Europaweit wurden in den vergangenen Jahren mehr als 500 Clusterinitiativen ins Leben gerufen. Sie bringen Unternehmen, Forschung, Bildung und die öffentliche Hand zusammen und schaffen das Umfeld, das Innovationen fördert. Durch Wirtschaftskrise und leere Haushaltskassen geraten die Cluster allerdings zunehmend unter Druck. Der Finanzierung kommt deshalb heute eine zentrale Bedeutung für die Nachhaltigkeit von Clustern und damit die Wettbewerbsfähigkeit von ganzen Regionen zu, wie aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT / Fachhochschule Gelsenkirchen) zeigen.
Judith Terstriep und Christoph Beer vom IAT-Forschungsschwerpunkt Innovation, Raum & Kultur haben anhand von Praxisbeispielen verschiedene Clustermodelle analysiert. Ob sich ein Finanzierungsmodell für ein bestimmtes Cluster eignet, hängt im Wesentlichen von dessen Zielsetzung und Aufgaben, dem Entwicklungsstand sowie der Dynamik des Clusters ab. Es existiert eine Vielzahl möglicher Finanzierungsmodelle. Die Clusterinitiativen bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld von öffentlichem Auftrag und privatwirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Je höher der Mehrwert bzw. Zusatznutzen, der sich durch eine Clustermitgliedschaft ergibt, desto höher ist die Bereitschaft der Unternehmen, Clusteraktivitäten zu finanzieren. Durch Unternehmen selbstinitiierte Clusterinitiativen (Bottom-up) finanzieren sich überwiegend aus privatwirtschaftlichen Mitteln (66%), die durch Mitgliedsbeiträge und kostenpflichtige Dienstleistungen erwirtschaftet werden. Anders ist dies bei Top-down (politisch) initiierten Initiativen, die bis zu über 90 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.
Kontinuität und zielgruppengerechte Kostenübernahme
Fazit der IAT-Forscher: Zwar gibt es kein «optimales» Finanzierungsmodell, wohl aber lassen sich Komponenten eines solchen identifizieren: Zum einen braucht die Entwicklung eines Clusters Zeit. Von der Initiierungsphase bis zum etablierten Cluster können zehn Jahre und mehr vergehen. Ein Finanzierungsmodell sollte insofern mittel- bis langfristig ausgelegt sein und dem jeweiligen Entwicklungsstadium angepasst werden. Es ist davon auszugehen, dass Bottom-up Initiativen eher die Gewinnschwelle erreichen als Top-down initiierte Cluster, stellt die Studie fest.
Zum anderen sollte die Kostenübernahme zielgruppengerecht ausgestaltet sein: Die Dominanz öffentlicher Finanzierung in der Anfangsphase sollte sukzessive reduziert und durch eine Steigerung privatwirtschaftlichen Engagements substituiert werden. Dies kann nur gelingen, wenn die Clustermitgliedschaft einen Mehrwert bzw. Zusatznutzen für die beteiligten Unternehmen schafft. Dabei gilt es eine Balance zwischen öffentlichem Auftrag und der Schaffung von Mehrwerten zu finden. Aufgaben wie Standortwerbung oder andere Aktivitäten, die eher gesamtwirtschaftliche Effekte bedingen, sollten auch dauerhaft aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, meinen die Forscher.
Ihre Ansprechpartnerin:
Judith Terstriep, Telefon: 0209/1707-139, E-Mail: terstriep@iat.eu
Weitere Informationen:
Beer, Christoph / Terstriep, Judith 2010: Clusterinitiativen unter Druck!? Finanzierungsmodelle helfen Nachhaltigkeit sichern. IAT-Forschung Aktuell, Nr. 07/2010
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2010/fa2010-07.pdf
Claudia Braczko
Pressereferentin
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Telefon: 0209/1707-176
E-Mail: braczko@iat.eu
Web: www.iat.eu
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch
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