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01.12.2009 09:36

Der Soziologe Bruno Latour erhält den Kulturpreis der Münchener Universitätsgesellschaft

Luise Dirscherl Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour erhält den mit 25.000 Euro dotierten Kulturpreis der Münchener Universitätsgesellschaft. Er wird den Preis am 8. Februar 2010 an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München entgegennehmen. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass "Bruno Latour zu den einflussreichsten, intelligentesten und gleichzeitig populärsten Vertretern der Wissenschaftsforschung (Science Studies) gehört". Wie schon der Preisträger des Vorjahres, Mike Davis, wird auch Bruno Latour im Umfeld der Preisverleihung ein Seminar für ausgewählte Nachwuchswissen-schaftler an der LMU halten.

    Bruno Latour gilt als herausragender Vertreter der sogenannten Akteur-Netzwerk-Theorie, einem soziologischen Konzept, das sich mit der Bedeutung und den Folgeerscheinungen von wissenschaftlichen und technischen Innovationen auseinander setzt. Die Akteur-Netzwerk-Theorie unternimmt den Versuch, die gängige Unterscheidung zwischen Natur und Kultur aufzubrechen und durch den Netzwerkgedanken zu ersetzen. Für Latour ist Gesellschaft keine unveränderliche abstrakte Entität, sondern eine instabile Verbindung von verschiedenen Akteuren. Ein Akteur im Sinne Latours kann dabei sowohl ein Mensch, als auch ein Ding, ein Tier oder eine Pflanze sein, denn deren Welten lassen sich nicht voneinander trennen. Gesellschaftliche Praxis ist somit stets eine Mischung zwischen Menschen und Objekten, die ineinander verschränkt sind und Kollektive bilden. Wissenschafts- und Technikentwicklung, so Latours These, ist demnach das Resultat der Verknüpfung unterschiedlicher Komponenten zu Netzwerken. Es handelt sich dabei um einen Prozess, bei dem es darauf ankommt, die beteiligten Komponenten dazu zu bringen, sich in einer aufeinander abgestimmten Weise zu verhalten.

    Bruno Latour wurde 1947 im französischen Beaune als Sohn einer Winzerfamilie geboren. Er studierte Philosophie und Anthropologie und wurde 1975 an der Universität Tours promoviert. Von 1982 bis 2006 war er Professor für Soziologie an der Ecole Nationale Supérieure des Mines in Paris. Er lehrte an der London School of Economics und ist derzeit Professor an der Science Po in Paris. Bruno Latour veröffentlichte zahlreiche Bücher darunter "Wir sind nie modern gewesen", "Das Parlament der Dinge" und "Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft".

    Über den Kulturpreis:
    Der Kulturpreis der Münchener Universitätsgesellschaft, der 2008 erstmals vergeben wurde, zeichnet herausragende Persönlichkeiten aus den Bereichen Literatur, Kunst oder Geisteswissenschaften aus, die in einer die breite Öffentlichkeit ansprechenden Art und Weise als Künstler oder Wissenschaftler in Erscheinung getreten sind. Der Preis war im letzten Jahr dem Thema "Stadt der Zukunft - Zukunft der Stadt" gewidmet und ging an Professor Mike Davis von der University of California, Irvine. Der Soziologe Davis wurde durch seine Untersuchungen der Gesellschaftsstrukturen und der urbanen Entwicklung in seiner Heimat Südkalifornien bekannt.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Philosophie / Ethik
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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