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08.09.2009 12:27

Einfluss des Sauren Regens auf Waldökosysteme untersucht

Dr. Bernd Ebeling Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

    Der Einsatz von Anlagen zur Rauchgasentschwefelung und von Katalysatoren zur Bekämpfung des "Sauren Regens" hat Wirkung gezeigt. Mit Messdaten aus drei Buchenwäldern in Göttingen, im Solling und bei Kassel können Göttinger Wissenschaftler belegen, dass seit den 1990er Jahren die Schwefelbelastung dieser Böden um 80 Prozent zurückgegangen ist. Während das Kalkgestein im Göttinger Wald heute insgesamt wenig beeinträchtigt ist, hat jedoch die Säure, die im Buntsandstein des Solling gespeichert wurde, diesen Waldboden nachhaltig gestört. Die Auswertung weiterer Daten von Wäldern in ganz Deutschland ergab zudem, dass die Stickstoffeinträge den Bedarf der Wälder übersteigen.

    Göttingen, 8. September 2009
    Pressemitteilung Nr. 169/2009

    Einfluss des Sauren Regens auf Waldökosysteme untersucht
    Langzeit-Studie in drei Buchenwäldern - 30 Prozent der Waldböden mit Stickstoff gesättigt

    (pug) Der Einsatz von Anlagen zur Rauchgasentschwefelung und von Katalysatoren zur Bekämpfung des "Sauren Regens" hat Wirkung gezeigt. Mit Messdaten aus drei Buchenwäldern in Göttingen, im Solling und bei Kassel können Göttinger Wissenschaftler belegen, dass seit den 1990er Jahren die Schwefelbelastung dieser Böden um 80 Prozent zurückgegangen ist. Während das Kalkgestein im Göttinger Wald heute insgesamt wenig beeinträchtigt ist, hat jedoch die Säure, die vor allem bis zu den 90er Jahren im Buntsandstein des Solling gespeichert wurde, diesen Waldboden nachhaltig gestört. Die Auswertung weiterer Daten von Wäldern in ganz Deutschland ergab zudem, dass die Stickstoffeinträge den Bedarf der Wälder übersteigen. Dies kann zu Belastungen von Trinkwasser und der Atmosphäre führen. Das Forschungszentrum Waldökosysteme der Universität Göttingen hat die Untersuchungen koordiniert, an denen Zoologen, Mikrobiologen, Vegetationskundler, Klimatologen, Bodenkundler, Ertragskundler und Waldbauer der Universität und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt beteiligt waren. Die Ergebnisse der sich über einen Zeitraum von 40 Jahren erstreckenden Studie sind nun als Buch in der Reihe "Ecological Studies" veröffentlicht.

    Zusätzlich zu den langjährigen Messreihen werteten die Forscher das "Intensive Forest monitoring programm, Level II" aus - eine bundesweite Erhebung über 53 Waldstandorte, an denen die Forstlichen Versuchsanstalten der Länder seit 1996 Stoffbilanzen erheben. Ein zentrales Ergebnis ihrer Analyse: Die Belastung des Waldökosystems mit Stickstoffemmissionen ist zwar in den vergangenen Jahren zurückgegangen, liegt aber immer noch auf hohem Niveau. Insbesondere die Landwirtschaft trägt mit der Viehhaltung neben dem Verkehr wesentlich zur Luftverunreinigung bei. Diese Speicherung des Stickstoffs im Boden hat zur Folge, dass auch Kohlenstoff vermehrt im Humus des Bodens und in den Pflanzen gebunden wird. Die Forscher nehmen deshalb an, dass viele Waldböden derzeit zur Verringerung von Kohlendioxid in der Atmosphäre beitragen.

    Auf der anderen Seite zeigt die Studie aber auch, dass die Böden in knapp 30 Prozent der untersuchten Waldstandorte bereits mit Stickstoff gesättigt sind. "In diesen Wäldern wird der eingetragene Stickstoff als Nitrat ausgewaschen und belastet damit Trinkwasser und Gewässer. Oder er wird als Lachgas freigesetzt, das ein Treibhausgas mit der 320-fachen Wirkung des Kohlendioxids ist", erläutert Dr. Brumme die Folgen. Gegen die durch Überdüngung und Säurebildung verursachten Nährstoffungleichgewichte in Pflanzen haben die Forstlichen Versuchsanstalten bereits Maßnahmen ergriffen: Die betroffenen Wälder werden seit Mitte der 80er Jahre regelmäßig gekalkt. Dies verhindert die weitere Versauerung der Böden und liefert gleichzeitig wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Magnesium.

    Mit regelmäßigen Messungen konnten die Wissenschaftler bereits in den 80er Jahren auf die steigende Belastung durch Luftschadstoffe wie Schwefel und Stickstoffoxide hinweisen und später deren Rückgang aufzeichnen. Zudem beobachteten sie, wie unterschiedlich die Böden der drei Versuchsflächen - Kalkgestein, Buntsandstein und Basaltgestein - die Schadstoffe speichern, umwandeln und abbauen. "Beobachtungen über einen solch langen Zeitraum sind sinnvoll, weil das Waldökosystem langsam auf Veränderungen reagiert. Sie liefern uns wichtige Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zwischen Schadstoffeinträgen, dem Klimawandel und den vielfältigen Funktionen der Wälder", erläutert Bodenkundler Dr. Rainer Brumme von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie.

    Originalveröffentlichung:
    Rainer Brumme, Partap K. Khanna (Hg.): Functioning and Management of European Beech Ecosystems. Ecological Studies 208. Springer-Verlag, Berlin 2009

    Kontaktadresse:
    Dr. Rainer Brumme
    Georg-August-Universität Göttingen
    Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
    Abteilung Ökopedologie der Tropen und Subtropen
    Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
    Telefon (0551) 39-3516, Fax (0551) 39-3310
    E-Mail: rbrumme@gwdg.de
    Internet: http://www.forst.uni-goettingen.de


    Bilder

    Messungen von Stoffwechselkreisläufen im Waldökosystem im Buchenwald der Versuchsanlage im Solling
    Messungen von Stoffwechselkreisläufen im Waldökosystem im Buchenwald der Versuchsanlage im Solling
    Quelle: Universität Göttingen

    Schwefel und Stickstoffdepositionen im Bestandsniederschlag des Solling
    Schwefel und Stickstoffdepositionen im Bestandsniederschlag des Solling
    Quelle: Universität Göttingen


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Messungen von Stoffwechselkreisläufen im Waldökosystem im Buchenwald der Versuchsanlage im Solling


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