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08.10.2009 11:21

Aufgabenteilung der Nervenfasern: Flucht und Lerneffekte

Meike Drießen Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

    Förderpreise für Schmerzforschung an Jenaer Forscher verliehen

    Die Funktionen verschiedener Nervenfasern bei der Leitung von Schmerz- und Temperaturreizen haben die Jenaer Forscher Prof. Dr. Thomas Weiß und Prof. Dr. Wolfgang H.R. Miltner untersucht. Auf Grundlage ihrer Hirnaktivierungsstudien vermuten sie, dass der zweiten, brennenden Schmerzempfindung eine zusätzliche Bedeutung bei der Steuerung von Aufmerksamkeit und dem Erlernen schmerzbezogener Verhaltensreaktionen zukommt. Beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin wurden sie dafür mit dem mit 1.750 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2009 ausgezeichnet.

    Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Langsame und schnellere Fasern

    Temperatur- und Schmerzreize erregen das Gehirn über zwei verschiedene Typen von Nervenfasern: A-Delta-Fasern mit moderater sowie C-Fasern mit geringer Geschwindigkeit der Informationsübertragung. Bislang waren die Unterschiede in der zentralen Verarbeitung für die beiden Informationstypen kaum untersucht. Den Jenaer Forschern ist es gelungen, die Aktivierung verschiedener Hirnstrukturen durch getrennte Stimulation der beiden Fasertypen zu untersuchen. Dazu stimulierten sie jeweils winzige Hautareale, um die Nervenfasern gezielt anzuregen, und registrierten die Hirnaktivierung mittels sog. funktioneller Kernspintomographie.

    Gemeinsam und doch unterschiedlich

    Sie fanden einerseits eine gleichartige Aktivierung in verschiedenen Regionen des Gehirns als Antwort auf die Stimulation beider Fasertypen, so dass sie gemeinsam die Wahrnehmung von Schmerz initiieren. Bei Stimulation von C-Fasern im Vergleich zur A-Delta-Faser-Stimulation zeigte sich andererseits eine signifikant stärkere Hirnaktivierung im rechten frontalen Operculum und in der vorderen Inselregion. Diese Gehirnregionen sind dafür bekannt, dass sie die selbstregulative Aufrechterhaltung eines für die normalen Lebensvorgänge optimalen inneren Milieus im Organismus überwachen und ggf. Aufmerksamkeit steuern. "Wir nehmen daher an, dass das C-Faser-System besonders dafür zuständig ist, dass die Schmerzinformation auch deutliche emotionale Erfahrungen hervorruft und die Aufmerksamkeit auf den Schmerz lenkt. Gleichzeitig wird auch gelernt, zukünftig ähnliche Umgebungen zu meiden und sich der Heilung zuzuwenden", sagt Prof. Weiß. "Die A-Delta-Fasern initiieren dagegen primär schnelle Reaktionen, insbesondere Wegziehreflexe und Flucht."

    Kontakt

    Prof. Dr. Wolfgang H.R. Miltner, Prof. Dr. Thomas Weiß, Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie der FSU Jena, Am Steiger 3, Haus 1, 07743 Jena, Tel. 03641/945141/-945143, E-Mail: miltner@biopsy.uni-jena.de, weiss@biopsy.uni-jena.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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