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13.02.2002 10:53

Ausgezeichnete Arbeit über mittelalterliche Kriegsbücher

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Das Mittelalter gilt als kriegerisch und gewalttätig. Trotzdem gab es in dieser Epoche lange Zeit kein einziges Buch, das Wissen über den Krieg vermittelte. Doch ab 1400 entstand eine wahre Flut von Schriften, die sich ausschließlich mit der Taktik und Technik des Krieges beschäftigten. Der Historiker Prof. Dr. Rainer Leng von der Uni Würzburg hat mehr als 300 solcher Schriften für seine Habilitationsarbeit untersucht. Dafür erhält er den mit 5.000 Euro dotierten Werner-Hahlweg-Preis.

    Prof. Leng stellte sich in seiner Arbeit unter anderem die Frage, woher diese Kriegsbücher so plötzlich kamen und unter welchen Bedingungen sie entstanden. Ein Grund war zum Beispiel das Aufkommen einer neuen Technologie und eines neuen Berufes.

    Jahrhundertelang hatten die Fecht-, Stall- und Waffenmeister ihr Wissen über die Kriegführung mündlich weitergegeben. Doch mit der zunehmenden Verbreitung der Feuerwaffen war all das plötzlich wertlos: Herstellung, Wartung und Bedienung der neuen Waffen erforderten bislang nie gekannte handwerklich-technische Kenntnisse. Allein die chemischen Prozesse der Pulverherstellung konnten nur von Experten beherrscht werden.

    So entstand ein neuer Beruf: Schon gegen Ende des 14. Jahrhunderts fanden sich immer öfter fest besoldete Büchsenmeister im Dienst von Städten oder Territorialherren. Diese Männer waren echte Spezialisten, wurden hoch bezahlt und nicht selten abgeworben.

    Das älteste bekannte Büchsenmeisterbuch gehört zu den Schriften, mit denen sich Rainer Leng befasst hat. Es steht in der Bayerischen Staatsbibliothek und stammt aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts. Auf 22 Papierblättern hat ein unbekannter Verfasser in Prosa und Bildern sein Wissen niedergelegt. Prof. Leng: "Das Werk hat vermutlich als Gedächtnisstütze gedient. Es enthält zum Beispiel Skizzen von technologischen Konzepten für Feuerwaffen und jede Menge Pulverrezepte."

    Diese und weitere Erkenntnisse sind in Lengs Habilitationsschrift "Deutsche kriegstechnische und -taktische Bilderhandschriften und Traktate" nachzulesen. Diese Arbeit entstand im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Würzburger Forschergruppe "Das Bild des Krieges im Wandel vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit".

    Den Hahlweg-Preis für seine Arbeit wird Leng am 12. September beim 44. Deutschen Historikertag in Halle überreicht bekommen. Vergeben wird diese Auszeichnung alle zwei Jahre für die beste Arbeit zur Militärgeschichte. Das Preisgeld stammt aus einer vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung verwalteten Stiftung des international renommierten Militärhistorikers Prof. Dr. Werner Hahlweg. Die nach ihm benannte Auszeichnung ist einer der wenigen wissenschaftlichen Preise, die in den Geisteswissenschaften vergeben werden.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Rainer Leng, T (0931) 888-5520, Fax (0931) 888-4617, E-Mail:
    rainer.leng@mail.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Personalia
    Deutsch


    Rainer Leng


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