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13.12.2001 06:49

Rezession bald überwunden

Joachim Schmidt Kommunikation
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

    Die Konjunktur in Deutschland wird sich später und zögernder erholen als noch im Herbst erwartet. Erst nach der Jahresmitte werden sich die Auftriebskräfte durchsetzen. Insbesondere werden die Ausfuhren von der anziehenden Weltkonjunktur profitieren. Im Jahresverlauf 2002 erhöht sich das BIP nur um 1 Ÿ vH, im Jahresdurchschnitt ist der Zuwachs mit 0,8 vH noch niedriger. 2003 gewinnt die gesamtwirtschaftliche Produktion bei zunehmend lebhafterer Gesamtnachfrage - auch die Bautätigkeit trägt erstmals wieder zum Wachstum bei - an Dynamik; im Jahresdurchschnitt nimmt das BIP um 2,6 vH zu.

    Die Beschäftigung steigt erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres mit der Stärkung der Wachstumskräfte wieder; im Jahresdurchschnitt ist die Zahl der Erwerbstätigen noch geringfügig niedriger als im Vorjahr (-20 000). Im Jahr 2003 nimmt die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlicher zu (250 000) und die Zahl der Arbeitslosen sinkt auf 3,72 Mill. (Quote: 8,7 vH).

    Nachdem sich die Teuerung Ende 2001 im Vorjahresvergleich wieder auf unter 2 vH abgeschwächt hat (Jahresdurchschnitt: 2,5 vH), geht der Preisanstieg im kommenden Jahr infolge geringer steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise angesichts der noch verhaltenen Konjunktur weiter zurück (1,6 vH). 2003 verstärkt er sich leicht (1,8 vH).

    Die Schwäche der Weltwirtschaft wird die deutsche Konjunktur in den kommenden Monaten also noch erheblich belasten. Allerdings entlastet der Preisrückgang am Rohölmarkt, und die merklich expansivere Geldpolitik der EZB beginnt zu greifen. Zudem ist mit der weiterhin insgesamt moderaten Lohnpolitik eine günstige Kostenentwicklung zu erwarten. Dagegen wirkt der Konsolidierungskurs der Finanzpolitik restriktiv.

    In den Vereinigten Staaten ist - auch im Gefolge der Anschläge - die Gefahr einer längeren Rezession gestiegen - mit entsprechenden Folgen für die Weltwirtschaft. Die bislang offenbar nur geringe Reaktion auf die dort getroffenen massiven geldpolitischen Maßnahmen lässt auf eine unübliche Verzögerung ihrer Wirkung schließen. Damit ist auch das Risiko einer Verschärfung der Rezession in Deutschland bzw. im Euro-Raum erheblich gestiegen. Spätestens jetzt sind - wie von uns für diesen Fall bereits im Sommer vorgeschlagen - auch hier konjunkturpolitische Maßnahmen angesagt. Dies bedeutet einmal, dass der noch vorhandene geldpolitische Lockerungsspielraum zügig genutzt wird. Zum anderen ist die Finanzpolitik im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten gefordert. In Frage kommt hier an erster Stelle ein Vorziehen von Projekten im Bereich der in den letzten Jahren stark vernachlässigten Infrastruktur. Das Vorziehen der zweiten Stufe der Steuerreform als Impuls gleicher Größenordnung (15 Mrd. DM) ist zwar rascher realisierbar, in seiner nur mittelbaren Wirkung über die Nachfrage der Konsumenten jedoch weniger durchschlagend. Allerdings dürften diese Maßnahmen das BIP-Wachstum jeweils um nicht mehr als einen halben Prozentpunkt steigern und kaum vor dem Sommer wirken.

    (aus: RWI-Konjunkturbrief 2/2001)

    Ihre Ansprechpartner dazu:
    Dr. Elke Schäfer-Jäckel, Tel.: (0201) 81 49-296
    Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-292


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Politik, Recht, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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