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24.07.2009 13:46

Der beste aller "ungünstigen" Zeitpunkte: Ein Kind im Medizinstudium - Ulmer Pilotstudie

Jörg Portius Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Ulm

    Studium, Praktisches Jahr, Berufseinstieg, Facharztausbildung ... Wann ist für MedizinerInnen der beste Zeitpunkt für Nachwuchs? Eine Studie der Ulmer Universität zeigt, dass das Studium dafür unter allen "ungünstigen" Zeitpunkten einer der günstigsten ist. Die Pilotstudie analysiert, mit welchen Schwierigkeiten Studierende mit Kindern im anspruchsvollen Medizinstudium zu kämpfen haben und entwickelt daraus Konzepte zur Verbesserung. Mit einer Förderung des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums in Höhe von 190.000 Euro für zwei Jahre wird die Studie auf alle Medizinischen Fakultäten des Landes in Kooperation mit dem Landesinstitut FamilienForschung Baden-Württemberg ausgedehnt.

    "Wenn die Studienzeit für Medizinerinnen der günstigste Zeitpunkt für Nachwuchs ist, müssen wir dafür sorgen, dass das Medizinstudium mit Kind möglich ist", erklärt Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Studiendekan der Medizinischen Fakultät und Familienforscher. "Der Frauenanteil unter den Medizinstudierenden liegt bei über 60 Prozent. Ein familienfreundliches Studium ist daher ein Baustein, um sicherzustellen, dass wir in Deutschland auch in Zukunft genügend Ärzte haben", so Fegert.
    Für die aus Studiengebühren finanzierte Studie befragte Fegert mit seinem Team in 37 strukturierten Interviews etwa die Hälfte der Ulmer Medizinstudierenden mit Kindern. Obwohl die meisten von ihnen das Studium als einen relativ günstigen Zeitpunkt für die Familiengründung sehen, haben sie mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Neben fehlender zentraler Beratung und finanziellen Problemen wurde besonders häufig die familienunfreundliche Studienorganisation genannt. "Der Stundenplan ist gerade im Medizinstudium sehr verschult. Man bekommt schon einen relativ strikten Stundenplan vorgegeben", stellt Medizinstudent Marcus Meier fest, Vater einer kleinen Tochter. Da Lehrveranstaltungen und Praktika oft bis in den Abend hinein dauern, fehlen zu diesen Zeiten Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder.
    Das Ulmer Studiendekanat zieht aus den Analysen der Studie Konsequenzen. "Wir sind dabei, den Lehrplan so umzuarbeiten, dass studierende Eltern ihre Veranstaltungen in der Kernarbeitszeit besuchen können", erläutert Studienreferent Hubert Liebhardt, im Dekanat der Medizinischen Fakultät Ulm verantwortlich für Studienangelegenheiten. Ein Teilzeitstudium ist in der Medizin bisher in Deutschland nicht vorgesehen. "Wir möchten aber in einem ersten Schritt für Studierende mit Kindern flexiblere Fristen einführen. Außerdem loten wir aus, ob man Praktika innerhalb des Studiums in Teilzeit ableisten könnte", erläutert Liebhardt. Universität und Klinikum arbeiten im audit "berufundfamilie" zudem u. a. an einer verbesserten Kinderbetreuung.

    Dass die Gesellschaft von der Unterstützung der Medizinstudenten mit Kindern profitieren wird, davon ist Anita Kirner, Medizinstudentin und Mutter einer kleinen Tochter, überzeugt: "In einem Job wie der Medizin später Kinder zu bekommen, kostet die Gesellschaft wesentlich mehr Geld, denn Schwangerschaftsvertretungen einzustellen ist schwierig. Wer seine Familienplanung im Studium abgeschlossen hat, ist im Berufsleben halt zuverlässig." Und, so Liebhardt, hat durch die Doppelbelastung hohe Kompetenz in Organisation und Leistungsstärke erworben.

    Für Rückfragen steht Ihnen Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Universitätsklinikum Ulm, unter der Telefonnummer 0731 500-43043 gerne zur Verfügung.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Medizin, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Forschungsprojekte, Studium und Lehre
    Deutsch


    Medizinstudentin Anna Magdalena Drees mit Sohn.


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