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05.03.2011 14:02

Kultusminister: „Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Isa Lange Pressestelle
Stiftung Universität Hildesheim

    Wege zu einer gemeinsamen Bildung und Erziehung für alle – die Hildesheimer Pädagogischen Tage stellten in diesem Jahr Weiterbildungsangebote zum Thema Inklusive Pädagogik in den Mittelpunkt. „Schülerinnen und Schüler sollen starke Persönlichkeiten werden. Unabhängig von der Begabung wird in diesem Land jedes Kind gebraucht. Das sollte Maßstab für alle Handlungen des Bildungssystems und der Bildungsverantwortlichen sein. Schule muss Zukunftschancen eröffnen“, betonte Dr. Bernd Althusmann, Kultusminister des Landes Niedersachsen in der Stiftung Universität Hildesheim.

    Am 4. und 5. März 2011 informierten sich Schulleitungen, Lehrkräfte, pädagogisches Personal und Studierende in der Stiftung Universität Hildesheim über Chancen und Möglichkeiten einer Inklusiven Pädagogik. Dr. Margitta Rudolph, Vizepräsidenten für Weiterbildung der Stiftungsuniversität Hildesheim und Leiterin der für die Lehrerfortbildung zuständigen Weiterbildungsabteilung WiN (Weiterbildung in Netzwerken) begrüßte rund 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Auf Grund der Globalisierung und weltweiten Migration ist die Gesellschaft multikultureller geworden. Die Schule muss neue Wege finden, wie sie produktiv mit den unterschiedlichen Sprachen, Lebensstilen und Kulturen umgehen kann. Die diesjährigen Hildesheimer Pädagogischen Tage geben viele Anregungen, inklusive Pädagogik als eine Chance zu erkennen, Kindern und Jugendlichen so viel Unterstützung wie möglich zu geben. Es geht um die Förderung von Vielfalt, hin zu Selbstbestimmung, zu Selbstständigkeit und zum Ausschöpfen der individuellen Möglichkeiten von Kindern.“

    „Das angestrebte Ziel der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden, von Bund, Ländern und Kommunen“, betonte Dr. Bernd Althusmann, Kultusminister des Landes Niedersachsen und seit 2011 Präsident der Kultusministerkonferenz. „Schülerinnen und Schüler sollen starke Persönlichkeiten werden. Unabhängig von der Begabung wird in diesem Land jedes Kind gebraucht. Das sollte Maßstab für alle Handlungen des Bildungssystems und der Bildungsverantwortlichen sein. Schule muss Zukunftschancen eröffnen", so der Minister. Althusmann verwies – mit Blick auf das Wohl des Kindes – darauf, die Umsetzung inklusiver Pädagogik in Niedersachsen zunächst sorgfältig vorzubereiten.

    In diesem Zusammenhang lobte der Minister die Vorreiterrolle der Stiftung Universität Hildesheim: Zum Wintersemester 2011/12 soll ein Weiterbildungs-Masterstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ angeboten werden. „Der Weiterbildungs-Masterstudiengang ‚Inklusive Pädagogik und Kommunikation' ist eine exzellente Ergänzung der Gesamtstrategie des Landes. Es wird bekanntermaßen ein Aktionsprogramm der Landesregierung gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten in Niedersachsen geben, aus dem sich eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen ableiten. Wenn an der Stiftung Universität Hildesheim ein Angebot gemacht werden kann, berufsbegleitend sich im Speziellen mit Fragen der Inklusion auseinanderzusetzen, sich dadurch weiterzuqualifizieren um damit wiederum andere Lehrkräfte von diesem Gedanken zu überzeugen, dann ist das eine Grundvoraussetzung für das Gelingen von Inklusion in Niedersachsen“, unterstrich Minister Althusmann.

