idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
21.09.2009 14:40

Zielgenaue Medikamente gegen Rheuma

Dr. Cornelia Rufenach Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

    Biologika trotz Nebenwirkungen sicher anwendbar

    Köln/Berlin, September 2009 - Biotechnologische Medikamente gegen Rheuma - sogenannte Biologika - lindern nicht nur die Krankheit selbst. Sie schwächen unter anderem auch die körpereigene Abwehr. Dadurch sind Patienten schlechter vor Infektionen geschützt. Wie sich Biologika sicher einsetzen lassen und warum ihr Nutzen im Kampf gegen Rheuma sehr groß ist, diskutieren Experten im Rahmen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der vom 23. bis 26. September in Köln stattfindet.

    Biologika sind hierzulande seit etwa einem Jahrzehnt im Einsatz. Ursprünglich zur Therapie von Blutvergiftungen entwickelt, bekämpfen die molekularbiologisch hergestellten Medikamente heute erfolgreich zum Beispiel Rheumatoide Arthritis (RA): Sie blockieren gezielt die von der körpereigenen Abwehr gesteuerten entzündlich-rheumatischen Vorgänge im Gelenk. Mittlerweile sind mehrere Wirkstoffe auf dem Markt. "Die verschiedenen Biologika greifen - wenn auch auf unterschiedlichen Wegen - direkt in den Erkrankungsprozess ein", erläutert DGRh-Beirat Professor Dr. med. Gerd-Rüdiger Burmester, leitender Rheumatologe an der Berliner Charité. Mit wachsender Erfahrung und Studienzahl setzten Rheumatologen Biologika heute individuell angepasst und zunehmend sicher bei ihren Patienten ein, erläutert der Experte: "Kontrollierte klinische Studien belegen eine hohe Wirksamkeit und ein gutes Sicherheitsprofil."

    Ein gewisses Risiko besteht jedoch darin, dass Biologika die körpereigenen Abwehrkräfte gegen Infektionen schwächen. "Viele Rheumatologen standen deshalb den neuen Medikamenten skeptisch gegenüber", sagt Professor Burmester im Vorfeld des Kongresses in Köln. Mithilfe von großen Studien und Patientenregistern prüfen Wissenschaftler diese Bedenken. Die Daten von weltweit etwa 20 000 Patienten, die in Registern genau nachuntersucht wurden, belegen: "Vor allem im ersten Jahr der Biologika-Behandlung kommt es vermehrt zu Infektionen, danach scheint das Risiko nicht mehr erhöht", so der DGRh-Experte. Lungenentzündungen oder Gürtelrose gehören zu den möglichen, wenn auch seltenen Folgen einer solchen Therapie.

    Biologika erfordern auch eine genaue Überwachung bei Menschen, die unterschwellig mit Tuberkulose infiziert sind. Diese Patienten sind äußerlich gesund, weil die Immunabwehr die Erreger der Infektionskrankheit in Schach hält. Unter Biologika-Therapie kann die Tuberkulose jedoch ausbrechen. Professor Burmester: "Alle Rheumapatienten werden deshalb vor Beginn der Therapie auf Tuberkulose getestet und bei einer bestehenden Infektion vorsorglich behandelt." Die Befürchtung, Biologika begünstigten das Krebsrisiko, hat sich bei Erwachsenen nicht bestätigt. Und auch Menschen mit nicht zu ausgeprägter Herzschwäche können die Präparate einnehmen. Schwangere sollten davon jedoch absehen beziehungsweise das Medikament bei eingetretener Schwangerschaft absetzen.

    Bei einigen Patienten lösen Biologika allergieähnliche Reaktionen aus. Dies gilt besonders dann, wenn der Arzt die Medikamente als Infusion in die Vene verabreichen muss. Auch vorübergehend ansteigende Leberwerte, erhöhte Blutfette oder eine verminderte Zahl von Abwehrzellen im Blut treten auf. Diese Risken hat der behandelnde Arzt laut Professor Burmester unbedingt zu berücksichtigen und entsprechend gegenzusteuern: "Der Einsatz von Biologika bei rheumatischen Erkrankungen erfordert Vorsichtsmaßnahmen und sollte deshalb ausschließlich Rheumatologen vorbehalten sein". Nutzen und Sicherheit von Biologika erörtern Experten im Rahmen des 37. Kongresses der DGRh in Köln.

    Ansprechpartner für Journalisten:

    Kongress-Pressestelle DGRh
    Anna Julia Voormann
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-552
    Telefax: 0711 8931-167
    spirgat@medizinkommunikation.org
    www.dgrh.de

    DGRh-Pressestelle
    Sandra Wittig
    Luisenstraße 41
    10117 Berlin
    Tel: 030/240484-80
    Fax: 030/240484-79
    sandra.wittig@dgrh.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dgrh.de/kongress2009.html - Kongresshomepage


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).