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08.03.2010 10:19

Röntgen-Mammographie - ein wichtiges Verfahren in der Brustkrebs-Früherkennung

Simone Hoffmann Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Münster

    Kommentar zur Pressemitteilung
    Brustkrebs-Früherkennung: Mammographie ohne signifikanten Mehrwert
    der Abteilung Presse und Kommunikation
    der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
    vom 24.02.2010, 12:25 Uhr

    Münster (ukm). Universitäre Zentren in Deutschland haben mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe aktuell im international anerkannten Journal of Clinical Oncology wichtige Ergebnisse zur Brustkrebs-Früherkennung veröffentlicht
    (doi: 10.1200/JCO.2009.23.0839).

    Diese publizierten Daten der sogenannten EVA-Studie beruhen auf Früherkennungs-untersuchungen der Universitätskliniken Bonn, Münster sowie Ulm in der Zeit
    von 2002 bis 2007 und zielen auf eine speziell definierte Frauengruppe mit
    anzunehmendem erhöhtem Brustkrebsrisiko bei im Mittel jüngerem Erkrankungsalter.

    Entsprechend den nationalen Empfehlungen wurden jährlich jeweils eine MR-
    Mammographie, eine Röntgen-Mammographie sowie halbjährlich eine Sonographie
    der weiblichen Brust durchgeführt.

    In diesem Kollektiv mit einem mittleren Alter von 45 Jahren zeigte die MR-Mammo-graphie mit 93 % die höchste Sensitivität gegenüber den übrigen Methoden. Sie erkannte 25 von 27 diagnostizierten Brustkrebserkrankungen; zwei Erkrankungen wurden ausschließlich mit Hilfe der Röntgen-Mammographie und der damit verbundenen Abklärung von Mikroverkalkungen diagnostiziert.

    In der Pressemitteilung der Universität Bonn wurde ein komplexer Sachverhalt missverständlich auf folgende Thesen reduziert:

    1. Es scheine auszureichen, Risiko-Patientinnen einmal jährlich mittels MRT zu untersuchen.

    2. Bei Durchführung einer MRT seien Mammographie oder Sonographie unnötig.

    3. Würde eine MRT gemacht, so sei der Nutzen der Mammographie bei diesen Frauen gleich Null. Damit könne - und solle - die Mammographie bei diesen jungen Frauen unterbleiben.

    Richtig ist einerseits, dass die Erkennung von zwei weiteren Brustkrebsfällen durch die Röntgen-Mammographie keinen statistisch signifikanten Unterschied erbrachte. Richtig ist aber andererseits auch, dass angesichts der insgesamt nur geringen Fallzahl (27 Brustkrebsfälle) eine endgültige Bewertung allein nach formal-statistischen Kriterien nicht zulässig ist. Es ist zu beachten, dass die Kombination von MR-Mammographie und Röntgen-Mammographie in der vorliegenden Studie eine Sensitivitätssteigerung auf 100 % erbrachte!

    Vor dem geschilderten Hintergrund halten es die an der Studie beteiligten, unten genannten Wissenschaftler des Standorts Münster in Übereinstimmung mit anderen namhaften Wissenschaftlern für nicht zulässig, die Röntgen-Mammographie aus der Früherkennung des familiären Brustkrebses generell zu streichen. Diese Sichtweise entspricht weder dem Konsens der aktiv beteiligten Autoren der Multicenter-Studie noch dem Inhalt der Publikation. Wie in der Originalarbeit diskutiert, sollte die Rolle der Mammographie in der Früherkennung bei Frauen unter 40 Jahren seitens der Fachgesellschaften weiterhin kritisch evaluiert werden.

    Zusammenfassend ist darauf hinzuweisen, dass sich die streitige Diskussion allein auf eine vergleichsweise kleine Gruppe von Frauen mit explizit erhöhtem Krebsrisiko bezieht, bei der die bildgebende Früherkennungsdiagnostik regelhaft ab dem 25. Lebensjahr beginnt.
    Für Frauen in der Altersgruppe ab 50 Jahren ist die Röntgen-Mammographie erwiesenermaßen effektiv, von hohem diagnostischem Wert und leistet einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit.

    Münster, d. 08.03.2010

    Univ.-Prof. Dr. W. Heindel, Frau Dr. S. Weigel, Dr. D. Nordhoff
    (Universitätsklinikum Münster, Institut für Klinische Radiologie
    und Referenzzentrum Mammographie)
    als Mitautoren der Multicenter-Studie

    gemeinsam mit

    Univ.-Prof. Dr. U. Bick
    (Charité Berlin, Institut für Radiologie, Sprecher des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs)

    und

    Univ.-Prof. Dr. D. Wallwiener
    (Universitätsfrauenklinik Tübingen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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