Poetik - zwischen Fiktion, Wahrheit und Lüge
Kaum ein ernstzunehmender Schriftsteller verzichtet heute darauf, sich zu seinem "poetischen Selbstverständnis zu äußern", also auf Hinweise, wie seine Werke möglicherweise zu verstehen sind. Auf "Dichterpoetiken" liegt daher der besondere Schwerpunkt eines soeben erschienenen Lexikons "Poetiken - Autoren - Texte - Begriffe", das die Bochumer Komparatistin Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans zusammen mit Dr. Uwe Lindemann (RUB) und Prof. Dr. Manfred Schmeling (Uni Saarbrücken) herausgegeben hat.
Obwohl sie in der Auswahl Dokumenten "moderner Dichtung und hier wiederum die zeitgenössischer Poetiken in höherem Maße" berücksichtigen, wahren sie dennoch die Kontinuität zu bestimmten Fragen von der Antike bis zur Gegenwart.
Von poetischer Sprechweise
Lügen Dichter, wenn sie Geschichten erfinden, oder transportiert die poetische Fiktion eine ureigene Erkenntnisform? Der Streit über Sinn und Zweck von Literatur reicht zurück bis zu Platon, der ersterer Ansicht war, und seinem Gegenspieler Aristoteles, der ihr eine eigene 'philosophische Qualität' zusprach. Wie unterscheiden sich fiktionale Texte von nicht-fiktionalen? Welche Kriterien bestimmen, was (gute) Literatur ist? Gibt es überhaupt eine "poetikspezifische Denk-, Sprech- oder Schreibweise"? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Beiträge des neuen Lexikons.
Von A bis Z
Von Addison bis Zola, von der Antike bis zur Gegenwart reichen die mehr als 400 Beiträge über Schriftsteller, Dichter aber auch Philosophen, Ästhetiker, Literaturtheoretiker und Literaturkritiker, die sich mit "Funktionen und Formen der Literatur (Dichtung, Poesie) auseinandergesetzt haben". Heutzutage verzichtet kaum ein ernstzunehmender Schriftsteller in seinem Werk oder außerhalb dessen auf Hinweise, wie er es verstanden wissen will, auch weil es keinen gemeinsamen Nenner für die Epoche gibt, welcher Ästhetik zu folgen gilt. Das bewusst alphabetisch nach Autorennamen gegliederte Lexikon bietet einen Überblick über die poetologische Diskussion - mit besonderer Berücksichtigung des westlichen Kulturkreises. Die Beiträge sind zugespitzt auf die zentrale Frage nach dem Verständnis der Autoren der je eigenen Poetik.
Nützlicher Anhang
Einem 400-seitigen A-Z-Lexikonteil folgt im Anhang die Auflistung der Poetik-Vorlesungen und -Dozenturen im deutschsprachigen Raum. Außerdem enthält es eine Auswahl weiterführender Forschungsliteratur sowie ein nützliches Register der wichtigsten Begriffe zur Poetik mit Hinweisen, in welchen Autorenartikeln sie vorkommen.
Titelaufnahme
"Poetiken. Autoren - Texte - Begriffe", herausgegeben von Monika Schmitz-Emans, Uwe Lindemann und Manfred Schmeling unter Mitarbeit von Kai Fischer, Anne Rennig und Christian Winterhalter. Walter de Gruyter Verlag, Berlin, New York, 2009. 149,95 Euro (ISBN 978-3-11-018223-1)
Weitere Informationen
Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Tel. 0234/32-22564, E-Mail: monika.schmitz-emans@ruhr-uni-bochum.de
Redaktion: Dr. Josef König
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Sprache / Literatur
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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