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01.11.2012 09:27

„Rassismus als Integrationshindernis interessiert nicht!“

Sibylle Baluschek M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Evangelische Hochschule Berlin (EHB)

    EHB-Absolvent Sebastian Friedrichs erhält Gräfin-von der Schulenburg-Preis für seinen Vortrag zur Diskursanalyse „Auf der Suche nach Neukölln“.

    Bei der hochschulweiten Veranstaltung ehb.forscht erhielt Sebastian Friedrich, Absolvent im Studiengang Soziale Arbeit, am 30. Oktober den mit 1.000 Euro dotierten Hochschulpreis für seine hervorragende Abschlussarbeit „Auf der Suche nach Neukölln. Die Konstruktion eines ‚Problembezirks‘“. Mit seinem professionellen und medienkritischen Kurzvortrag konnte er Jury und Publikum klar überzeugen und eröffnete eine differenzierte Sicht auf die kontroverse „Sarrazindebatte“. Im Licht der aktuellen Publikation „Neukölln ist überall“ erhielt sein Vortrag zudem eine besondere Brisanz. Auch die vier Beiträge aus den anderen Studiengängen, die sich ebenfalls durch hohes wissenschaftliches Niveau und gesellschaftsbezogene Themenwahl auszeichneten, gingen nicht leer aus. Sie erhielten jeweils ein Preisgeld von 200 Euro.

    In seiner Arbeit machte sich der diplomierte Sozialarbeiter/-pädagoge und Buchautor sozialkritischer Themen auf die Suche nach dem in den Medien dominanten Bild von Neukölln. Dabei stellte sich der EHB-Absolvent die Frage, welche Stereotypen und Ideologien hinter der Deutung Neukölln gleich Problembezirk stecken. Dazu analysierte er 334 Artikel zur Berichterstattung über Neukölln im Nachrichtenmagazin Der SPIEGEL aus dem Zeitraum von 1992 bis 2010. Sebastian Friedrichs Diskursanalyse hinterfragt, was das „Symbol“ Neukölln in der Berichterstattung über die mediale und politische Verhandlung von Kriminalität, Migration und sozialer Ungleichheit aussagt. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die oben genannten Themen „immer wieder in einen ethnisierenden und kulturalisierenden Sinnzusammenhang“ gesetzt, gleichzeitig aber Rassismus und Klassenverhältnisse ausgeblendet werden. So werde z.B. die Armut nicht als solche kritisiert, sondern die Ballung zu vieler Armer. Vorhandene soziale Ungleichheit werde unwidersprochen hingenommen und beinahe als Naturgesetz verstanden.
    In ihrer Laudatio für den Preisträger fasste die betreuende Professorin Dr. Juliane Karakayali zusammen: „Die Arbeit zeigt auf, wie sich die über Neukölln berichteten Themen über Jahre hinweg verändern. Und zwar verändern sie sich in Abhängigkeit zu bundesdeutschen Debatten. Gefunden hat Sebastian Friedrich auf seiner Suche also ein Neukölln, das ganz offensichtlich zur Chiffre wird für Alles, was gesellschaftlich irgendwie nicht funktioniert.“

    Sebastian Friedrich ist Diplom Sozialpädagoge, Redakteur der Online‐Zeitschrift kritisch‐lesen.de, Publizist, freier Wissenschaftler und Aktivist. Im Studium befasste er sich bereits intensiv mit aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen zu Diskurstheorie, Rassismus, Klassenverhältnissen, sozialer Ungleichheit und sozialen Bewegungen. Er ist Herausgeber des Buchs "Rassismus in der Leistungsgesellschaft. Analysen und kritische Perspektiven zu den rassistischen Normalisierungsprozessen der 'Sarrazindebatte'" (Münster, Edition Assemblage 2011). Zurzeit bereitet er sich auf seine Promotion zu den "Repräsentationen von Sozialleistungsabhängigen" vor.


    Weitere Informationen:

    http://eh-berlin.de/presse/pressemeldungen/pressemeldungen-2012.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Philosophie / Ethik, Politik, Religion
    regional
    Studium und Lehre, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Preisträger Sebastian Friedrich, Absolvent im Studiengang Soziale Arbeit, Evangelische Hochschule Berlin


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