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03.07.2009 14:38

Sind Bachelor- und Masterstudium in der Medizin ein gangbarer Weg?

Dr. Eva Maria Wellnitz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Mannheim

    Medizinische Fakultät Mannheim sagt "nein" zum Bachelor in der Medizin und "ja" zum Bachelor in Medizin- und Gesundheitswissenschaften

    Die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat für den "Tag der Lehre" der Medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg ein hoch aktuelles und viel diskutiertes Thema gewählt: den Bologna-Prozess in der Medizin. Und sie hat eine Antwort auf die problematische Fragestellung, ob Bachelor- und Masterstudium ein gangbarer Weg in der Medizin sind.

    Zum Hintergrund: Der Bologna-Prozess steht für eine umfassende Reform der Hochschulen und ihrer Studieninhalte. Ziel ist es, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, beispielsweise durch europaweit vergleichbare und gegenseitig anerkannte Abschlüsse. Das bekannteste Ergebnis der Reform ist die Umstellung der Studiengänge auf ein zweistufiges Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master. Die staatlich geregelten Studiengänge Medizin und Jura sind in Deutschland bisher von der Umstellung ausgenommen. Sie behalten ihre Staatsexamina bei.

    Die Fachkreise der medizinischen Lehre befassen sich dennoch mit der Frage nach neuen Studienstrukturen und diskutieren in diesem Zusammenhang die Sinnhaftigkeit eines zweistufigen Studiums mit Bachelor- und Masterabschluss in der Medizin. Dabei überwiegt die Skepsis - die Medizin hat sich bisher gegen die Einführung der neuen Studienstruktur gewehrt. Der Medizinische Fakultätentag warnt vor dem Reformmodell, von dem er sich keine Verbesserungen verspricht und höhere Kosten fürchtet.

    Neue Strukturen scheinen dennoch angebracht angesichts der Problematik, dass immer häufiger zeit- und kostenaufwändig für die kurative Patientenversorgung ausgebildete Mediziner in Berufe abwandern, in denen sie nicht kurativ tätig sind. Dies belegen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Danach ist knapp ein Viertel der berufstätigen Mediziner nicht als Arzt beschäftigt.

    Mit der dynamischen Entwicklung des Gesundheitssektors, gewinnen insbesondere Bereiche an Bedeutung, die nicht mit der kurativen Patientenversorgung befasst sind. Hier entstehen neue Berufsfelder, die sich den jungen Hochschulabsolventen erschließen. Gleichzeitig fehlen den Medizinern jedoch Kenntnisse aus Bereichen wie Ökonomie, Management oder Marketing, die für den von ihnen gewählten Beruf essentiell sind, was wiederum Zusatzausbildungen erfordert.

    Eine Lösung für das Dilemma bietet das Konzept des Bachelor "Medizin- und Gesundheitswissenschaften" der Medizinischen Fakultät Mannheim, der in den erfolgreichen Modellstudiengang MaReCuM (Mannheimer Curriculum für Medizin und medizinnahe Berufe) integriert ist. Der geplante Bachelor-Studiengang bietet eine gründliche medizin-theoretische Ausbildung und kombiniert diese mit wirtschaftswissenschaftlichen, medizin-technischen, sozial- und präventiv-medizinischen Grundlagen. Auch Fähigkeiten im Bereich von Kommunikation und Management werden vermittelt. Dafür spielen originär ärztliche Tätigkeiten am Patienten in der Ausbildung keine Rolle. Die Medizinische Fakultät Mannheim plant eine hochwertige vierjährige medizin- und gesundheitswissenschaftliche Bachelor-Ausbildung, mit dem Ziel, künftige Führungskräfte im Gesundheitssektor heranzubilden. Diese verlängerte Bachelor-Studiendauer orientiert sich an international vergleichbaren Studiengängen, ist aber in Deutschland in dieser Form einmalig.

    Professor Dr. Harald Klüter, Studiendekan der Medizinischen Fakultät Mannheim: "Wir sagen 'ja' zum Bachelor in Medizin- und Gesundheitswissenschaften, ohne das Medizinstudium selbst umzustrukturieren. Dieses Angebot einer Ausbildung für medizinnahe Berufe ist an unserer Medizinfakultät durch unsere Forschungsschwerpunkte richtig angesiedelt. Wir sehen dieses Angebot als zukunftweisenden Beitrag zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung. Allerdings brauchen wir für die Umsetzung eines solchen Studienganges die Unterstützung des Landes."

    Ein vom Landesministerium in Stuttgart in Auftrag gegebenes Gutachten zur Weiterentwicklung der Medizin an den fünf medizinischen Fakultäten des Landes hatte die Einrichtung eines solchen Bachelor-Studiengangs empfohlen.
    Die Medizinstrukturkommission Baden-Württemberg hat das Studienkonzept MaReCuM mit seinem medizinnahen Bachelor-Studiengang in seinem Abschlussbericht von 2006 als innovativ bewertet. Seither studieren in Mannheim jährlich etwa 175 Studierende im neuen Modellstudiengang MaReCuM - mit bislang sehr großem Erfolg.


    Weitere Informationen:

    http://www.ma.uni-heidelberg.de/studium/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen, Wissenschaftspolitik
    Deutsch



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