    Der Hamburger Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. André Frank Zimpel gab in seinem Grundsatzreferat „Inklusive Pädagogik“ einen Einblick in die Geschichte der Inklusiven Pädagogik und skizzierte Herausforderungen, denen sich das Schulsystem stellen muss. „Wir haben immer heterogene Klassen, selbst im Elite-Gymnasium in Hamburg Blankenese. Normalität wird wenig hinterfragt. Wir müssen uns kritisch mit unseren Normalitäts-konstruktionen auseinander setzen“, forderte Zimpel. „Gerne zitiere ich Pablo Pineda, der selbst unter den Bedingungen einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) lebt. Er forderte bereits 1997 in Madrid: Teilt die Menschen nicht in zwei Gruppen ein, die Normalen und die Anormalen. Wir sind genauso gleich und verschieden wie ihr.“ Auch Richard von Weizäcker betonte 2003 in Bonn: „Es ist normal, verschieden zu sein."
    Am 13. Dezember 2006 verabschiedeten die Vertragsstaaten der UN die Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderungen. „In Deutschland gewinnen die Themen Teilhabe und Inklusion insbesondere seit der Ratifizierung der UN-Konvention zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung durch den Bundestag und die Bundesregierung immer mehr an Bedeutung", befand Zimpel. Die Frage der Inklusion sei nicht allein Aufgabe der Institution Schule: „Eltern, Pädagogen und Mediziner in einem Boot – zu solchen Kooperationsformen müssen wir kommen."

    Am Abend führten 50 Kinder der fünften Schulklassen der HS/RS Söhlde unter Leitung von Saskia Bögeholz und Line Pengel im Audimax das Theaterstück „Momo“ nach Michael Ende auf. „Das heutige Theaterstück stellte sehr eindrucksvoll unter Beweis, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen Begabungen und/oder auch mit vielfältigen Benachteiligungen wirklich eine Bravourleistung vollbringen, dass Stärken gefördert werden können“, unterstrich die Vizepräsidentin für Weiterbildung. Die Rollen wurden von Kindern mit unterschiedlichen Begabungen besetzt – im Sinne einer inklusiven Pädagogik. Die Veranstaltung wurde sehr gut angenommen.

    Welche Chancen sollen für wen eröffnet werden? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit der pädagogische Ansatz der Inklusion erfolgreich sein kann? Auf der abschließenden Podiumsdiskussion am Samstag, 5. März 2011, diskutierten Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Institut für Erziehungswissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim, Dr. Peter Wachtel, Referent für Sonderpädagogik am Niedersächsischen Kultusministerium, Dr. Inge Krämer-Kilic, Ausbildungsseminar für Sonderpädagogik, sowie Rektor Robert Düring, Schulleiter der Grundschule Am Ziesberg in Salzgitter.

    Die diesjährigen Hildesheimer Pädagogischen Tage boten ein effizientes Weiterbildungsangebot in Form von Workshops, Vorträgen sowie Gesprächsforen an. Unter den 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten 60 % Grundschullehrkräfte und 30% Lehrkräfte der Sekundarstufe I verzeichnet werden. In 20 Workshops wurden Themen wie „Barrierefreie Didaktik“, „Inklusive Schule/Konflikte inklusive – Eine praxisorientierte Einführung zur Konfliktlösung“, „Entwicklung sozialen Handelns in der Schule“ oder „Erfahrungen aus Inklusionsklassen“ behandelt. Veranstaltet wurden die Hildesheimer Pädagogischen Tage 2011 von der Stiftung Universität Hildesheim in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft/Kreisverband Hildesheim, der Landesschulbehörde, Standorte Hannover und Braunschweig/Regionale Lehrerfortbildung und dem Präventionsrat Hildesheim.


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=1094 - Weiterbildung in Netzwerken WiN, Kontakt
    http://www.uni-hildesheim.de


    Anhang
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Pädagogik / Bildung
    überregional
    wissenschaftliche Weiterbildung, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    „Eine exzellente Ergänzung der Gesamtstrategie des Landes“, lobte Kultusminister Dr. Bernd Althusmann im Gespräch mit Vizepräsidentin Dr. Margitta Rudolph den neuen Weiterbildungs-Masterstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“.


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