idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
16.09.2010 15:09

Überraschende Entdeckung: Kröten könnten Kakaoernte in Indonesien sichern

Dr. Bernd Ebeling Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

    Der Schutz einheimischer Kröten in Indonesien könnte sich für die dortigen Kakaobauern lohnen: Wissenschaftler der Universität Göttingen und der University of Adelaide in Australien haben gezeigt, dass sich eine einheimische Krötenart auf der indonesischen Insel Sulawesi von bestimmten Ameisen ernährt und so deren Ausbreitung verhindert. Die eingeschleppten Ameisen sind gefürchtet, weil sie sehr aggressiv sind und das gesamte Ökosystem durcheinander bringen. Die Ergebnisse der Studie sind nun in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society – Biological Sciences erschienen.

    Pressemitteilung Nr. 183/2010

    Überraschende Entdeckung: Kröten könnten Kakaoernte in Indonesien sichern
    Göttinger Studie zeigt Weg der natürlichen Bekämpfung von aggressiven Ameisen

    (pug) Der Schutz einheimischer Kröten in Indonesien könnte sich für die dortigen Kakaobauern lohnen: Wissenschaftler der Universität Göttingen und der University of Adelaide in Australien haben gezeigt, dass sich eine einheimische Krötenart auf der indonesischen Insel Sulawesi von bestimmten Ameisen ernährt und so deren Ausbreitung verhindert. Die eingeschleppten Ameisen sind gefürchtet, weil sie sehr aggressiv sind und das gesamte Ökosystem durcheinander bringen. Unter anderem bedrohen sie den Bestand und die Vielfalt an einheimischen Ameisenarten, die wiederum ein Ausbreiten bestimmter Krankheiten unter den Kakaopflanzen verhindern. Da Indonesien der drittgrößte Kakaoproduzent der Welt ist, spielt die Kakaoernte eine enorme Rolle in der Wirtschaft des Landes. Die Ergebnisse der Studie sind nun in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society – Biological Sciences erschienen.

    Die Wissenschaftler sammelten ihre Daten auf 14 Kakaofeldern am Lore Lindu National Park in Zentral-Sulawesi. Sie machten eine überraschende Entdeckung: Wenn die einheimische Sulawesi-Kröte (Ingerophrynus celebensis) während der Nahrungssuche die Kakaofelder aufsucht, ernährt sie sich hauptsächlich von der Gelben Spinnerameise (Anoplolepis gracilipes). Die Gelbe Spinnerameise wurde Ende der Siebzigerjahre in den Tropen eingeschleppt und gilt als sehr aggressiv. Mithilfe der Ameisensäure kann sie sich sogar gegen deutlich größere Tiere zur Wehr setzen. „Unter normalen Umständen nimmt man an, dass gerade auf Inseln die eingeführten Tierarten eine Bedrohung für die einheimischen Arten darstellen“, erklärt Thomas C. Wanger, Leiter der Studie und Doktorand an der University of Adelaide und der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. „Für die Sulawesi-Kröte trifft das jedoch nicht zu: In diesem Fall fressen die Kröten die Eindringlinge, was sich positiv auf die einheimischen Ameisenarten auswirkt – und damit indirekt eventuell auch auf die Kontrolle von Krankheiten unter den Kakaopflanzen.“

    Thomas Wanger schließt daraus: „Die Kröten steuern eine wichtige ökologische und kostenlose Dienstleistung zur Kakaoproduktion bei. Um diese zu sichern ist es wichtig, die Kröten vor den dramatischen Auswirkungen der Zerstörung des tropischen Regenwalds zu schützen.“ Und der Mitbetreuer des Dissertationsprojekts, Prof. Dr. Teja Tscharntke von der Universität Göttingen, betont: „Die Ergebnisse zeigen, dass Kröten eine wichtige ökologische Funktion haben können. Angesichts des weltweiten Artenrückgangs von Amphibien verdient dies besondere Beobachtung.“ Ob die Kröten auch zu einer tatsächlichen Steigerung der Ernte beitragen können, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

    Originalveröffentlichung: Thomas C. Wanger et al. Endemic predators, invasive prey and native diversity. Proceedings of the Royal Society – Biological Sciences. Doi: 10.1098/rspb.2010.1512.

    Hinweis an die Redaktionen:
    Fotos zum Thema haben wir im Internet unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3648 zum Download bereitgestellt.

    Kontaktadressen:
    Thomas Cherico Wanger
    University of Adelaide (Australien)
    School of Earth and Environmental Sciences
    Environment Institute
    Telefon +61 (0) 8 8303 5254
    E-Mail: thochewa@gmail.com
    Internet: http://www.adelaide.edu.au/directory/thomas.wanger

    Prof. Dr. Teja Tscharntke
    Georg-August-Universität Göttingen
    Agrarwissenschaftliche Fakultät – Abteilung Agrarökologie
    Waldweg 26, 37073 Göttingen
    Telefon (0551) 39-9209 (direkt), 39-9205 (Sekr.)
    E-Mail: ttschar@gwdg.de
    Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/74726.html


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3648


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Sulawesi-Kröte


    Zum Download

    x

    Gelbe Spinnerameise


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay