idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
26.10.2010 12:58

Frauen, Männer, Paare: Entscheidungsverhalten von Paaren komplexer als erwartet

Stephan Schütze Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik

    Frauen kaufen Schuhe, Männer kaufen Autos, so das gängige Klischee. Aber wer entscheidet über die Ausgaben für Lebensversicherungen, Altersvorsorge oder Kredite? Und wie verändert sich das Entscheidungsverhalten von Menschen, wenn sie als Paar gemeinsam entscheiden, gegenüber ihren Entscheidungen als Einzelperson? Diese Fragen haben Anthony Ziegelmeyer vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik und seine Kollegen André de Palma und Nathalie Picard (Universität Cergy-Pontoise, Paris) in einem Laborexperiment untersucht. Das wichtigste Ergebnis: Der jeweilige Einfluss der Partner auf gemeinsamen Entscheidungen ist keineswegs stabil, sondern verändert sich in einem dynamischen Prozess.

    Entscheidungen auf Haushaltsebene wurden in der Ökonomik bislang überwiegend wie die Entscheidungen von Einzelpersonen betrachtet. „Ein Haushalt ist aber keine starre Einheit, sondern ein komplexes Gefüge“, erläutert Antony Ziegelmeyer den Ansatz der Studie. „Wir haben es mindestens mit zwei Individuen zu tun, die ähnliche, aber auch unterschiedliche Ziele haben können. Uns interessierte der Prozess, in dem sie zu einer gemeinsamen Lösung kommen.“

    An dem von Ziegelmeyer und seinen Kollegen gestalteten Experiment nahmen 22 in einem gemeinsamen Haushalt lebende Paare teil. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten zunächst 40 Euro Startkapital. Danach standen sie in zwölf Spielserien jeweils elf Mal vor der Entscheidung „Lotterie“ oder „Auszahlung“, also einer risikoreicheren bzw. einer risikoärmeren Entscheidungsvariante. Für die ersten sechs Spielserien wurden die Paare getrennt, und Männer und Frauen entschieden unabhängig voneinander. Danach spielten die Paare weitere sechs Runden gemeinsam. Die Auswertung der Daten zeigte wie erwartet, dass die Risikoaversion von Frauen durchschnittlich höher ist, als die von Männern. Die geringste Risikoaversion jedoch zeigten Paare bei gemeinsamen Entscheidungen. Dabei stieg die Risikobereitschaft der Frauen regelmäßiger als die der Männer.

    Vor allem aber gewannen Frauen im Laufe eines etwa zweistündigen Experiments nach und nach mehr Einfluss auf die gemeinsamen Entscheidungen. „Uns hat allerdings überrascht, dass sich selbst innerhalb einzelner Paare die Verteilung der Entscheidungsmacht permanent veränderte“, berichtet Ziegelmeyer. Der Einfluss, den einzelne Haushaltsmitglieder im Entscheidungsprozess haben, ist also – anders als bislang oft angenommen wurde – weit davon entfernt, stabil zu sein. „Auch dieses veränderliche Spiel der Kräfte müssen wir erforschen, wenn wir ein realistisches Verständnis des menschlichen Entscheidungsverhaltens erlangen möchten“, zieht Anthony Ziegelmeyer ein Fazit. Die Forscher werden ihre Ergebnisse nun in weiteren Studien vertiefen.

    Originalveröffentlichung:
    André de Palma, Nathalie Picard, Anthony Ziegelmeyer: “Individual and couple decision behavior under risk: Evidence on the dynamics of power balance”
    Journal: Theory and Decision
    doi: 10.1007/s11238-009-9179-6

    Das Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena beschäftigt sich mit einem breiten Spektrum von Fragen des wirtschaftlichen Wandels insgesamt, der experimentellen Ökonomik sowie des unternehmerischen Verhaltens.

    Weitere Informationen erhalten Sie von:

    Anthony Ziegelmeyer
    Max-Planck-Institut für Ökonomik
    Kahlaische Straße 10
    07745 Jena
    Telefon: +49 - 3641 - 686 630
    Fax: +49 - 3641 - 686 623/667
    e-mail: ziegelmeyer@econ.mpg.de

    Stephan Schütze, Petra Mader
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Max-Planck-Institut für Ökonomik
    Kahlaische Straße 10
    07745 Jena
    Telefon: +49 - 3641 - 686 950, -960
    Fax: +49 - 3641 - 686 710
    e-mail: presse@econ.mpg.de


    Weitere Informationen:

    http://www.econ.mpg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    © Pavel Losevsky - Fotolia.com


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay