Mehr als 30 Nachwuchswissenschaftler aus Japan und Deutschland treffen sich vom 5. bis 9. Oktober zur bereits fünften Akademie des Internationalen Graduiertenkollegs Halle-Tokio, um gemeinsam über Gegenentwürfe zur Bürgergesellschaft in beiden Ländern zu diskutieren. Dabei wird ein thematischer und zeitlicher Bogen gespannt, der von den Lebensreformbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Weltbilder der neuen Linken in den 1960er Jahren bis hin zu denen ultrareligiöser Gruppen in der Gegenwart reicht.
"Bürger- und Zivilgesellschaft sind in Deutschland und Japan in der jüngeren Vergangenheit zu wichtigen Bezugspunkten der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Debatte geworden", sagt Tino Schölz, wissenschaftlicher Koordinator des Graduiertenkollegs. Die Geschichte und die Gegenwart zeigen jedoch auch, dass diese Entwicklung keineswegs unumstritten war. Vielmehr stand und steht Bürgergesellschaft als normatives Ziel in Konkurrenz zu unterschiedlichsten weltanschaulichen Alternativentwürfen, die man im Laufe der letzten einhundert Jahre auf friedlichen Wegen oder mit Mitteln der Gewalt in die Praxis umzusetzen versuchte.
Während der Herbstakademie sollen exemplarisch sechs solcher Alternativentwürfe in Deutschland und Japan analysiert werden. Diese verstanden sich zugleich als Gegenentwürfe zur westlichen Moderne. Die politischen Ordnungen, die diese Bewegungen herstellen wollten, sollten daher vor allem "natürlich" und "authentisch" sein. Das Individuum sollte innerhalb dieser Ordnungen in "echter", d. h. "harmonischer" Gemeinschaft leben. Dazu aber musste sich das Individuum selbst grundlegend verändern bzw. durch Erziehung verändert werden, es sollte sich entweder wieder auf jene "traditionellen" Lebensweisen besinnen, die vermeintlich vor dem Einbruch der Moderne bestanden haben. Oder es sollte zu einem "neuen Menschen" umgeformt werden. Die von diesen Bewegungen verfochtenen Utopien einer konfliktfreien Gesellschaft der "Harmonie" ließen keinen Platz für den offenen Austrag von Interessenkonflikten und kontroverse politische Debatten.
Das Erkenntnisinteresse der Akademie richtet sich dabei auf die Fragen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede diese alternativen Entwürfe zu Konzeptionen der Bürgergesellschaft aufweisen und in welchem Verhältnis sie zur historischen und rezenten Entwicklung der Bürgergesellschaft standen und stehen.
Abgerundet wird die Veranstaltung durch Vorträge externer Referenten.
Termin:
5. bis 9. Oktober 2009
Veranstaltungsort:
Internationales Graduiertenkolleg Halle-Tokio
Hoher Weg 4, Kollegiatenraum
06120 Halle
Veranstalter:
Internationales Graduiertenkolleg "Formwandel der Bürgergesellschaft. Japan und Deutschland im Vergleich" Halle-Tokio
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Anmeldung:
Anmeldung erbeten unter info@igkbuerger.uni-halle.de
Ansprechpartner:
Tino Schölz, M. A.
Institut für Politikwissenschaft und Japanologie der MLU
Telefon: 0345 55-24336
E-Mail: tino.schoelz@igkbuerger.uni-halle.de
http://www.igk-buergergesellschaft.uni-halle.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Gesellschaft, Kulturwissenschaften
überregional
Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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