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17.06.2002 14:44

Partydrogen in der Diskussion: Unterrichtsmaterialien zur Prävention vorgestellt

Dr. Marion Schafft Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Entwicklungen, Wirkungen und Gefahren des Konsums illegaler Partydrogen (Ecstasy, Cannabis, Speed, LSD und Kokain) zeigt ein neues umfangreiches Informationspaket für den Unterricht an Schulen auf, das auf Basis der Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelt worden ist.

    Die Forschungsgruppe von Professor Dr. Rainer Thomasius, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Drogenambulanz im UKE, die vor zwei Jahren die viel zitierte Ecstasy-Studie vorgestellt hatte, bürgt für die fachliche Qualität des Informationspaketes. Es wurde im Rahmen der Präventionskampagne "Stop party drugs" der Allianz Versicherungs-AG Zweigniederlassung für Norddeutschland erstellt. Die Arbeit für diesen Präventionsbeitrag seitens der UKE-Wissenschaftler erfolgte unentgeltlich.

    Das "Projekt "Stop Party drugs" wird von der Allianz im Rahmen bereits bestehender Schulpatenschaften durchgeführt. Die Erfahrungen aus dieser Schulinitiative zeigen, dass Partydrogen bei Jugendlichen und Lehrern zum Topthema geworden sind.

    Das jetzt anlaufende Präventionsprojekt hat zum Ziel, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Partydrogen in einer für Jugendliche wie auch Erwachsene ansprechenden Art und Weise aufzubereiten. Es ist zunächst in einer vor vier Wochen gestarteten Testphase auf den norddeutschen Raum begrenzt und stellt den teilnehmenden Schulen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Das neu erarbeitete Informationspaket richtet sich an Schüler, Lehrer und Eltern. Wertfrei, ohne erhobenen Zeigefinger, wird das relevante Sachwissen dargestellt. Dadurch sollen die Jugendlichen angeregt werden, ihre Einstellung gegenüber dem Drogenkonsum kritisch zu hinterfragen und eine größere Distanz zu den gesundheitsschädlichen Substanzen zu entwickeln.

    Zum Informationspaket gehört eine interaktive Internet-Seite (www.partydrugs.net) mit einem Expertensystem, durch das der Nutzer sich in einer Dialogsituation seinen Bedürfnissen entsprechend informieren kann. Lehrkräfte werden mit einer speziellen Checkliste in die Lage versetzt, bei einzelnen Schülern den Grad der Gefährdung durch Drogenkonsum zu erkennen und im Bedarfsfall Hilfe zu vermitteln. Hinzu kommen Broschüren, Faltblätter, Poster, Overheadfolien und weiteres Informationsmaterial. Interessierte Schulen können unter www.partydrugs.net/info.html eine CD mit den Lehrmaterialien abrufen.

    In Deutschland hat der Konsum von Partydrogen ein bisher unbekanntes Ausmaß erreicht. Das geht aus der "Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen" des Instituts für Therapieforschung in München hervor. Die höchsten Steigerungsraten bei den Partydrogen beziehen sich auf die Droge Cannabis: In den vergangenen vier Jahren stieg die persönliche Erfahrung mit Cannabis in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen von 24 auf 38 Prozent (Westdeutschland) beziehungsweise von 13 auf 29 Prozent (Ostdeutschland) an. Ecstasy haben in dieser Altersgruppe in Westdeutschland 5,5 Prozent (in Ostdeutschland 6,5 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen) mindestens einmal in ihrem Leben konsumiert. In bestimmten Jugendgruppierungen geben sogar zwischen 30 und 95 Prozent an, vor kurzer Zeit Partydrogen genommen zu haben. Anlass zur Sorge gibt auch der Umstand, dass bereits 16 Prozent der Zwölf- bis 18-Jährigen Cannabis konsumieren und schon bei den jungen Drogenkonsumenten die Häufigkeit und die Intensität des Konsums in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Zur selben Zeit ist die Zahl hilfesuchender Partydrogenkonsumenten in den ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen im Jahr 2001 stark angestiegen, wie aus dem Bericht zur Drogensituation in Deutschland der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervorgeht.

    Dieser Trend vollzieht sich auch in der Drogenambulanz für Jugendliche und junge Erwachsene am UKE. Etwa 70 Prozent der behandlungssuchenden Patienten sind Konsumenten von Partydrogen. Anlass für die Vorstellung sind klinisch manifeste, durch Partydrogen ausgelöste Angst-, Antriebs- und Leistungsstörungen sowie drogeninduzierte Psychosen. Bei schweren Ecstasykonsumenten werden zusätzlich Störungen der Hirnfunktion diagnostiziert.

    Die Forschungsgruppe um Thomasius hatte in einer interdisziplinären Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit im UKE durchgeführt wurde, nachweisen können, dass die synthetische Droge Ecstasy bei dauerhafter Einnahme zu Schäden der Gedächtnisfunktion und zu psychischen Störungen führt. Noch bis 2003 erforschen die Wissenschaftler im UKE im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte die Frage, ob sich diese Schäden bei Abstinenz zurückbilden oder ob es sich um bleibende Schäden handelt.

    Thomasius warnt davor, den Konsum von Partydrogen zu bagatellisieren. "Die schweren seelischen und körperlichen Folgen des Substanzmissbrauchs sind bereits bei Jugendlichen unübersehbar und gehören heute zu den häufigsten Krankheitsbildern in dieser Altersgruppe überhaupt." Deshalb müssten sämtliche Maßnahmen der Prävention und Frühintervention mit Nachdruck intensiviert werden, um eine weitere Ausdehnung des Problems zu verhindern.

    Informationen bei: Prof. Dr. Rainer Thomasius, Tel.: 040/42803-4217


    Weitere Informationen:

    http://www.partydrugs.net/info.html


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Medizin, Pädagogik / Bildung
    regional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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