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14.12.2009 14:30

Zwischen ganz groß und ganz klein: Dinosaurier und Glasnegative von Fotografien als Forschungsobjekte

Dr. Christian Jung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
VolkswagenStiftung

    VolkswagenStiftung stellt insgesamt gut 400.000 Euro bereit für zwei international aufgestellte Projekte in ihrer Initiative "Forschung in Museen".

    Die VolkswagenStiftung hat im Jahr 2008 die neue Förderinitiative "Forschung in Museen" aufgelegt mit unterschiedlichen Akzentsetzungen. Neben einer Stärkung der kleineren und mittleren Museen als Forschungsinstitutionen will die Stiftung des Weiteren die großen Forschungsmuseen dabei unterstützen, durch eine Vernetzung mit ausländischen Partnerinstitutionen als international wettbewerbsfähige wissenschaftliche Einrichtungen noch stärker sichtbar zu werden. Ziel ist es, auf der Basis einer gemeinsamen Erschließung von Sammlungen Spitzenforschung zu betreiben. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs profitiert von den Vorhaben, da die Stiftung Mittel bereitstellen kann für die vertretungsweise Besetzung einer Stelle, sofern der eigentliche Mitarbeiter sich aufgrund des geförderten Vorhabens längerfristig an einem "Partnermuseum" aufhält. Zwei solcher Projekte, von der Stiftung mit insgesamt 413.000 Euro gefördert, können jetzt die Arbeit aufnehmen.

    Mit rund 225.000 Euro unterstützt die Stiftung ein Vorhaben, das auf ein besseres Verständnis der Entwicklung der Artenvielfalt heutiger Wirbeltiere zielt und dabei von der Evolution der Dinosaurier im Erdzeitalter des Mesozoikums ausgeht. Das Projekt "Dinosaur evolution and biogeography over the middle-late jurassic boundary" wird getragen von Privatdozent Dr. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, Paläontologisches Museum München, und von Dr. Daniela Schwarz-Wings vom Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolution und Biodiversität an der Humboldt-Universität Berlin.

    Das Mesozoikum oder auch Erdmittelalter genannt - es begann vor etwa 251 Millionen Jahren und endete vor 65,5 Millionen Jahren - ist von entscheidender Bedeutung für die Evolution der Wirbeltiere. Während am Anfang dieser Periode noch der Superkontinent Pangäa bestand, in dem alle heutigen Kontinente vereint waren, begann dieser im Laufe des Jura auseinanderzubrechen. Dieses Ereignis brachte gewaltige Veränderungen im Klima und für das Leben auf der Erde mit sich. Somit ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die landlebenden Wirbeltiere in dieser Zeit eine bedeutende Entwicklung durchmachten. Da auch die meisten der heute dominierenden verschiedenen Tiergruppen sich damals aus teils gemeinsamen Vorfahren entwickelten, ist der Jura von besonderem Interesse für das Verständnis unserer heutigen belebten Umwelt.

    "Was wir bisher wissen ist, dass es am Anfang des Jura eine überwiegend geringe Diversität der betroffenen Tiergruppen gab, am Ende jedoch eine große Formenvielfalt bestand. Wenig weiß man hingegen darüber, was dazwischen passierte", sagt Privatdozent Dr. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Hier setzt sein Kooperationsvorhaben an, bei dem es anhand der "Neubewertung" von Dinosauriersammlungen letztlich um ein besseres und genaueres Verständnis der Evolution geht.

    Dinosaurier eignen sich als eine der prominentesten Wirbeltiergruppen, die zu jener Zeit lebten, besonders gut für solche Betrachtungen. Zudem sind sie wegen der vergleichsweise exzellenten fossilen Funde gut geeignet für makroevolutionäre Studien. Ihre Aufspaltung in verschiedene Arten soll nun im Zusammenhang mit dem Auseinanderbrechen von Pangäa in die Kontinente der südlichen und nördlichen Hemisphäre untersucht werden. Dabei betrachten die Wissenschaftler die taxonomische Zusammensetzung, Diversität, die Evolutionsgeschichte sowie biogeografische Affinitäten der Dinosaurierfaunen des mittleren und späten Jura, sie berücksichtigen zudem abiotische Einflussfaktoren wie Geografie und Klima. Im Ergebnis erhoffen sich die Forscher detaillierte Einsichten über die Evolution landlebender Wirbeltierfaunen. Beteiligt sind an dem Vorhaben noch das Museu da Lourinhã in Lourinhã, Portugal, das Smithsonian National Museum of Natural History in Washington und das Science Museum of Minnesota in St. Paul, USA, sowie das Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Trelew, Argentinien.

    Kontakte Projekt

    PD Dr. Oliver Rauhut
    Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
    Richard-Wagner-Str. 10
    80333 München
    Telefon: 089 2180 - 6645
    E-Mail: o.rauhut@lrz.uni-muenchen.de

    Dr. Daniela Schwarz-Wings
    Museum für Naturkunde
    Leibniz-Institut für Evolution und Biodiversität an der Humboldt-Universität Berlin
    Invalidenstr. 43
    10115 Berlin
    Telefon: 030 2093 - 8754
    E-Mail: d.schwarz-wings@mfn-berlin.de

    Mit 188.000 Euro fördert die Stiftung das Projekt "Frank Eugene and the Techniques of Pictorialist Photography" von Dr. Cornelia Kemp und Professor Dr. Helmuth Trischler am Deutschen Museum München. Ziel ist die Erforschung - und dabei auch die Konservierung - von 267 bedeutenden Glasnegativen des deutsch-amerikanischen Fotografen Frank Eugene (1865-1936). Die Sammlung wurde erst kürzlich wiedergefunden und ist im Besitz des Deutschen Museums München. Frank Eugene war und ist bekannt für die verschiedenen technischen Interventionen, die er an seinen Fotografien vorgenommen hat - und eben diese sollen nun genauer erforscht werden, nachdem die Glasplatten zum Erhalt der Originale in einem ersten Schritt konserviert und digitalisiert worden sind. Neben einer Untersuchung der Motive, der Herkunft und des sozialen Kontextes der Fotografien geht es im Kern um die Analyse von technischen Aspekten des Herstellungsprozesses. Ergänzend planen die beteiligten Wissenschaftler einen Experten-Workshop zum Thema, auch soll ein Katalog entstehen zu einer Ausstellung über die Sammlung.

    Auch hier sind verschiedene Museen in anderen Ländern eingebunden: So liegen weitere größere Sammlungsteile im Fotomuseum des Münchner Stadtmuseums und im Metropolitan Museum in New York. Zur genaueren Untersuchung der physikalischen und chemischen Eingriffe in die Fotografien und deren Auswirkung auf die Reproduktion sind darüber hinaus Kooperationen mit dem George Eastman House International Museum of Photography and Film und dem Image Permanence Institute (beide in Rochester, USA) geplant.

    Kontakt Projekt

    Dr. Cornelia Kemp
    Foto und Film
    Deutsches Museum
    Museumsinsel 1
    80306 München
    Telefon: 089 2179 - 249
    E-Mail: c.kemp@deutsches-museum.de

    Kontakte

    VolkswagenStiftung
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Dr. Christian Jung
    Telefon: 0511 8381 - 380
    E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

    Förderinitiative Forschung in Museen
    Dr. Adelheid Wessler
    Telefon: 0511 8381 - 276
    E-Mail: wessler@volkswagenstiftung.de

    Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20091214.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


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