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19.01.2012 12:49

Was Hidden Champions aus der Evolutionsbiologie lernen können

Sabine Heine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig

    Am Mittwoch, 18.01.2012, trafen sich auf Einladung der Industrie- und Handelskammer Bonn Rhein-Sieg die Leiter sieben großer Unternehmen aus der Bonner Region im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn. Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, Dr. Uwe Schäkel, Präsident der Alexander-Koenig-Gesellschaft e.V. und Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn Rhein-Sieg, begrüßten zunächst die Podiumsteilnehmer und Gäste. Etwa 120 Gäste hörten die unter Dr. Klaus-Stephan Otto, Geschäftsführer der Evoco GmbH und Experte für Evolutionsmanagement, moderierten Aussagen.

    Hidden Champions, heimliche Gewinner, zeichnen sich durch Stelle 1, 2 oder 3 auf dem Weltmarkt aus oder gelten als Nummer 1 auf ihrem Heimatkontinent. Der Jahresumsatz liegt in der Regel unter 3 Milliarden Euro und die Unternehmen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Im Vergleich mit der Natur wirken diese Weltmarktführer in der Wahrnehmung eher wie kleine und dennoch erfolgreiche Bakterien im Verhältnis zu den „big five“ in Afrika. Elefanten oder Löwen kennt jeder, doch die winzigen, kaum wahrgenommenen Lebewesen sind nicht weniger erfolgreich.

    Helmut Graf, Vorstand VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, Timotheus Höttges, Vorstand Finanzen Deutsche Telekom AG, Harald L. Schedl, Partner Simon-Kucher & Partners Strategy & Marketing Consultants GmbH, Arndt Schäfer, Geschäftsführer Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH, Dr. Ulrich Spindler, Head of Coordination bei Eaton Industries Holding GmbH , William Verpoorten, Geschäftsführer Verpoorten GmbH & Co. KG nutzten die Gelegenheit, ihre Unternehmen und Managementstrategien vorzustellen.

    So gesehen war das Podium nicht nur mit hidden champions besetzt, denn die deutsche Telekom AG wirkt eher wie ein Dinosaurier, der die Analogie zur Natur noch nicht gefunden hat. Ein großer Bekanntheitsgrad ist ein Muss für die kapitalintensive Entwicklung von Logistiksystemen, weswegen eine versteckte Vorgehensweise ungünstig ist. Im Gegensatz dazu bleiben andere Unternehmen lieber „hidden“ (Bescheidenheit zeichnet sich als Kriterium der hidden champions aus) oder werden gerne in der Liste der heimlichen Champions geführt, weil dies zum Beispiel für die Akquirierung von qualifiziertem Personal günstig sein kann. Otto führte den Vergleich des Pfaus an, der seine prächtigen Federn zur Schau stellt, während andere Tiere eher getarnt bleiben.

    Verpoorten, inzwischen in der 5. Generation am gleichen Ort, verkauft sein Hauptprodukt noch immer in der Originalrezeptur von vor 135 Jahren. Innovation erfährt das Angebot durch die Herstellung von neuen Handelsgütern, die den Eierlikör zum Beispiel mit Schokolade oder Eis verbinden. Wie in der Evolution bleiben die bewährten, gut angepassten Eigenschaften erhalten, was an neuen Attributen hinzu kommt, unterliegt Mechanismen, die der Selektion ähneln: Was sich nicht bewährt, wird wieder vom Markt genommen.

    Die Eaton Industries Holding GmbH legt besonderen Wert auf die richtige Geschwindigkeit, das angemessene Tempo ist oft für den Erfolg entscheidend. Neue Produkte oder Entwicklungen zu früh auf den Markt zu bringen kann sich nachteilig auswirken, weil zum Beispiel die Rücklaufrate zu groß werden kann. Durch eine zu späte Produkteinführung wird die Chance vertan. Ähnlich wie in einer Regenphase der Wüstenregionen die Feuchtigkeit von Flora und Fauna rechtzeitig wahrgenommen werden muss, damit wichtige Lebensprozesse zum richtigen Zeitpunkt aktiviert werden, müssen die Kundenwünsche und -probleme erkannt und zur Erstellung überzeugender Produkte genutzt werden. Dabei gibt es Phasen, in denen die Entwicklungen behutsam voran schreiten, die von Zeiten abgelöst werden, in denen Quantensprünge erzielt werden.

    Die ascem Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH ist Hersteller gießereitechnischer und metallurgischer Erzeugnisse nutzt ebenfalls die kundenorientierten Produktentwicklung als Strategie. Nur eine präzise Anpassung an die Kundenwünsche kann zu optimalen Produkten führen, die entsprechend gut verkauft werden. Dabei ist der Blick über den Tellerrand wichtig, um zukunftsträchtige neue Verfahren zu entwickeln. Auch hier wird die Vergleichbarkeit zu evolutionsbiologischen Prozessen sichtbar: survival of the fittest bedeutet das „Überleben des am besten angepassten“ Individuums oder Unternehmens.

    Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft stellt sich dem extrem schnellen Wandel. Werbewege, Kunden und Kommunikationswege ändern sich in derart rasantem Tempo, dass die Änderungen selbst kaum nachverfolgbar werden. Als einer der größten Arbeitgeber der Region ist das Unternehmen kein global player und auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten, die es ermöglichen, im beobachteten Rückgang des Wirtschaftswachstums die Ruhe zu bewahren. In Abständen von sieben bis acht Jahren werden diejenigen Produkte ersetzt, die an Marktanteilen verlieren, wobei die Kreativität der Mitarbeiter eine große Rolle bei der Entwicklung innovativer Produkte spielt. Der Verkaufserfolg liegt allerdings nicht allein an den Mitarbeitern, neuer Aufschwung kommt unter Umständen auch durch neue Themen von außen. Die Geschwindigkeit des Wandels führt zu radikalen Zeiten wie zum Beispiel der Rückgang des Anzeigenmarkts vieler Printmedien, der nicht evolutionär geschrumpft sondern radikal substituiert wurde.

    Das Schaffen nachhaltiger Gesellschaftsmodelle ist als Antwort auf diese Prozesse eine zentrale Zukunftsaufgabe. Investitionen in eine problemlösungsorientierte Bildung sowie in die Schaffung eines geeigneten ordnungspolitischen Rahmens bei gleichzeitiger Stärkung des soziokulturellen Miteinanders unter Berücksichtigung der alternden Gesellschaft sind wesentliche Punkte.

    Fazit: Auch wenn eine Unternehmensführung nicht immer aus den Prinzipien der Biologie heraus erfolgt, sind vor allem die Analogien wichtig, die die Grundlage der Bionik bilden. Termitenhügel und Kasuare sind zum Beispiel wichtige Ideengeber für die Telekom AG und
    viele andere Vorbilder aus der Natur werden noch für technische Produkte Pate stehen.

    Den Abschluss bildete ein nettes Zusammensein in angeregter Unterhaltung, die die Diskussion abrundete.

    Im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Darwin Meets Business“, die noch bis zum 01.04.2012 im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn, zu sehen sein wird.
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    Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz Institut für Biodiversität der Tiere ist bestrebt, eine internationale Vorreiterrolle bei der Erforschung der Artenvielfalt der Erde mit modernen genetischen Methoden zu erlangen.

    Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss von 87 Forschungseinrichtungen, die wissenschaftliche Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung bearbeiten. Sie stellen Infrastruktur für Wissenschaft und Forschung bereit und erbringen forschungsbasierte Dienstleistungen - Vermittlung, Beratung, Transfer - für Öffentlichkeit, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Sie forschen auf den Gebieten der Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften


    Weitere Informationen:

    http://www.museumkoenig.de/web/Museum/Sonderausstellung/2011/DarwinMeetsBusiness... weitere Informationen zur Ausstellung "Darwin Meets Business"


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Kooperationen
    Deutsch


    Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Leiter des zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, begrüßte die Gäste.


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