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02.03.2011 17:29

Alltag in Ägypten - Der fünfteilige Dokumentarfilm ‚Mafrouza’ von Emmanuelle Demoris

Dr. Sonja Hegasy Zentrum Moderner Orient (ZMO)
Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

    MAFROUZA. Deutschland-Premiere im Kino Arsenal, 18.-26. März 2011

    2011 lernte die Welt ein anderes Ägypten kennen. Was bis dato über die arabische Welt zu hören war, bewegte sich zwischen "Der Schleier des Terrors" und dem "Terror des Schleiers". Jetzt tauchte aus den vorgeblich so fügsamen und autoritätsgläubigen Ägyptern mit einem Mal eine säkulare Protestbewegung auf – für viele aus dem Nichts. Denn die ägyptische Gesellschaft, der Alltag der Menschen und ihre individuellen Überlebensstrategien waren nur selten von Interesse. In ‚Mafrouza’ lernen wir den Alltag in einem Armenviertel der ägyptischen Metropole Alexandria kennen.

    In Zusammenarbeit mit dem Zentrum Moderner Orient.

    Emmanuelle Demoris hat sich von 2001 bis 2004 in Mafrouza aufgehalten und den Alltag einiger Bewohner begleitet. Ihr einzigartiges dokumentarisches Mammut-Projekt ist erst seit kurzem fertig gestellt und liegt in Form des fünfteiligen MAFROUZA-Zyklus von insgesamt zwölf Stunden Dauer vor. Die Filmemacherin wird am Eröffnungswochenende anwesend sein.

    Mafrouza wurde auf den Ruinen einer antiken griechisch-römischen Totenstadt gebaut. Vor dem Abriss im Jahr 2007 lebten dort zehn Millionen Menschen. Im Lauf der Zeit entwickelt sich der Film zu einer vielstimmigen Chronik Ägyptens seit 2000 und zu einer Hommage auf die Menschlichkeit, den Mut und die Lebenskraft seiner Bewohner.

    Am Samstag, den 19.3. um 20.30h wird Dr. Samuli Schielke vom ZMO in die Folge QUE FAIRE? (What Is to Be Done?, 2010) einführen. Dr. Schielke arbeitet seit 2001 als Ethnologe in Ägypten. Er beschäftigt sich u.a. mit der Suche nach einem besseren Leben, Religion im Alltag und Migration. Er war während der Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz vor Ort und kommt am 18.3. aus Kairo wieder. Im Anschluss an die Veranstaltung steht er zusammen mit Emmanuelle Demoris für Interviews zur Verfügung. Interviewanfragen für das ZMO bitte an schielke@rocketmail.com oder sonja.hegasy@rz.hu-berlin.de

    Die Lebensbedingungen in Mafrouza sind hart, der Alltag der Bewohner mühsam und voller Entbehrungen: Sie wohnen in großer Armut in verfallenen Häusern, ohne fließendes Wasser, Müllabfuhr und Kanalisation. Doch sie reagieren mit unermüdlicher Energie und Fantasie auf die Gegebenheiten und erfinden verblüffende Strategien, den Widrigkeiten zu trotzen und dem Überlebenskampf Momente des Glücks abzuringen.

    Nach ersten Begegnungen mit Bewohnern des Viertels zu Anfang des Films bilden sich allmählich Protagonisten heraus, die in allen Episoden wiederkehren: ein Paar auf der Suche nach dem Glück, ein Lebensmittelhändler, der zugleich Imam ist, ein singender Deserteur, ein alter Mann, der Sisyphos gleicht, eine Bäuerin und ihr Backofen und eine Familie von Müllsammlern.

    Doch der Film erzählt nicht nur ihre Geschichte, sondern auch die Geschichte ihrer Begegnung mit der Filmemacherin und ihrer Beziehung zueinander. Im Zuge dessen reflektieren die Bewohner in Reaktion auf die Dreharbeiten fundamentale Fragen des Filmemachens und des dokumentarischen Ethos wie z.B. die Repräsentation von Armut, die Position der Filmemacherin und den Blick einer Fremden. Der Status der Kamera als Akteurin spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die ausdrückliche und direkte Bezugnahme auf die Kamera als Subjekt des Austauschs macht den Blick frei für eine Begegnung mit den Menschen aus Mafrouza jenseits von generalisierenden Zuschreibungen und verbreiteten Klischeevorstellungen. Sie repräsentieren nicht „Ägypter“, „Araber“, „Muslime“ oder „Opfer der Globalisierung“. Sie sind Frauen und Männer, die arbeiten, lieben, Probleme haben, sich gegenseitig helfen, Gedichte schreiben, singen, feiern, diskutieren und Geschichten erzählen. Vor den Augen der Filmemacherin und im Dialog mit ihrer Kamera erweist sich der Slum als vielschichtiges Universum und seine Bewohner als versierte Lebenskünstler.

    Die fünf Teile des MAFROUZA-Zyklus (à jeweils ca. 2,5 Stunden Dauer) folgen chronologisch aufeinander, doch jeder Film funktioniert auch eigenständig und jenseits der Chronologie.

    Kartenvorbestellungen:
    Kino Arsenal im Filmhaus am Potsdamer Platz | ticket@arsenal-berlin.de | Telefon: 030 26955 100
    Eintritt: 6.50 EURO
    Potsdamer Straße 2 | 10785 Berlin | www.arsenal-berlin.de


    Weitere Informationen:

    http://www.arsenal-berlin.de/arsenal/programmtext-anzeige/article/2181/194.html?... Programm
    http://www.samuli-schielke.de/research.htm Homepage Dr. Schielke
    http://www.zmo.de Homepage ZMO


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Politik, Recht, Religion
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Pressetermine
    Deutsch


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