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13.06.2012 19:00

Nature-Publikation: Forscher entschlüsseln das Bonobo-Genom

Barbara Abrell Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

    Etwa drei Prozent des menschlichen Genoms sind näher mit dem Bonobo- oder dem Schimpansen-Genom verwandt als die Genome von Schimpanse und Bonobo miteinander

    Schimpansen und Bonobos sind die beiden nächsten lebenden Verwandten des Menschen. Obwohl sie sich stark ähneln, gibt es zwischen beiden Affenarten deutliche Unterschiede. Das gilt sowohl für ihr Erbgut als auch ihr Sozial- und Sexualverhalten. Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hat jetzt das Genom des Bonobo-Weibchens Ulindi aus dem Zoo Leipzig untersucht und es mit dem von Schimpansen und Menschen verglichen. Das Ergebnis überraschte: Etwa drei Prozent des menschlichen Genoms ähnelt mehr dem Bonobo- beziehungsweise dem Schimpansen-Genom. Die Ähnlichkeiten sind in diesen Bereichen deutlich größer als zwischen den Affenarten.

    Schimpansen und Bonobos unterscheiden sich stark in ihrem Verhalten. Während Schimpansen in Äquatorialafrika weit verbreitet sind, leben Bonobos ausschließlich südlich des Flusses Kongo in der Demokratischen Republik Kongo. Unter männlichen Schimpansen gibt es häufig aggressive Rangkämpfe, sie kooperieren aber miteinander, um ihren Lebensraum zu verteidigen und andere Gruppen zu bekämpfen. Dies alles ist bei Bonobo-Männchen, die ihren Weibchen untergeordnet sind, nicht üblich. Zudem gelten Bonobos als sehr verspielt und haben ein sehr aktives Sexualleben, das nicht nur der Fortpflanzung dient.

    Um die evolutionären Beziehungen von Bonobos, Schimpansen und Menschen besser zu verstehen, haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie jetzt das Erbgut des Bonobo-Weibchens Ulindi sequenziert und dieses mit dem von Schimpanse und Mensch verglichen. Die Ergebnisse bestätigten eine frühere Annahme: Offenbar hat sich das Erbgut der Menschenaffen nach ihrer evolutionsgeschichtlichen Trennung nicht mehr miteinander vermischt. Der Fluss Kongo, der vor etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Jahren entstand, bildete vermutlich eine natürliche Barriere, die beide Affenarten trennte.

    Kontakt:

    Dr. Kay Prüfer
    Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
    Tel.: +49 341 3550-506
    E-Mail: pruefer@eva.mpg.de

    Originalveröffentlichung:

    Kay Prüfer, Kasper Munch, Ines Hellmann, Keiko Akagi, Jason R. Miller, Brian Walenz, Sergey Koren, Granger Sutton, Chinnappa Kodira, Roger Winer, James R. Knight, James C. Mullikin, Stephen J. Meader, Chris P. Ponting, Gerton Lunter, Saneyuki Higashino, Asger Hobolth, Julien Dutheil, Emre Karakoç, Can Alkan, Saba Sajjadian, Claudia Rita Catacchio, Mario Ventura, Tomas Marques-Bonet, Evan E. Eichler, Claudine André, Rebeca Atencia, Lawrence Mugisha, Jörg Junhold, Nick Patterson, Michael Siebauer, Jeffrey M. Good, Anne Fischer, Susan E. Ptak, Michael Lachmann, David E. Symer, Thomas Mailund, Mikkel H. Schierup, Aida M. Andrés, Janet Kelso, Svante Pääbo
    The bonobo genome compared with the chimpanzee and human genomes
    Nature, Online-Vorab-Publikation am 13. Juni 2012, 19 Uhr; DOI: 10.1038/nature11128


    Weitere Informationen:

    http://www.eva.mpg.de/bonobo-genome/ - Das Bonobo-Genom


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Kulturwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Das Bonobo-Weibchen Ulindi im Zoo Leipzig


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