idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
25.11.2010 11:19

HAWtech: Stellungnahme zur Diskussion über die Wiedereinführung des Diplom‐Ingenieurs

Diplom-Übersetzerin (FH) Cornelia Mack Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Hochschule Esslingen

    Die sechs in der HAWtech zusammengeschlossenen Hochschulen sprechen sich gegen
    eine Wiedereinführung des Diplom‐Grades aus. Die im Rahmen des Bologna‐Prozesses
    eingeführten Abschlüsse Bachelor und Master sind erfolgreich etabliert. Die Rückkehr zum früheren System sieht die HAWtech als Gefahr für die Weiterentwicklung des Hochschulsystems.

    Die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes mit vergleichbaren Abschlüssen war eines der wesentlichen Ziele einer Initiative der Bildungs- und Wissenschaftsminister der europäischen Staaten, welche vor 10 Jahren den gesamten Kontinent ergriffen hat und unter dem Namen „Bologna-Prozess“ bekannt geworden ist. Zentrales Element dieses Prozesses ist die Umstellung der Studienstruktur auf gestufte Abschlüsse, die insbesondere im asiatischen und amerikanischen Raum als Standard anzutreffen sind.

    Die tragende Idee des Bologna-Prozesses ist es u. a., jungen Menschen ihren Fähigkeiten entsprechende Abschlüsse anzubieten. Hierbei stellt der Bachelor nach einer Studienzeit von drei bis vier Jahren den ersten berufsqualifizierenden Abschluss dar. Guten Absolventen der Bachelor-Studiengänge wird dann die weitere wissenschaftliche Vertiefung im Rahmen eines Master-Studiums angeboten. Den besten Master-Absolventen wird anschließend der Weg zur Promotion eröffnet.

    Dieser an der Qualifikation der Studierenden orientierte Ablauf ist zwischenzeitlich auch in Deutschland flächendeckend umgesetzt. Insbesondere die Fachhochschulen haben hierbei eine herausragende Rolle gespielt und den Nachweis erbracht, dass der Bachelor-Abschluss berufsqualifizierend sein kann. Die hohe Qualität dieser Abschlüsse wird auch von Arbeitgebern ohne Abstriche anerkannt.

    Auch der Übergang der besten Bachelor-Absolventen in Master-Studiengänge sowie deren Befähigung zur erfolgreichen Promotion wird bereits durch eine große und wachsende Zahl von Beispielen nachdrücklich belegt.

    Fachhochschulen sind ein zentraler Innovationsmotor der deutschen Wirtschaft. Dies zeigt sich auch darin, dass heute schon die Mehrheit der Ingenieure an Fachhochschulen ausgebildet wird. Entscheidungsträger im Wissenschaftssystem gehen künftig von einem Anteil von 80 % aus. In diesem Zusammenhang ist es unabdingbar, dass auch in der Öffentlichkeit die Stellung dieser Ingenieure - wie im Rahmen des Bologna-Prozesses geschehen - entsprechend ihrer Bedeutung und Qualifikation wahrgenommen wird.

    Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass in einzelnen Bereichen eine Diskussion zur Wiedereinführung des Diplom-Ingenieurs als akademischen Abschluss oder als Zusatz zu den neuen akademischen Graden im Ingenieurbereich begonnen hat. Die Wiedereinführung würde nicht nur das Ziel der weltweiten Kompatibilität von Hochschulabschlüssen konterkarieren. Sie würde vielmehr auch zu Verwirrungen im deutschsprachigen Raum mit zunehmender Intransparenz führen. Schließlich wäre sie der Türöffner für weitere Disziplinen, sich von den eingeführten und zwischenzeitlich etablierten und seitens der Arbeitgeber akzeptierten Bachelor- und Master-Abschlüssen abzuwenden und die Rückkehr zum alten, singulär deutschen System zu fordern. Dieses wäre ein politischer Rückschritt und würde sowohl bei Bewerbern als auch bei Arbeitgebern sowie insbesondere bei ausländischen Betrachtern zu erheblicher Verwirrung führen.

    Die in der HAWtech zusammengeschlossenen Hochschulen sehen daher in einer Rückkehr zum früheren System mit ausschließlicher oder zusätzlicher Vergabe des Diplomgrades eine große Gefahr für die Weiterentwicklung des Hochschulsystems. Eine weitere Differenzierung neben Bachelor und Master ist weder national und schon gar nicht international notwendig und hilfreich. Eine konstruktive Gestaltung und gemeinsame Erarbeitung einer Marke durch hohe Qualität ausgezeichneter deutscher Bachelor- und Masterabschlüsse sollte vielmehr das vorrangige Ziel aller Beteiligten sein.

    Die Hochschulallianz für Angewandte Wissenschaften HAWtech stellt einen Zusammenschluss führender deutscher Fachhochschulen mit einem Schwerpunkt im Bereich der Ingenieurwissenschaften dar. Unter der Leitidee „Starke Regionen, starke Hochschulen - Interessen verbinden“ haben sich die FH Aachen, HTW Berlin,
    HS Darmstadt, HTW Dresden, HS Esslingen und HS Karlsruhe zusammengefunden, um gemeinsam in Themen der Lehre, der Forschung, der Internationalisierung, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit Synergien zu schaffen und neue Maßstäbe zu setzen. Jede der beteiligten Hochschulen verfügt über einen ausgeprägten technischen Schwerpunkt, besitzt in diesem Bereich eine sehr hohe Reputation und hat ihren Standort in einer wirtschaftlich attraktiven Region in Deutschland. Insgesamt sind an den Hochschulen der HAWtech rund 47.000 Studierende eingeschrieben. Der Vorsitz der HAWtech liegt derzeit beim Rektor der Hochschule Esslingen, an welcher auch die Geschäftsstelle eingerichtet ist.


    Weitere Informationen:

    http://www.haw-tech.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Elektrotechnik, Informationstechnik, Maschinenbau, Werkstoffwissenschaften, Wirtschaft
    überregional
    Studium und Lehre, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).