idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
04.10.2010 11:37

Saarbrücker Informatiker kann das Verhalten von Computerprogrammen exakt beschreiben

Friederike Meyer zu Tittingdorf Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

    An großen Computerprogrammen arbeiten heute viele Entwickler mit. Dazu zählt auch frei nutzbare Software, die als Open-Source-Produkt im Internet zu finden ist. Von diesen Programmen wird in der Regel eine detaillierte Beschreibung erstellt, die so genannte Spezifikation. Sie gibt ähnlich wie eine Bedienungsanleitung wieder, wie sich ein Computerprogramm in bestimmten Situationen verhält. Diese eher abstrakte Beschreibung macht den Softwareentwicklern jedoch viel Arbeit. Der Saarbrücker Informatiker Valentin Dallmeier hat jetzt ein Verfahren entwickelt, das anhand von Softwaretests automatisch eine genaue Programmbeschreibung erstellt.

    Der Informatiker hat dafür den Ernst-Denert-Preis 2010 für die bundesweit beste Forschungsarbeit zur Softwareentwicklung erhalten.

    Ein Computerprogramm lässt sich mit einem Getränkeautomaten vergleichen. Dieser gibt Flaschen aus, kann Geld wechseln und wird öfters mal mit neuen Getränken befüllt. Es passiert also an verschiedenen Stellen immer etwas Neues, häufig zur gleichen Zeit, und die einzelnen Aktionen wirken sich aufeinander aus. Wenn man diese Vorgänge in einer Bedienungsanleitung verständlich beschreiben will, kommt man schon bei vielen Einzelschritten an. Noch viel komplizierter ist das bei großen Computerprogrammen, bei denen sich Änderungen an einer Stelle auf ganz viele andere Bereiche auswirken können. Informatiker benutzen daher Verhaltensmodelle, die so genannten „endlichen Automaten“, um den Zustand eines Programms und die vielen fließenden Übergänge exakt zu beschreiben. Diese waren bisher nur aufwändig zu erstellen und nahmen in der Softwareentwicklung viel Zeit in Anspruch.

    Valentin Dallmeier von der Universität des Saarlandes kann solche Verhaltensmodelle jetzt automatisch erzeugen und damit eine genaue Beschreibung auch von umfangreichen Computerprogrammen erstellen. Für diese Modelle analysiert Dallmeier die Testläufe, mit denen eine Software vor der Freigabe auf mögliche Fehler hin durchsucht wird. Die vielen Varianten eines Programms, die dabei durch die Eingabe verschiedener Kennzahlen erzeugt werden, geben dem Saarbrücker Informatiker ein genaues Bild von dem Programmverhalten. Er fertigt daraus eine abstrakte Beschreibung der Software, die so präzise ist, dass man damit weitere Fehler finden und Programmteile sogar automatisch reparieren kann. Darüber hinaus dienen die Beschreibungen als Grundlage für die so genannte Verifikation, die sich zu einem wichtigen Qualitätssiegel für Software entwickelt hat. Mit der Verifikation kann man beweisen, dass Computersysteme ihre mathematisch exakten Vorgaben korrekt erfüllen und keine Fehler mehr enthalten.

    Hintergrund

    Die Ernst Denert-Stiftung für Software-Engineering vergibt jährlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz den Software-Engineering-Preis. Er steht unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft für Informatik und wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft betreut. Mit einem Preisgeld von 5.000 Euro wird eine hervorragende Arbeit aus dem Gebiet der Methoden, Werkzeuge und Verfahren der Softwareentwicklung betreut. Diese muss anwendbar und praxisorientiert sein. Valentin Dallmeier erhielt den diesjährigen Preis der Ernst-Denert-Stiftung für seine Doktorarbeit zum Thema „Mining and Checking Object Behavior“. Vor ihm haben schon mehrere Informatiker der Universität des Saarlandes diesen Preis erhalten. Hans-Jörg Peter wurde 2006 für seine Diplomarbeit „Controller Program Synthesis for Industrial Machines“ ausgezeichnet, ebenso wie Ralf Hildebrandt im Jahr 2001 für seine Arbeit „Minimierung fehlerverursachender Eingaben“. Valentin Dallmeiers Doktorvater Andreas Zeller, Professor für Softwaretechnik an der Universität des Saarlandes, bekam den Preis der Ernst-Denert-Stiftung im Jahr 1997.

    Fragen beantwortet:

    Dr. Valentin Dallmeier
    Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität des Saarlandes
    Tel: 0681 302-64780
    E-mail: dallmeier@st.cs.uni-sb.de

    Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.


    Weitere Informationen:

    http://www.st.cs.uni-saarland.de/~dallmeier/
    http://www.uni-saarland.de/pressefotos


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Informationstechnik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Dr. Valentin Dallmeier, Ernst-Denert-Preisträger 2010 und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Softwaretechnik der Saar-Uni


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay