Graduiertenkolleg 'Molekulare Veterinärmedizin'

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08.05.1998 00:00

Graduiertenkolleg 'Molekulare Veterinärmedizin'

Ulrich Thimm Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

    8. Mai 1998, Nr. 40

    Molekularbiologische Ausbildung für Tierärzte

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat der Universität Gießen ein neues Graduiertenkolleg genehmigt. Über eine dreijährige Förderungsperiode werden zehn Doktoranden mit einem Stipendium gefördert. Darüber hinaus wird eine Stelle zur Koordination finanziert, so daß zunächst 1,1 Millionen DM nach Gießen fließen. Das Kolleg ist auf eine Dauer von neun Jahren angelegt.

    Wenn Tierärztinnen und Tierärzte nach dem Studium die Universität verlassen, sind sie auf die Arbeit in einer Klinik oder tierärztlichen Praxis gut vorbereitet. Doch als die tierärztliche Approbationsordnung vor zwölf Jahren verabschiedet wurde, ahnte anscheinend noch niemand, mit welcher Rasanz sich die molekularen Methoden entwickeln würden. Zunehmend verlangen potentielle Arbeitgebern in der forschenden Industrie, staatlichen Aufsichtsbehörden und forschungsfördernden Institutionen Kenntnisse über molekular- und zellbiologische Verfahren. Da in der Approbationsordnung ein starrer Fächerkanon verbindlich festgelegt ist, kann eine entsprechende Ausbildung nur begleitend zur Promotion angeboten werden. Dafür bieten sich die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs an, in denen Doktoranden neben der Beschäftigung mit ihrer Doktorarbeit praktische und theoretische Kurse besuchen. Dieses Ausbildungsangebot ist neu am Fachbereich Veterinärmedizin und wurde als Grundlage des neuen Graduiertenkolleg konzipiert.

    Molekulare Zellstrukturen bestimmen komplexe Krankheiten, wie Diabetes insipidus, Bluthochdruck, Darmerkrankungen, sowie parasitäre und bakterielle Krankheiten, die dem Graduiertenkolleg als Forschungsobjekte dienen. Die Doktoranden sollen das Krankheitsbild auf der Ebene der Zellen und Moleküle verstehen lernen. Diese Form der Ausbildung bedeutet andererseits, und darauf legt das Graduiertenkolleg großen Wert, daß entsprechende Forschungsarbeiten mit den veterinärmedizinischen Kliniken eng verzahnt werden.

    In zunehmendem Maße werden genetisch veränderte Tiere als Modelle für bestimmte Krankheiten in der Humanmedizin eingesetzt. Ausgangsbasis für die Erzeugung und Züchtung dieser Tiere ist die molekulare Genetik und die Zellbiologie. Auch in der Veterinärmedizin gelingt es zunehmend, die Ursachen von Krankheiten, genetischen Defekten und Unverträglichkeiten auf der molekularen Ebene der Zellstruktur zu erkennen. Diese Betrachtungsweise ermöglicht neue Behandlungsmethoden, bringt aber auch ethische Probleme mit sich, denn in bestimmten Fällen wird der Gesundheitszustand der Tiere bewußt pathologisch verändert. Ausgebildete Veterinärmediziner benötigen hierfür Grundkenntnisse in Zell- und Molekularbiologie. Sie müssen in der Lage sein, die mit diesem neuen Zweig der Veterinärmedizin verbundene vielschichtige Problematik einzuschätzen.

    Das neue Kolleg ergänzt das bestehende Graduiertenkolleg "Molekulare Biologie und Pharmakologie", in dem primär Naturwissenschaftler ausgebildet werden. Einige der Hochschullehrer arbeiten auch in dem Sonderforschungsbereich "Invasionsmechanismen und Replikationsstrategien von Krankheitserregern" mit, so daß Gießens starke Stellung in den Lebenswissenschaften durch die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft bestätigt wird.

    Kontaktadresse (nicht zur Veröffentlichung bestimmt): Prof. Dr. Ernst Petzinger, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Fachbereich Veterinärmedizin, Frankfurter Straße 107, 35392 Gießen, Telefon (0641) 99-38400, Fax (0641) 99-38389, e-mail ernst.petzinger@vetmed.uni-giessen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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