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29.04.2002 07:06

Tübingen war der einzig mögliche Standort für eine Landesuniversität

Michael Seifert Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Tübingen war der einzig mögliche Standort für eine Landesuniversität

    Neue Erkenntnisse zur Wahl des Universitätsstandorts Tübingen und zum ältesten Universitätsgebäude

    Die Erkenntnisse, die Tilmann Marstaller, Bauforscher und Mittelalter-Archäologe, während seiner Recherchen für die jetzt erschienene Jubiläumsausgabe des Hochschulmagazins
    "attempto!" zur Frage gewonnen hat, warum Graf Eberhard im Barte 1477 die Landesuniversität in Tübingen gegründet hat, sind verblüffend: Es ging nirgendwo anders! Denn die Transportkosten für das Holz, das von 1476 bis 1477 für das "Großprojekt Universität" verbaut wurde, wären auf dem Landweg in schwindelerregende Höhe gestiegen - hätte es nicht den Neckar gegeben, der sich hervorragend für die Flößerei eignete.

    Nadelhölzer von über 15 Metern Länge, wie sie zum Beispiel für die Dachaufbauten benötigt wurden, waren im mittelalterlichen Schönbuch rar. Guter Rat wäre teuer gewesen, wären nicht Eberhards Mutter Mechthild von der Pfalz die Besitzungen am Oberlauf des Neckars zwischen Horb und Rottenburg bei ihrer Vermählung mit Erzherzog Albrecht VI. als Wittum und Morgengabe überschrieben worden. Sie war es auch, die am 27. August 1476 - noch drei Monate bevor Papst Sixtus IV. seinen Segen zur Gründung der Universität gab - den alten Flößereivertrag zwischen Österreich, Württemberg und der ehemaligen Reichsstadt Esslingen erneuerte und so als "Ertzherzogin von Österrich" den Zugriff auf ihre Besitzungen am oberen Neckar und die Verflößung des dort gewonnen Rohmaterials ermöglichte.

    Während der Restaurierungsarbeiten in der Münzgasse 22 und 24 bis 28, wurde auch eine Bestimmung der Fälldaten des dort verbauten Holzes anhand der charakteristischen Ausprägung der Jahresringe durchgeführt. Die Erkenntnisse, die aufgrund dieser so genannten Dendrochronologie gewonnen worden sind, erschüttern tief die etablierte These, die Alte Burse von 1478/80 sei das älteste bestehende Universitätsgebäude. Denn die aus den Dachwerk von Münzgasse 22 entnommenen und dann ausgewerteten Holzproben ergaben Fälldaten im Winter 1476/77 und zu Sommeranfang 1477. In den selben Zeitraum verweisen die Proben des rechtwinklig zu Münzgasse 22 gelegenen Fachwerkbaus Münzgasse 24 bis 28 mit Fälldaten von Winter 1475/76 bis Winter 1476/77. Damit, so argumentiert Marstaller in seinem "attempto!"-Artikel weiter, sei erwiesen, dass es sich bei diesem Gebäudekomplex auch um den älteren handle.

    Dass die in der Münzgasse verbauten Hölzer auch wirklich über den Neckar transportiert worden sind, ist durch die so genannten Wiedlöcher am Ende der Stämme bewiesen, die zur Floßholzeinbindung dienten. Insgesamt, so folgert der Doktorand am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, zeige das ganze Vorgehen den außerordentlichen Weitblick Eberhards: Erstens habe das Bauholz bei der Öffentlichen Bekanntmachung der Universität am 11. März 1477 bereits bereit gelegen. Zweitens seien die meisten Gebäude zu Beginn der Vorlesungen im Oktober 1477 bereits fertiggestellt gewesen und drittens sei es durch das "logistische Meisterwerk der Urheber" nach der Vollendung sämtlicher Universitätsbauten 1482, im Jahr der Wiedervereinigung Württembergs, aufgrund der geschaffenen Infrastruktur gar nicht mehr in Frage gekommen, die Universität nach Stuttgart zu verlegen.

    Der vollständige Artikel ist abrufbar unter:
    www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/at/attempto12/atindex12.html

    Kontakt: Tilmann Marstaller
    Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
    Schloss Hohentübingen
    72070 Tübingen
    Tel. 0175-4510365 oder 07071/29-77148
    Email: tilmann.marstaller@uni-tuebingen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Geschichte / Archäologie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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