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03.02.2010 09:54

"Universitätsklinikum" muss für Qualität in Forschung und Lehre stehen

Kordula Merk Geschäftsstelle
Verband der Universitätsklinika Deutschlands e. V.

    Der Dachverband Deutsche Hochschulmedizin warnt vor inflationärer Titelvergabe und Qualitätsverlust

    Der Dachverband Deutsche Hochschulmedizin, bestehend aus dem Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und dem Medizinischen Fakultätentag (MFT), sieht die Gefahr einer inflationären Vergabe des Titels "Universitätsklinikum". Dadurch könnte die Hochschulmedizin in Deutschland an Qualität und international an Ansehen in Forschung und Lehre verlieren. "Der Titel Universitätsklinikum stellt sehr hohe Anforderungen an das Spektrum und die Qualität in Forschung und Lehre, aber auch in der Krankenversorgung", erklärt Professor Dr. J. Rüdiger Siewert, Vorstandsvorsitzender des VUD. Diese Vorgaben würden in jüngster Zeit von staatlicher Seite immer weniger strikt vertreten, wenn es darum ginge, neue Krankenhäuser als Universitätskliniken anzuerkennen.

    Am 3. Februar 2010 hat die private Universität Witten/Herdecke bekannt gegeben, dass das nordrhein-westfälische Innovationsministerium dem Antrag der Universität zugestimmt habe und dem HELIOS Klinikum in Wuppertal die Bezeichnung "Klinikum der Privaten Universität Witten/Herdecke" verliehen werde.

    Neue Universitätsklinika in Wuppertal, Oldenburg und Augsburg?

    Derzeit laufen weitere Bemühungen, Kliniken oder Klinikverbünde in Universitätsklinika umzuwandeln. So hat das Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen schon im Januar 2010 dem Städtischen Krankenhaus Köln-Merheim den Titel "Klinikum der privaten Universität Witten/Herdecke in Köln" verliehen. Zurzeit bemühen sich drei Oldenburger Kliniken darum, durch einen Zusammenschluss ein "Universitätsklinikum Oldenburg" zu etablieren. Auch das Klinikum Augsburg strebt den Titel "Universitätsklinikum" an, ebenso das städtische Klinikum Bielefeld.

    Seit der Föderalismusreform I fehlt es an einer verbindlichen Festlegung für Universitätsklinika. Früher prüfte der Wissenschaftsrat entsprechende Begehren; empfahl er ein Klinikum zur Aufnahme in das HBFG-Verzeichnis (Hochschulbauförderungsgesetz, HBFG), war damit faktisch die Anerkennung als Universitätsklinikum verbunden. Seit 2007 gibt es kein HBFG mehr - die Anerkennung als Universitätsklinikum ist in das Ermessen der Wissenschaftsministerien gestellt.

    "Diese Kliniken bieten eine sehr gute Krankenversorgung und spielen als Akademische Lehrkrankenhäuser eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Medizinstudenten im Praktischen Jahr, sind aber in der klinischen Forschung noch nie nennenswert in Erscheinung getreten", so Professor Siewert. Dies würde allerdings nicht ausreichen, um sich als Universitätsklinikum zu qualifizieren. Auch wenn einzelne Kliniken über wenige, hervorragend qualifizierte Fachabteilungen verfügten, reiche dies nicht aus, da das Markenzeichen eines Universitätsklinikums ein vollständiger Fächerkanon inklusive vorklinischer Ausbildung durch eine Medizinische Fakultät sei.

    Kriterien für hohe Anforderungen an ein Universitätsklinikum

    Der VUD, der die 32 Universitätsklinika Deutschlands vertritt, der Medizinische Fakultätentag und ihr Dachverband Deutsche Hochschulmedizin e.V. haben Kriterien erstellt, die von einem Universitätsklinikum zu erfüllen sind:

    Eigenständige staatliche Finanzierung von Forschung und Lehre.
    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät werden gemeinsam oder in enger Kooperation geleitet. Forschung und Krankenversorgung sind auf wissenschaftliche Schwerpunkte abgestimmt.
    Die Medizinische Fakultät muss in der Lehre sämtliche Fächer abdecken, die von der Approbationsordnung gefordert werden. Die klinischen Fächer sollten möglichst innerhalb eines Klinikums angesiedelt sein.
    Pro Jahr werden mindestens 150 Medizinstudenten ausgebildet.
    Mindestens 60 Professoren sind - ausschließlich oder zusätzlich zur Krankenversorgung - in Forschung und Lehre tätig.
    Die Klinikdirektoren sind gleichzeitig verantwortlich für die Forschung und Lehre in ihrem Fach.
    Universitätsklinikum und Fakultät sind dauerhaft erfolgreich bei der Einwerbung von Forschungsgeldern (Drittmittel) und publizieren hochrangig.

    Desorientierung von Patienten / Knappe Landesmittel werden umverteilt

    In einem Brief an den Wissenschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Professor Dr. Andreas Pinkwart, haben der VUD und der Dachverband Hochschulmedizin im Januar 2010 darauf hingewiesen, dass die inflationäre und ungerechtfertigte Vergabe des Titels "Universitätsklinikum" zu einer Desorientierung der Öffentlichkeit, bei Patienten, Studenten, Ärzte und Wissenschaftler führen könnte. Ein solches Vorhaben würde schließlich die Entwertung der bestehenden Universitätsklinika zur Folge haben. Quantität statt Qualität wäre dann das Kennzeichen der Hochschulmedizin, dies umso mehr, als die knappen Landesmittel für Forschung Lehre nicht vermehrt, sondern nur umverteilt würden.

    Kontakt :
    Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD)
    Alt-Moabit 96
    10559 Berlin
    Tel.: +49 (0) 30 3940517-11
    Fax: +49 (0) 30 3940517-17
    Email: info@uniklinika.de
    Website: http://www.uniklinika.de


    Weitere Informationen:

    http://www.idw-online.de/pages/de/news353558 - Klinikum Wuppertal
    http://www.idw-online.de/de/news353247 - Klinikum Köln-Merheim
    http://www.presse.uni-oldenburg.de/uni-info/2009/2/hochschulpolitik.html - Kliniken Oldenburg
    http://www.klinikum-augsburg.de/375d836/Pressemitteilungen%20Klinikum%20Augsburg... - Klinikum Augsburg
    http://www.nw-news.de/lokale_news/bielefeld/bielefeld/3331667_Ein_erster_Schritt... -
    http://Klinikum Bielefeld


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Organisatorisches, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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