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04.10.2010 11:23

Beidbenennungen schaffen Sympathie, Maskulina Distanz

Helena Aaberg Information Office
University of Gothenburg

    Im Deutschen werden Beidbenennungen verwendet, um Nähe und Sympathie gegenüber
    bezeichneten Personen zum Ausdruck zu bringen oder um alle Leser und
    Leserinnen mit einzubeziehen. Maskulina schaffen dagegen Distanz. Dies zeigt
    eine neue Dissertation im Fach Germanistik der Universität Göteborg.

    Man stelle sich einmal vor, dass alle weiblichen Lehrer als „Lehrerinnen“
    tituliert werden –, oder dass alle weiblichen Ärzte als „Ärztinnen“ bezeichnet
    werden. Genau verhält es sich ja im Deutschen: Frauen sind sprachlich feminin,
    Männer sprachlich maskulin. Alles, die Deutsch sprechen, stehen daher vor
    Problemen, wenn es gilt, eine Gruppe anzusprechen, die aus Männern und Frauen
    besteht.

    „Dies ist ein heikles Thema, nicht nur für Sprachwissenschaftler und
    Sprachwissenschaftlerinnen, sondern für alle, die Deutsch sprechen. Nicht
    zuletzt, weil diese Thematik mit der Frage verknüpft ist, wie man Frauen in
    der Sprache und damit in der gesamten Diskussion über Gleichberechtigung
    sichtbar machen will“, so der Autor der Dissertation, Magnus Pettersson,
    Doktorand am Institut für Sprachen und Literaturen.

    Eine Möglichkeit besteht darin, ausschließlich Maskulina zu verwenden,
    beispielsweise „der Student“ oder „der Lehrer“. Die maskuline Form erhält
    dabei eine allgemeine, angeblich geschlechtsneutrale Bedeutung. Viele sind
    jedoch der Meinung, dass das Maskulinum Frauen sprachlich zur Unsichtbarkeit
    verdammt und somit diskriminiert. Deshalb haben Sprachwissenschaftler
    und Sprachwissenschaftlerinnen Doppelformen des Typs „der Lehrer und die
    Lehrerin“ vorgeschlagen. Solche feministischen Formen werden in der deutschen
    Schriftsprache parallel zu maskulinen und neutralen Formen verwendet, wo man
    darauf verzichtet, das Geschlecht zu markieren.

    Magnus Pettersson hat die Variation solcher Bezeichnungsstrategien genauer untersucht, vor allem in feministischen Magazinen wie „Emma“, wo Verdoppelungen als politisch korrekt gelten und folglich intensiv genutzt werden, aber auch in anderen modernen Texttypen.

    „Es zeigt sich, dass nicht einmal Feministinnen und Feministen konsequent
    sind. Es rutschen einzelne maskuline Formen durch, und vor allem häufig dann,
    wenn es sich bei den bezeichneten Personen um Personengruppen handelt, die auf
    die eine oder andere Weise stereotyp männlich sind, oder wenn man von ihnen
    bewusst Abstand nehmen will.“

    Auf diese Weise werden Maskulina im feministischen Zusammenhang Marker für
    Abstand und Reservation. Ein weiteres Ergebnis sind Verdoppelungen, die zur
    Ansprache bestimmter Gruppen genutzt werden, beispielsweise „Liebe Leserinnen
    und Leser“.

    „Hier spricht man Männer und Frauen explizit an, da die angesprochenen
    Leser und Leserinnen sich eingeschlossen fühlen sollen, unabhängig davon,
    ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Dagegen kann man problemlos im
    gleichen Text Maskulina verwenden, wenn diese sich auf gemischte Gruppen
    beziehen. Das sprachliche Genus-Bewusstsein ist also in der Praxis abhängig
    von kommunikativen Faktoren, den Absichten der Autoren und Autorinnen und
    vom jeweiligen Texttyp.“ Die Dissertation von Magnus Petterssons ist
    möglicherweise die erste, die sich der Anwendung des Genus bei deutschen
    Personenbezeichnungen auf der Grundlage einer beschreibenden textanalytischen
    Perspektive nähert.

    „Viele Forscherinnen und Forscher, die sich dieser Thematik widmen, tun dies
    mit einer klaren sprachpolitischen Ansicht. Sie wollen deutlich machen, wie es
    sein sollte, z. B. dass maskuline Sprachformen, die sich auf Frauen beziehen,
    eine Unart sind. Daran bin ich nicht interessiert. Sprachforschung verfolgt in
    erster Linie das Ziel, den Zustand der Dinge zu beschreiben, nicht normativ
    festzulegen, was richtig oder falsch ist.“

    Titel der Dissertation: Geschlechtsübergreifende Personenbezeichnungen im
    Deutschen. Eine Referenz- und Relevanzanalyse an Texten.

    Autor der Dissertation:
    Magnus Pettersson,
    Tel. +46 31-7865579
    +46 31-7865579
    +46 70-4573467 (Handy)
    E-Mail: magnus.pettersson@tyska.gu.se
    Website: http://www.sprak.gu.se/kontakta-oss/doktorander/pettersson-magnus/

    Link zur Dissertation: http://hdl.handle.net/2077/22454

    Fakultätsopponent: Prof. Jürgen Schiewe, Institut für Deutsche Philologie,
    Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Die Dissertation kann ausgeliehen
    werden und ist auch über den Autor verfügbar.


    Weitere Informationen:

    http://hdl.handle.net/2077/22454


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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