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12.10.2010 14:46

Deutsch-niederländisches Netzwerk zur Bekämpfung von Fadenwürmern in Gemüse startet

Dr. Gerlinde Nachtigall Pressestelle
Julius Kühn-Institut

    Projekt ProGemüse will im Gemüseanbau in der deutsch-niederländischen Grenzregion (rhein-maas-nord) neue einheitliche Wege gehen, um Produktionsstandorte langfristig zu sichern

    (Münster/NL-Vredepeel)Im deutsch-niederländischen Grenzraum ist der Anbau und die industrielle Verarbeitung von Möhren, Spinat, Sellerie, Zwiebeln, Bohnen und Erbsen ein lukrativer Wachstumsmarkt. Verschiedene, im Boden lebende Nematoden (Fadenwürmer) verursachen jedoch große wirtschaftliche Schäden. Um diese Produktionsstandorte langfristig zu sichern, unterzeichnen die Projektpartner heute, am 12.10.2010, am PPO in Vredepeel ein Kooperationsvertrag. Damit geben sie den Startschuss für das Projekt ProGemüse, das im Rahmen des INTERREG IV A-Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt und durch das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, Nordrhein-Westfalen und die Provinz Limburg kofinanziert wird. ProGemüse wird begleitet durch das Programmmanagement bei der euregio rhein-maas-nord. Die Koordination des dreijährigen Projektes erfolgt am Julius Kühn-Institut (JKI) als Lead Partner. Fünf weitere Partner aus Wissenschaft, Beratung und Industrie bringen ihre Kompetenzen ein. Ziel ist, die Nematoden zu verringern, um auch künftig in der Region hochwertiges und frisches Gemüse mit kurzen Transportwegen zu den verarbeitenden Unternehmen produzieren zu können.

    Durch den Entzug von Nährstoffen und Wasser schwächen Nematoden das Wachstum von Pflanzen und schädigen deren Wurzeln. Geringe Erträge und deformierte Ernteorgane (z. B. beinige Möhren) sind die Folge. Sind Gemüseflächen mit Nematoden verseucht, werden sie für den Anbau ungeeignet. Landwirte, die Gemüse produzieren, müssen auf andere Flächen ausweichen, häufig in größerer Entfernung zum verarbeitenden Unternehmen. Bei steigendem Nematodenbefall werden zudem vermehrt Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. All dies führt zu Kostensteigerungen, ist wenig umweltfreundlich und kann dazu führen, dass sich ein Anbau nicht mehr lohnt. Die Folge wäre, dass der Standort in der Grenzregion D/NL für Landwirtschaft und verarbeitende Industrie die jetzigen guten Entwicklungs- und Wachstumschancen verliert.

    Insgesamt findet in der Region ein intensiver grenzüberschreitender Austausch von Pachtflächen sowie Gemüse in beide Richtungen statt. Derzeit werden in beiden Ländern jedoch unterschiedliche Strategien verfolgt, wie pflanzenparasitäre Nematoden erfasst und bekämpft werden. Da Nematoden durch Acker- oder Landesgrenzen nicht gestoppt werden, ist das jetzt begründete deutsch-niederländische Netzwerk „Nematodenprobleme in Gemüsekulturen“ ein wichtiger nachhaltiger Schritt, Erfahrungen auszutauschen und durch gemeinsame Anstrengungen den Gemüseanbau in der Region in seiner Produktivität zu sichern und auszubauen. So entsprechen derzeit bei Möhren rund 30 % der Pflanzen nicht den erforderlichen einwandfreien Qualitätsstandards. Ein Projektziel ist, diesen Anteil auf 10 % zu reduzieren.

    Mehrere Wege sollen dabei zum Ziel führen. Zum einen werden alternative Anbauverfahren wie resistente Zwischenfrüchte und Fangpflanzen untersucht. Erfolg versprechend ist der Ansatz Saat- und Erntetermine bzw. Saat- bzw. Pflanzdichte zu optimieren, um den Befall mit Nematoden niedrig zu halten. Bei einigen Partnern laufende Forschungen z. B. zur Biofumigation werden ebenfalls erprobt. Dabei werden Kreuzblüter angebaut und zum Zeitpunkt der Blüte in den Boden eingearbeitet. Die dann freigesetzten nematizid wirkenden Substanzen sollen die Nematoden von ihren Wirtspflanzen fernhalten. Ungeachtet dessen, welche Maßnahmen schließlich zum Einsatz kommen, ist es wichtig, dass Gemüseproduzenten und Berater umfassend informiert und ausgebildet werden, damit dieser „hidden enemy“ nicht die Oberhand gewinnt.

    Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner:
    Dr. Johannes Hallmann
    Institut für Epidemiologie und Pathogendiagnostik des Julius Kühn-Instituts (JKI)
    Toppheideweg 88
    48161 Münster, Germany
    Tel.: +49 251 87106-25
    E-Mail: johannes.hallman[at]jki.bund.de

    Projekt und Projektpartner:
    Julius Kühn-Institut (JKI), Institut EP, Münster, D (Lead partner)
    Proktijkonderzoek Plant & Om,gevin B.V., locatie Vredepeel (PPO), Vredepeel, NL
    Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bonn, D
    Laarakker Groenteverwerkung B.V., ES Well, NL
    De Schakel Contraactteelt BV (Brabant), Helmond, NL
    Hans Brocker KG, Willich, D
    http://www.euregio-rmn.de/euregio-foerderungen/interreg-iv-a/projekte/massnahmen...


    Weitere Informationen:

    http://www.euregio-rmn.de/ - Seite der Euregio
    http://www.deutschland-nederland.eu - EU Programm INTERREG IV A


    Bilder

    Schadbild des Nematoden Pratylenchus penetrans an Möhren
    Schadbild des Nematoden Pratylenchus penetrans an Möhren
    Quelle: Foto: Hallmann/Julius Kühn-Institut


    Anhang
    attachment icon Was ist die Euregio Rhein-Maas-Nord?

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

    Schadbild des Nematoden Pratylenchus penetrans an Möhren


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