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13.11.2009 15:39

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften wählt vier neue Mitglieder

Gisela Lerch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

    Auf der Festsitzung zu ihrem diesjährigen Einsteintag am 13. November 2009 im Nikolaisaal Potsdam stellt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften vier neu gewählte Akademiemitglieder vor.

    Mit Beschluss der Versammlung vom gleichen Tage wurden folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in die Akademie aufgenommen:

    Holger Boche, Jg. 1966, Kommunikationstechnik
    Technikwissenschaftliche Klasse, Ordentliches Mitglied

    Dietmar Eifler, Jg. 1949, Werkstoffkunde
    Technikwissenschaftliche Klasse, Ordentliches Mitglied

    Axel Meyer, Jg. 1960, Zoologie, Evolutionsbiologie
    Biowissenschaftlich-medizinische Klasse, Ordentliches Mitglied

    Andreas Radbruch, Jg. 1952, Immunologie, Rheumatologie
    Biowissenschaftlich-medizinische Klasse, Ordentliches Mitglied

    Der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gehören damit 170 Ordentliche und 68 emeritierte Ordentliche Mitglieder sowie 68 Außerordentliche Mitglieder an. 32 Mitglieder sind Frauen.
    Das Durchschnittsalter der Ordentlichen Mitglieder beträgt 59,02 Jahre, das aller Mitglieder zusammen liegt bei 64,12 Jahren. Das Durchschnittsalter der seit dem Leibniztag 2009 gewählten Mitglieder zum Zeitpunkt der Zuwahl beträgt 53,02 Jahre.
    Nach Vollendung des 68. Lebensjahres werden die Ordentlichen Mitglieder von ihren Pflichten entbunden. Ihre Rechte, einschließlich des Stimmrechts in der Versammlung der Akademiemitglieder, bestehen mit Ausnahme des passiven Wahlrechts und des aktiven Wahlrechts bei der Wahl neuer Mitglieder unverändert fort.
    Die Akademie wählt ihre Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus dem Ausland. Derzeit kommen 121 Mitglieder aus Berlin und Brandenburg, 145 aus anderen Bundesländern und 40 aus dem Ausland.
    Die Akademie wählt ihre Mitglieder aus allen Wissenschaftsgebieten. Die Verteilung der Ordentlichen nicht emeritierten Mitglieder nach Klassen ergibt folgendes Bild:
    Geisteswissenschaften: 41; Sozialwissenschaften: 34; Mathematik-Naturwissenschaften: 36;
    Biowissenschaften-Medizin: 35; Technikwissenschaften: 24

    Kurzportraits der neuen Mitglieder

    Holger Boche, Jg. 1966, studierte Informationstechnik und Mathematik an der Technischen Universität Dresden, promovierte hier 1994 zum Ingenieur und 1998 an der TU Berlin zum Dr. rer. nat. Nach seiner Postdoc-Zeit in Jena (1993-1996) und einem Gastaufenthalt an der ETH Zürich (1997) ging er an das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik, Berlin - zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter (1997), dann als Abteilungsleiter (ab 1998), seit 2005 ist er Institutsleiter. 2002 erhielt er die Heinrich-Hertz-Professur für Mobilkommunikation an der TU Berlin, 2003 wurde er Institutsleiter des Fraunhofer German-Sino Lab for Mobile Communications, Berlin. Gastprofessuren führten ihn nach Zürich (2004, 2006) und Stockholm (2005). Er ist Mitglied zahlreicher Programmausschüsse internationaler Fachkonferenzen und Associate Editor namhafter Journale.
    Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit reichen von der Modellierung und Informationstheorie von bzw. für drahtlose Kommunikationssysteme über Grundlagenprobleme der Signalverarbeitung bis zur Signal- und Systemtheorie. Auf diesen Gebieten hat er international viel beachtete und wegweisende Ergebnisse vorgelegt. Er leistete bemerkenswerte Beiträge zu Mehrteilnehmer-Kommunikationssystemen, darunter zur Übertragungsoptimierung für Mehrnutzer-Antennen (MIMO) und Mehrträger-Übertragungssystemen. Zentrale Techniken, wie die Theorie der Interferenz-Funktionen, die Theorie zur Charakterisierung der unterstützbaren Quality-of-Service-Funktionen und die Theorie zur Ressourcen-Allokation unter Fairness-Bedingungen sind ebenso herausragende Ergebnisse der unter seiner Leitung arbeitenden Forschergruppe, wie neuartige praktische Methoden, zu denen die von ihm 2004 in Zusammenarbeit mit der Industrie entwickelte weltweit erste MIMO-Übertragung mit einer Rekord-Bitrate von 1Gbit/s und 2005 das erste Mehrnutzer-Scheduling-Funksystem nach dem MIMO-Prinzip gehören. Unter seiner Leitung und zusammen mit der Industrie realisierte er das erste "Testbed" für die nächste Generation nach UMTS.
    Holger Boches wissenschaftliche Leistungen wurden mit zahlreichen Ehrungen bedacht. So erhielt er für die Durchdringung der Mehrantennen-Systeme 2003 den ALCATEL-SEL-Forschungspreis und vornehmlich für seine Arbeiten zur zentralen Frage der Ressourcen-Allokation in Mobilfunk-Systemen der 3. Generation 2006 den VODAFONE-Innovationspreis. Seine Ergebnisse zur Theorie der Interferenz-Funktion wurden 2007 mit dem Johann-Philipp-Reis-Preis gewürdigt. 2008 schließlich wurde er mit dem Gottftried-Wilhelm-Leibniz-Preis der DFG ausgezeichnet.

    Dietmar Eifler, Jg. 1949, studierte Allgemeinen Maschinenbau in Karlsruhe (1970-1976), promovierte hier 1981 und wurde unmittelbar im Anschluss mit der Leitung des Schwingfestigkeitslaboratoriums des Instituts für Werkstoffkunde I der Universität Karlsruhe betraut. 1991 wurde er in Karlsruhe habilitiert und erhielt die Venia legendi für das Fach Werkstoffkunde. Im März 1991 folgte er dem Ruf an die Universität Essen, seit Juli 1994 hat er eine Professur für Werkstoffkunde an der TU Kaiserslautern inne. Er gehört zahlreichen nationalen und internationalen Fachbeiräten und Gremien der wissenschaftlichen Selbstverwaltung an und ist Mitglied im Advisory Board führender internationaler Zeitschriften. Er ist national und international gutachterlich tätig, unter anderem für die DFG, die AiF und die National Science Foundation (USA). Seit 2002 hat er den Vorsitz im Technologiebeirat Rheinland-Pfalz inne. Seine Verdienste als Wissenschaftler und Hochschullehrer wurden mit herausragenden Preisen gewürdigt.
    Dietmar Eifler befasst sich mit strukturmechanischen Vorgängen, die in Werkstoffen unter schwingender Belastung zum Ermüdungsversagen führen. Bereits seine Dissertation fand in der internationalen Fachwelt große Aufmerksamkeit und führte zu einem grundlegenden Verständnis des Verformungsverhaltens von schwingbeanspruchten Vergütungsgefügen. In der Folge standen einfache metallische Werkstoffe und komplexe technische Materialien im Mittelpunkt seiner Forschungen. Die damit verbundenen Untersuchungen bei erhöhten Temperaturen - einem Spektrum zwischen Raumtemperatur und 1000 Grad Celsius - bedurfte der Konstruktion geeigneter intelligenter Experimentaleinrichtungen. Mit den von D. Eifler und seiner Arbeitsgruppe entwickelten miniaturisierten Heizvorrichtungen sowie flankierenden transmissionselektronenmikroskopischen Untersuchungen gelang die Klärung fundamentaler Fragen im Werkstoffverhalten. Von großer praktischer Bedeutung sind seine Erkenntnisse über die Rissbildung bei zyklischer thermischer Belastung von Eisengusswerkstoffen, wie sie in der Autoindustrie zum Einsatz kommen. Grenzflächenphänomene und Eigenspannungssysteme bei Glas/Metallverbindungen, Ermüdungsverhalten von Sinterwerkstoffen, aber auch von Knochen als einem sehr komplexen Werkstoff im Zusammenhang mit medizinischen Fragestellungen waren Gegenstand seiner Forschungen. Schwerpunkt seiner neueren Arbeiten zum Schwingfestigkeitsverhalten bilden Rad-Schiene-Werkstoffe bei schienengebundenen Verkehrssystemen. Seine Ergebnisse trugen entscheidend zur Aufklärung des ICE-Unglücks von Eschede bei.

