professor Gumperz an der Universität in Berkeley zusammengearbeitet hatte.
Während seines Besuchs am Fachbereich hielt Professor Gumperz einen Vortrag zum Thema Interkulturelle Kommunikation, in dem er ein vehementes Plädoyer dafür hielt, die Probleme der Multikulturalität als gesellschaftliche Herausforderung anzunehmen.
Professor Gumperz hat seit den 60er Jahren an der renommierten Universität in Berkeley in Kalifornien das Forschungsgebiet der Interkulturellen Kommunikation maßgeblich geprägt. Über die Wissenschaft hinaus bekannt wurde er mit Lehrfilmen für die BBC. An konkreten Beispielen aus dem Alltag zeigte er, dass die interkulturelle Verständigung schon an sprachlichen Kleinigkeiten scheitern kann. Beispielsweise an der Länge der Sprechpausen. Finnen etwa machen längere Sprechpausen als Deutsche. Deswegen haben Deutsche den Eindruck, der Redebeitrag eines Finnen wäre bereits am Ende angelangt, ohne dass dieser seine Position klar gemacht hätte, und ergreifen ihrerseits das Wort. Der Finne jedoch fühlt sich dadurch unterbrochen und unhöflich behandelt.
Berühmt ist Gumperz' Heathrow-Studie: Fluggäste beschwerten sich über das unfreundliche Verhalten der Bedienung im Flughafen-Restaurant. Das Personal jedoch bestritt vehement unfreundlich zu sein. Lange tappte man im Dunkel, bis Professor Gumperz den Fall untersuchte. Er entdeckte, dass der Eindruck von Unfreundlichkeit dadurch entstand, dass das pakistanisch-stämmige Bedienungspersonal die Fragen nach den Wünschen der Gäste im pakistanisch geprägten Frageton formulierte - und dieser hört sich für westeuropäische Ohren an wie eine barsche Aufforderung.
Kontakt: Prof. Dr. Werner Nothdurft, E-Mail: werner.nothdurft@sk.hs-fulda.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medien- und Kommunikationswissenschaften
überregional
Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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