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26.04.2010 13:43

„So sorry, Lyonnais...“ - Heimrecht im Rückspiel hat keinen Einfluss auf Fußballerfolg

Luise Dirscherl Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Die eigenen Fans kreischen, und der Rasen unter den Füßen ist bestens bekannt: Im Fußball gilt bei KO-Spielen Heimrecht im Rückspiel als großer Vorteil für eine Mannschaft. Zu Unrecht, wie die drei LMU-Statistiker Manuel Eugster, Jan Gertheiss und Sebastian Kaiser nun in einer Analyse aller KO-Spiele der Champions League seit der Saison 1994/1995 herausgefunden haben.

    „Mit Hilfe einer sogenannten logistischen Regression konnten wir zeigen, dass durch Heimrecht im Rückspiel zumindest statistisch gesehen keinerlei Vorteil entsteht“, berichtet Sebastian Kaiser vom Institut für Statistik der LMU. „Eine einfache Auszählung der Sieger mit Heimrecht im Rückspiel ergibt zwar ein Ergebnis von 57 Prozent. Dieser scheinbare Vorteil verschwindet aber, wenn man berücksichtigt, dass im Achtelfinale der Champions League immer ein Gruppensieger gegen einen Gruppenzweiten spielt - und das stärkere Team im Rückspiel das Heimrecht hat.“ Insgesamt zeigte sich, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit in erster Linie von der Stärke der Mannschaft abhängt, das Heimrecht im Rückspiel aber keinen Einfluss hat. „Der FC Bayern geht damit uneingeschränkt als Favorit in das Rückspiel in Lyon“, so Kaiser. (http://epub.ub.uni-muenchen.de/11483)

    In der Champions League des Europäischen Fußballverbands UEFA tritt der Gruppensieger der Vorrunde im Achtelfinale zunächst auswärts an. Er kann also das Rückspiel gegen den ihm zugelosten Gruppenzweiten zuhause austragen. Aber auch bei der Auslosung zum Viertel- und Halbfinale ist das Heimrecht im Rückspiel für Mannschaften meist ein Grund zur Freude. Schließlich gilt das zweite Spiel vor heimischem Publikum als klarer Vorteil. „Aber auch ohne Heimrecht in der Rückrunde ging der FC Bayern in der diesjährigen Champions League als Sieger aus den Spielen im Achtel- und Viertelfinale hervor“, berichtet Gertheiss. „Das brachte uns auf die Idee, die Auswirkungen des Heimrechts anhand der Daten vergangener Partien rechnerisch zu überprüfen.“ Eugster, Gertheiss und Kaiser werteten dafür die Ergebnisse aller KO-Spiele der Champions League seit der Saison 1994/1995 aus.

    Das Ergebnis war klar: Der Austragungsort hatte keinerlei Einfluss auf den Ausgang der Spiele. Entscheidend für die Erfolgswahrscheinlichkeit war vielmehr die Stärke der jeweiligen Mannschaften. Basierend auf einer einfachen Auszählung hatten die im Rückspiel zuhause spielenden Teams zwar in 57 Prozent der Partien die Nase vorn. Wurde aber berücksichtigt, dass im Achtelfinale immer ein stärkerer Gruppenerster gegen einen schwächeren Gruppenzweiten das Heimrecht im zweiten Spiel genießt, war kein Vorteil des Heimrechts mehr nachzuweisen. Wurde dann zusätzlich die Spielstärke einer Mannschaft, die die Forscher dem Team-Ranking der UEFA entnahmen, ins Model aufgenommen, erwies sich dieser Faktor als einzig ausschlaggebend.

    „Unser Ergebnis zeigt, dass die bisherige Praxis der UEFA, im Achtelfinale immer dem Gruppensieger das Heimrecht im Rückspiel zu geben, diesem gar keinen Vorteil bietet“, sagt Kaiser. „Es wäre wahrscheinlich sinnvoller, die Gruppensieger wählen zu lassen, ob sie lieber im Hin- oder im Rückspiel zuhause spielen möchten. Ein derartiges Verfahren eröffnete zudem die für uns - und für die Fußballer! - interessante Option, mit Hilfe anderer statistischer Modelle zu analysieren, ob ein bestimmtes Team im Rückspiel besser mit einem Heim- oder einem Auswärtsspiel beraten ist.“ In den USA spielt die Sportstatistik bereits eine große Rolle und gewinnt zunehmend auch in Europa an Bedeutung. Die Statistiker können nun auch andere Wettbewerbe im Fußball wie die Euroliga oder den Englischen Pokalwettbewerb auswerten – sowie weitere Sportarten: „Wir werden uns jetzt etwa die Champions League im Handball ansehen“, sagt Gertheiss. „Allgemein gilt im Handball der Heimvorteil nämlich als wesentlich stärker ausgeprägt als im Fußball.“ (suwe)

    Die Statistik finden Sie unter:
    http://epub.ub.uni-muenchen.de/11483/

    Ansprechpartner:
    Sebastian Kaiser
    Institut für Statistik der LMU
    Tel.: 089 / 2180 – 3196
    E-Mail: Sebastian.Kaiser@stat.uni-muenchen.de

    Manuel Eugster
    Institut für Statistik der LMU
    Tel.: 089 / 2180 – 6254
    E-Mail: Manuel.Eugster@stat.uni-muenchen.de

    Jan Gertheis
    Institut für Statistik der LMU
    Tel.: 089 / 2180 – 3351
    E-Mail: Jan.Gertheis@stat.uni-muenchen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Mathematik, Sportwissenschaft
    regional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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