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17.11.2010 10:36

Fritz (1822-1897) und Hermann Müller (1829-1883) - Naturforschung „für Darwin“

Sabine Heine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig

    (Bonn, 17.11.2010) Unter dem Titel: Fritz (1822-1897) und Hermann Müller (1829 –­1883) - Naturforschung „für Darwin“ veranstaltet das Biohistoricum am 27. und 28. November 2010 ein wissenschaftliches Symposium im Hörsaal des Zoologischen Forschungsmuseum Koenig in Bonn.

    Das „Müller-Symposium“ präsentiert die wissenschaftlich vielfältigen und teils unbekannten Seiten der beiden begnadeten Naturforscher und Frühdarwinisten des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftler aus Deutschland und Brasilien treffen zusammen, um der Öffentlichkeit die Bedeutung der Gebrüder Müller für die biologische Forschung und besonders für die Evolutionstheorie vorzustellen.

    Begleitend zum Symposium wird am Samstag den 27.11. 2010 um 15.00 Uhr eine Müller-Ausstellung eröffnet.

    Ausstellungseröffnung
    "Da ist gewiss des Neuen noch unendlich viel zu finden" - Eine Ausstellung über die frühdarwinistischen Naturforscher Fritz (1822-1897) und Hermann Müller (1829-1883)

    Begrüßung

    Prof. Dr. Ragnar Kinzelbach, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie (DGGTB e.V.),
    Dr. Uwe Kaestner, Botschafter a.D., Präsident der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft (DBG e.V.),
    Prof. Dr. Christian Westerkamp, Universidade Federal do Ceará Agronomia, Crato CE Brasil

    Die Veranstaltung wird gefördert durch die DGGTB e.V., die DBG e.V. und die AKG e.V.



    Hintergrundinformation

    Fritz Müller (1822-1897) und sein jüngerer Bruder Hermann (1829-1883) stammten aus einer protestantischen Pastorenfamilie und wuchsen im thüringischen Windischholzhausen und Mühlberg nahe Erfurt auf. Beide zeigten schon früh große Naturverbundenheit und Naturforschung war bestimmend in ihren Lebenswegen.

    Fritz Müller gehörte zu den ersten deutschen Naturkundlern, die systematisch Beiträge für die Vertiefung der Darwinschen Evolutionstheorie lieferten und letztendlich dadurch die Naturkunde verwissenschaftlichten. Er kann – neben Darwin – als Initiator einer modernen, auf die Evolution ausgerichteten Entwicklungsbiologie gesehen werden. Fritz Müllers konsequent rationale Weltsicht zeigte sich schon früh in der Loslösung von religiöser Bindung und führte zu Schwierigkeiten auf seinem Berufsweg. Gymnasiallehrer und Mediziner konnte er wegen der Verweigerung christlicher Eidesformeln im Preußen der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht werden. Er wanderte deshalb 1852 ins brasilianische Blumenau aus. Zur Sicherung des Lebensunterhalts seiner Familie lebte Fritz Müller dort zuerst als Landwirt und Lehrer, betrieb aber kontinuierlich umfangreiche Naturforschungen. Von 1876-1884 war er als „Mitarbeiter im Außendienst“ am brasilianischen National-Museum Rio de Janeiro angestellt. Die feldbiologischen wissenschaftlichen Arbeiten zu Platt- und Ringelwürmern, Polypen und Quallen, Krebstieren und Insekten, wie auch seine botanischen Untersuchungen bildeten Meilensteine in der Bekräftigung der Darwinschen Evolutionstheorie. Fritz Müller stand – wie später auch sein Bruder Hermann – im intensiven Austausch mit Charles Darwin und vielen anderen bedeutenden Naturforschern seiner Zeit. Von Charles Darwin erhielt Fritz Müller die bezeichnende Zuschreibung: „Fürst der Beobachter“.

    Zusammen mit Christian Konrad Sprengel und Charles Darwin zählt Hermann Müller zu den Pionieren auf dem Gebiet der Blütenbiologie. In biologischen Fachkreisen ist sein Name mit grundlegenden Forschungen zur „Koevolution von Blütenpflanzen und Insekten“, pflanzengeografischer und systematischer Mooskunde sowie entomologischen Studien verbunden. Müllers Arbeiten wurden von Charles Darwin hochgeschätzt, außer in umfangreicher fachlicher Korrespondenz zeigt sich dieses auch in Darwins Vorwort zur englischen Übersetzung von Müllers Buch zur Blütenbiologie.

    Über die wissenschaftlichen Aspekte hinaus gehört zu Hermann Müllers Verdiensten, dass er als Realschullehrer die Pädagogik des Naturkundeunterrichts so weiterentwickelte, dass er als Begründer des modernen Biologieunterrichts gesehen werden kann. Müllers didaktischer Stil war in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts revolutionär. Er weckte naturkundliche Neugier bei Schülern durch direkte Beobachtungen im Freiland und auf Exkursionen, betrachtete im Unterricht systemische Zusammenhänge und vermittelte Darwins Entwicklungssichten. Der von ihm entwickelte Lehrplan für den naturwissenschaftlichen Unterricht der Realschule in Lippstadt empfahl das Preußische Kultusministerium für die Gestaltung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in höheren Schulen.
    Breites öffentliches Aufsehen erregte Hermann Müller durch seine Rolle im so genannten „Lippstädter Fall“. Im Zusammenhang mit weltanschaulichen Auseinandersetzungen, ausgelöst durch die gesellschaftliche Rezeption von Darwins Theorie, bezogen sich lokale und überregionale konfessionelle und politische Debatten auch auf Müllers pädagogische Vermittlung der Evolutionstheorie in Lippstadt. Die damaligen Auseinandersetzungen zeigen eine verblüffende Ähnlichkeit mit den auch heutigen noch im öffentlichen Raum laufenden Kontroversen um eine Akzeptanz der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Evolutionstheorie.

    Programm s.homepage des Museum Koenig www.Biohistoricum.zfmk.de
    Dort: Müller-Symposium: http://www.zfmk.de/web/Forschung/Biohistoricum/MllerSymposium/ProgrammSo/index.d...

    Ansprechpartnerin: Dr. Katharina Schmidt-Loske
    Email: Katharina.Schmidt-Loske@mail1a.info
    Tel.: 0176/51225583


    Weitere Informationen:

    http://www.zfmk.de/web/Forschung/Biohistoricum/MllerSymposium/Programm/index.de....


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Geowissenschaften, Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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