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27.11.2009 13:17

Karl Ulrich Mayer wird neuer Leibniz-Präsident

Christoph Herbort-von Loeper M.A. Geschäftsstelle, Büro Berlin
Leibniz-Gemeinschaft

    Karl Ulrich Mayer wird neuer Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Die Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft wählte den Soziologen am heutigen Freitag mit großer Mehrheit anlässlich der Jahrestagung in Rostock. Mayer ist derzeit Inhaber der Stanley B. Resor-Professur und Chair des Department für Soziologie an der Yale University (USA) und wird zum 1. Juli 2010 den derzeitigen Amtsinhaber Ernst Th. Rietschel ablösen.

    "Ich freue mich sehr auf die Aufgabe, weil die Leibniz-Gemeinschaft in der Verbindung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung, und forschungsbasierter Infrastruktur den Erfordernissen moderner Wissenschaft in herausragender Weise Rechnung trägt", sagte Mayer nach der Wahl. "Die Leibniz-Gemeinschaft bearbeitet z. B. mit der Gesundheitsforschung, der Umweltforschung, sowie der Bildungsforschung Themen, die gleichzeitig von hoher gesellschaftlicher Bedeutung sind und international führende, innovative Arbeitsansätze voraussetzen."
    "Ich bin glücklich, dass die Leibniz-Gemeinschaft mit Karl Ulrich Mayer erstmals einen Präsidenten aus dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften gewinnen konnte, schließlich sind diese Fächer in zahlreichen Einrichtungen unserer Gemeinschaft ein wesentlicher Schwerpunkt", sagt der scheidende Amtsinhaber, der Chemiker Ernst Rietschel. "Karl Ulrich Mayer ist nicht nur ein renommierter Wissenschaftler, sondern auch ein profunder Kenner der deutschen und internationalen Wissenschaftslandschaft. Ich bin sicher, dass die Leibniz-Gemeinschaft unter seiner Präsidentschaft ihre anerkannte Position und Profilierung als Wissenschaftsorganisation in Deutschland behaupten und international weiter ausbauen wird", so Ernst Rietschel weiter.
    Karl Ulrich Mayer studierte ab 1964 Germanistik, Philosophie und Soziologie in Tübingen, bevor er mit einem Fulbright-Stipendium in die USA ging und dort seinen B.A. (Gonzaga Colle) und M.A. (Fordham University) machte. 1967 kehrte Mayer nach Deutschland zurück und promovierte an der jungen Universität Konstanz zum Thema Ungleichheit und Mobilität im sozialen Bewusstsein. Gleichzeitig war Mayer von 1968 bis 1972 Verwalter einer wissenschaftlichen Assistentenstelle bei Wolfgang Zapf an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
    Von 1972 bis 1977 folgte eine wissenschaftliche Assistentenstelle an der Universität Mannheim, wo er 1977 mit einer Schrift zur sozialen Mobilität zwischen Generationen im Alter von 32 Jahren von den Fakultäten für Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre habilitiert wurde.
    Von 1979 bis 1983 war er zunächst als Programmdirektor, dann als Geschäftsführender Direktor am neugegründeten Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) tätig, das heute Teil des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften GESIS ist. 1983 erfolgte die Berufung als Direktor an das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, wo Mayer bis 2005 den Forschungsbereich "Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Entwicklung" leitete. Dort betrieb er in einem großen Forschungsprogramm die quantitative Analyse von Lebensverläufen, d. h. Ausbildungs- und Berufskarrieren, Wohn- und Familiengeschichten im Kontext des sozialen Wandels. Kern dieses Programms sind repräsentative Längsschnittserhebungen und dynamische Modelle für ausgewählte, zwischen 1919 und 1975 geborene Jahrgänge. Dabei stellte die unmittelbar vor Ort erlebbare deutsche Einheit eine besondere Herausforderung für Mayers Lebensverlaufsforschung dar. Die jüngsten seiner insgesamt 30 Bücher befassen sich mit den Lebensverläufen in Ost- und Westdeutschland vor und nach 1989, dem Vergleich der kollektiven Lebensschicksale junger Ost- und Westdeutscher, der Entwicklung beruflicher Kompetenzen in international vergleichender und interdisziplinärer Perspektive sowie den Perspektiven von Marktliberalismus und Wohlfahrtsstaat. Fragestellungen von Mayers Untersuchungen waren u. a. die Ungleichheit der Bildungs- und Berufschancen, die lebenszeitliche Verzögerung der Familienbildung, die Trends beruflicher Flexibilität sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Von 1988 bis 2002 leitete er zusammen mit Paul Baltes die interdisziplinäre Berliner Altersstudie. Seit 2008 ist er Direktor Emeritus des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.
    2003 nahm er einen Ruf nach Yale an und wurde Professor am Department of Sociology. In Yale baute Mayer ein internationales Forschungszentrum auf, das Center for Research on Inequalities and the Life Course (CIQLE). 2007 wurde er mit der Stanley B. Resor Professur ausgezeichnet. Nach wie vor bestimmt die Forschung über die deutsche Gesellschaft Mayers wissenschaftliche Arbeit.
    Mayer kann auf langjährige Erfahrungen in der Wissenschaftspolitik zurückblicken. 1993 wurde er in den Wissenschaftsrat berufen und war von 1996 bis 1999 Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission. Von 1999 bis 2001 war er Mitglied der Kommission zur Verbesserung der Dateninfrastruktur und von 2001 bis 2003 Vorsitzender des neugegründeten Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten. Die Gründung des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock geht auf seinen Vorschlag zurück.
    Mayer ist Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Akademien: der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Naturforscher - Leopoldina (Gründer der Sektion Ökonomik und Empirische Sozialwissenschaften; Senator von 1998 bis 2002), der British Academy (Corresponding Fellow), der European Academy of Sociology (Gründungsmitglied), der American Academy of Arts and Sciences (Fellow), sowie der American Association for the Advancement of Science (AAAS, Fellow).
    Mayer ist seit mehr als 40 Jahren mit seiner Frau Martha verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder, die in der Biochemie, der Bioinformatik und der industriellen Qualitätssicherung tätig sind.

    Pressekontakt
    Pressestelle der Leibniz-Gemeinschaft
    Schützenstraße 6a
    10117 Berlin

    Josef Zens
    Pressesprecher
    Tel.: 030 / 20 60 49-42
    Mobil: 0173 / 513 56 69
    zens@leibniz-gemeinschaft.de

    Christoph Herbort-von Loeper
    Pressereferent
    Tel.: 030 / 20 60 49 - 48
    Mobil: 0174 / 310 81 74
    herbort@leibniz-gemeinschaft.de

    Die Leibniz-Gemeinschaft
    Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung großen Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.400 Wissenschaftler, davon wiederum 2500 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,2 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 244 Mio. Euro pro Jahr.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    fachunabhängig
    überregional
    Personalia, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Zukünftiger Präsident der Leibniz-Gemeinschaft: Karl Ulrich Mayer


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