    Axel Meyer, Jg. 1960, studierte Biologie in Marburg und Kiel, ging 1982 mit einem Fulbright Stipendium nach Berkeley, USA, erhielt hier 1985 den Master und 1988 den Ph. D. Abschluss. Ein California Fellowship ermöglichte ihm ein akademisches Austauschjahr in Harvard (1986-87), mit einem Stipendium der Alfred P. Sloan Foundation finanzierte er seine Postdoc-Zeit in Berkeley (1988-90). Im Alter von 29 Jahren folgte er dem Ruf als Assistant Professor an die State University of New York at Stone Brook, Departement of Ecology and Evolution an. 1997 kehrte er nach Deutschland zurück und ist seither Professor für Zoologie/Evolutionsbiologie in Konstanz. Er ist Associate Editor bzw. Mitglied im Editorial Board der meisten führenden Zeitschriften der molekularen und generellen Evolutionsbiologie. Neben herausragenden Stipendien belegen zahlreiche internationale akademische Preise seine hohe wissenschaftliche Reputation. Im Jahre 2000 erhielt er den Akademiepreis und 2006 hielt er an der Akademie die Ernst-Mayr-Lecture der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. 2008/2009 weilte er als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
    Axel Meyer arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten mit molekularen Methoden auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie und an genomischen Fragen der molekularen Evolutionsbiologie. Er war unter den ersten, die Polymerase Kettenreaktionen für Fragen der Evolutionsbiologie nutzten. Er konnte zeigen, dass der Lungenfisch unter den Fischen der nächstlebende Verwandte zu den Landwirbeltieren ist - und nicht, wie lange angenommen, der Quastenflossler. Mit seinen Arbeiten zur Systematik und Evolution der Ostafrikanischen Buntbarsche, neben den Darwinsfinken der Galapagos Inseln wohl das bekannteste Modellsystem der Evolutionsbiologie, konnte er zeigen, dass die 500 endemischen Arten des Viktoriasees extrem jung sind, nur von einer ursprünglichen Linie abstammen und die am schnellsten entstandene Artengruppe bilden - ein Befund, den er später mit umfänglichen Datensätzen bestätigen konnte. Er forschte zur Systematik von Walen, Nagetieren, verschiedensten Fischgruppen, Käfern, Fröschen, Affen und anderen Tiergruppen. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland konzentrieren sich seine Publikationen auf molekulare Systematik und Evolution, zunehmend aber auch zur Evolutionary Developmental Biology (Evo-Devo) und zur vergleichenden Genomik. Dabei bilden Fische, insbesondere Buntbarsche, die Hauptgruppe für die Untersuchungen der Wissenschaftler um A. Meyer. 1997/98 gehörte A. Meyer wiederum zu den ersten, die erkannten, dass Fische eine zusätzliche Genomduplikation in ihrer evolutionären Geschichte durchgemacht haben.

    Andreas Radbruch, Jg. 1952, studierte Biologie in Bonn, promovierte 1980 in Köln und war anschließend zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter (1980-1982), dann als Hochschulassistent (1982-1988) und 1988/89 mit einer Bayer-Dozentur am Institut für Genetik der Universität zu Köln tätig. Nach einem Forschungsaufenthalt an der University von Alabama, Birmingham habilitierte er sich 1988 in Köln. Von 1982 bis 1994 leitete er die Forschungsgruppe des Genzentrums Köln des BMBF. 1990 bis 1998 war er Professor für Genetik und Immunologie in Köln. Seit 1996 ist er Wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum, Berlin, seit 1998 zugleich Professur für Experimentelle Rheumatologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (Charité). Zahlreiche Funktionen in wissenschaftlichen Organisationen, Mitgliedschaften in nationalen und internationalen Fachgremien und Editorialboards namhafter Fachjournale belegen seine hohe Wertschätzung als Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisator. Höchste wissenschaftliche und staatliche Auszeichnungen, zuletzt das Bundesverdienstkreuz (2008), mit dem seine Verdienste um die Rheumaforschung und die Verbesserung der Betreuung der Patienten gewürdigt wurden, zeugen von seiner Reputation.
    Andreas Radbruchs Forschungsschwerpunkte umfassen die Gebiete Immunologie, Autoimmunerkrankungen und Rheumatologie. Er hat entscheidende Beiträge zum Verständnis zellulärer Mechanismen bei der Entstehung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen, insbesondere Autoimmunerkrankungen geleistet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Untersuchung der Rolle von B-Lymphozyten im gesunden Immunsystem und bei derartigen Erkrankungen. Er hat sich mit der Biologie der Plasmazellen befasst, die nicht nur Produzenten überlebenswichtiger Abwehrstoffe sind, sondern auch durch die Produktion von Antikörpern schwere chronische Krankheiten auslösen können. Er hat mit seinem Forscherteam entdeckt, dass entgegen bisherigen Vorstellungen Plasmazellen nicht nur einen relativ kurzen Zeitraum im Knochenmark überleben und stets durch neue Zellen ersetzt werden müssen. Vielmehr ist eine wichtige Population dieser Plasmazellen langlebig, teilt sich nicht mehr und ist somit den therapeutischen Bemühungen entzogen. Diese Erkenntnisse haben entscheidende Bedeutung für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien. Auch im Bereich der Technologieentwicklung, besondere in der Zytometrie, hat er wichtige Wege der Zellcharakterisierung aufgezeigt, die in den immunologischen und zellbiologischen Laboratorien zu Standardverfahren geworden sind.

    Pressekontakt:
    Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
    Leitung Referat Information und Kommunikation
    Gisela Lerch
    Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
    Tel. 030/20370-657, Fax: 030/20370-366
    E-mail: glerch@bbaw.de


    Weitere Informationen:

    http://www.bbaw.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Bauwesen / Architektur, Biologie, Informationstechnik, Mathematik, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Personalia, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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