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21.07.2009 12:57

Die Kindheit aus Sicht der Evolution

Dr. Eva Maria Wellnitz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Mannheim

    Neues Buch "Kinder verstehen" nutzt Erkenntnisse der Evolutionsbiologie

    Wie Kinder sich entwickeln und was dies für die Erziehung bedeutet, ist ein viel diskutiertes Thema. Das neue Buch "Kinder verstehen" von Dr. med. Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und als assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Medizinischen Fakultät Mannheim tätig, nähert sich dem Thema Erziehung, indem es versucht, die Entwicklung der Kinder möglichst genau zu verstehen. Das Buch geht nicht von psychologischen Theorien aus, sondern fragt danach, wie sich die Verhaltensweisen der Kinder durch die Evolution entwickelt haben.

    Kinder, so die These des Buches, folgen bei ihrer Entwicklung uralten Programmen, die dem werdenden Menschen über Tausende von Jahren geholfen haben, mit seiner Umwelt zurechtzukommen. Dieses Erbe wirkt auch heute noch - und wer es kennt, kann in Erziehungsfragen Antworten jenseits der tagesaktuellen Moden finden.

    Kinder verhalten sich oft nicht so, wie es ihre Eltern von ihnen erwarten und wünschen: Babys weinen ohne Angabe von Gründen, sie haben wochenlang Koliken und sie wollen partout nicht im eigenen Bettchen schlafen. Kleinkinder essen kein Gemüse, dafür Süßigkeiten ohne Grenzen, sie schlafen schlecht ein und wachen nachts regelmäßig auf. Sie bekommen aus heiterem Himmel Wutanfälle und lassen sich beim Sauberwerden endlos Zeit. Es hat sich eingebürgert, all das als ein Defizit der Kinder zu sehen: Sie sind eben noch nicht in der Lage, sich verständlich zu machen. Ihre Blasenfunktion ist noch "unreif", ihr Gehirn eine Baustelle. Oder sie tragen mit ihrem Verhalten irgendwelche Konflikte aus - mit sich, der Mutter oder ihrem Über-Ich. Oder sie sind einfach "unerzogen".

    Dem Buch "Kinder verstehen" liegt eine andere Sichtweise zugrunde. Statt nach dem zu suchen, was unseren Kindern fehlt, fragt es nach den Vorteilen, die ein bestimmtes Verhalten bietet. Was bringt es dem Kind, so zu sein, wie es ist - und nicht anders? Das Buch nimmt an, dass Kinder gute Gründe haben, wenn sie ihre Eltern vor Rätsel stellen.

    Das gedankliche Werkzeug, mit dem in dem Buch die Kindheit betrachtet wird, ist die Evolutionstheorie. Dieses, von Charles Darwin begründete Gedankengebäude geht davon aus, dass die heutigen Lebewesen deshalb so aussehen wie sie aussehen und sich so verhalten wie sie sich verhalten, weil sie mit diesen Eigenschaften in der Vergangenheit Erfolg hatten. Und das gilt auch für unsere Kinder. Dass sie in ihrer Entwicklung auf das den Eltern einschlägig bekannte Repertoire setzen, hat einen einfachen Grund: Es hat ihnen geholfen, besser in der Umwelt zurechtzukommen, in der sie über Hunderttausende von Jahren gelebt haben.

    Das Buch "Kinder verstehen" zeigt Eltern, wie Kinder ihre Stärken entwickeln, und was das für den Erziehungsalltag bedeuten kann.


    Weitere Informationen:

    http://www.kinder-verstehen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Kulturwissenschaften, Medizin, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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