idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
07.12.2010 16:44

Segeln statt Flattern: auch kleine Zugvögel nutzen den Gleitflug um Energie zu sparen

Leonore Apitz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie

    Große Vögel wie Störche sparen auf ihrem Zug Kraftreserven, indem sie während des Fluges auf thermischen Strömungen dahinsegeln. Bei kleineren Zugvögeln war dieses Verhalten bisher nicht bekannt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und der Ben-Gurion-Universität des Negev beobachteten erstmals europäische Bienenfresser (Merops apiaster) auf ihrer Zugroute mithilfe von Radiotransmittern. Messungen der Herzraten, der Fluggeschwindigkeit und der Flugart ergaben, dass auch diese kleinen Vögel zeitweise im Gleitflug fliegen. Sie werden dabei nicht langsamer und sparen sogar mehr Kraftreserven als größere Arten.
    (PLoSOne, 11. November 2010)

    Wenn wir an Vögel denken, die majestätisch ohne einen Flügelschlag durch die Luft gleiten, stellen wir uns große Arten vor wie den Weißstorch oder einen Greifvogel auf der Futtersuche. Diese Flugmuster großer Zugvögel wurden bereits genau untersucht. Ornithologen wissen viel über ihre Fluggeschwindigkeit, die zurückgelegten Entfernungen und den Anteil verschiedener Flugtechniken während des Zuges. Bei kleineren Vögel nahmen sie lange an, sie könnten wegen ihrer geringen Muskelkraft und der kleineren Flügel nicht im selben Maße gleiten und Kraftreserven sparen. Der Gleitflug reduziere die Geschwindigkeit im Vergleich zum Flug mit dauerndem Flügelschlag, so die Annahme.

    Nun untersuchten Wissenschaftler der Ben-Gurion Universität des Negev, der Universität Jerusalem und Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell erstmals den Energieverbrauch kleiner Zugvögel im Freiland. Sie fingen einige Exemplare des europäischen Bienenfressers in Israel und befestigten kleine Sender auf dem Rücken. Mit den empfindlichen Geräten konnten sie jeden Flügelschlag, die Herzrate und die Fluggeschwindigkeit messen. Um den Energieaufwand bestimmen zu können, ermittelten die Forscher im Labor, dass die Herzschlagrate der Vögel ein Indikator für den Sauerstoffverbrauch ist und dass die gemessenen Werte Rückschlüsse auf den Energieverbrauch während des Fluges zulassen.

    „Bei der Auswertung der Messergebnisse waren wir überrascht zu sehen, dass die Bienenfresser häufig zwischen Segelflug und Ruderflug wechselten und dass zudem die Herzschlagfrequenz während des Segelfluges nur halb so groß war“, sagt Martin Wikelski. „Die Vögel benötigen beim Gleiten ebenso wenig Energie wie im Ruhezustand auf einem Ast oder im Nest.“ In voran gegangenen Studien zu größeren Zugvögeln wurde dagegen eine um 30 Prozent höhere Herzrate beim Gleitflug als beim Rasten gemessen. Diese Flugtechnik stellt also für kleine Zugvögel eine deutlich höhere Kraftersparnis dar als für größere Arten. Auch ein Geschwindigkeitsverlust konnte nicht festgestellt werden.

    Das Ergebnis dieser Studie beantwortet nicht nur die Frage, ob auch kleine Zugvögel während ihrer langen Reise segeln oder gleiten können: Sie sind dabei sogar gleich schnell und verbrauchen weniger Kraftreserven.

    Originalveröffentlichung:

    Nir Sapir, Martin Wikelski, Marshall D. McCue, Berry Pinshow & Ran Nathan
    Flight modes in migrating European bee-eaters: Heart rate may indicate low metabolic rate during soaring and gliding
    PLoSOne 5(11): e13956.doi:10.1371/journal.pone.0013956

    Kontakt:

    Nir Sapir
    The Hebrew University of Jerusalem
    Department of Evolution, Systematics and Ecology
    Tel: +972 2 6586080
    Fax: +972 2 6584655
    E-Mail: Nir.sapir@mail.huji.ac.il

    Prof. Dr. Martin Wikelski
    Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
    Tel.: +49 7732 1501-62
    E-Mail: martin@orn.mpg.de

    Leonore Apitz
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
    Tel.: +49 7732 1501-77
    E-Mail: apitz@orn.mpg.de


    Weitere Informationen:

    http://cms.uni-konstanz.de/wikelski/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Der europäische Bienenfresser im Flug


    Zum Download

    x

    Der europäische Bienenfresser


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay