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30.11.2012 15:33

Benotungen von Doktorarbeiten sehr divers. iFQ stellt neues Informationssystem Promotionsnoten vor

Dr. André Lottmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung

    Die Informationslage über Doktorandinnen und Doktoranden an deutschen Universitäten ist nach wie vor dürftig. Das haben nicht zuletzt die wiederkehrenden Debatten um die Qualitätssicherung der Promotion und bei der Vergabe von Doktortiteln gezeigt. Mit dem Informationssystem Promotionsnoten in Deutschland hat das iFQ nun ein Instrument entwickelt, dass mehr Transparenz in die herrschende Benotungspraxis von Promotionen bringt.

    „Von einem einheitlichen Maßstab für die Promotion kann keine Rede sein“, fasst Professor Hornbostel, Leiter des iFQ, die Ergebnisse zusammen. „So divers, wie die Promotionsnoten sind, können sie nicht von den Leistungen alleine abhängen. Sehr entscheidend ist auch, in welchem Fach oder an welcher Universität man promoviert.“

    Das Informationssystem Promotionsnoten in Deutschland offenbart beispielsweise, dass im Bereich der Wirtschaftswissenschaften eine Promotion mit Auszeichnung fast fünf Mal häufiger vergeben wird, als dies in der Humanmedizin der Fall ist (relativ zur Notenvergabe im eigenen Fach insgesamt für den Zeitraum von 2008 bis 2010). In den Wirtschaftswissenschaften gibt es gleich neun Universitäten, die sogar jede zweite Promotion mit dem Prädikat „summa cum laude“ versehen, während die Auszeichnung in der Humanmedizin nur sehr selten vergeben wird.

    Aber auch zwischen einzelnen Universitäten kann sich die Notenpraxis sehr erheblich unterscheiden. An der Universität Kiel erhalten 65 Prozent der Promovierenden in der Biologie am Ende eine Auszeichnung, wohingegen es an der Ludwig-Maximilians-Universität München lediglich 2 Prozent sind. Auch beim Einsatz von schlechteren Noten unterscheiden sich die Universitäten klar. An der Universität Mannheim wird bei rechtswissenschaftlichen Promotionen in fast einem Viertel der Fälle die Note „befriedigend“ vergeben, während dies an der Universität Heidelberg mit 2 Prozent nur sehr selten der Fall ist. Das iFQ sieht hierin einen deutlichen Nachweis für sehr unterschiedliche, lokal geprägte Vergabekulturen.

    Ebenso zeigt das Informationssystem Promotionsnoten in Deutschland eine deutliche Tendenz zu besseren Bewertungen von Promotionen über die Zeit. In acht Jahren ist der Anteil der „summa cum laude“-Promotionen von 12 auf 16 Prozent gestiegen, besonders deutlich beispielsweise im Bereich der Psychologie von 17 auf 25 Prozent. „So wie der Wissenschaftsrat erst kürzlich eine Tendenz zur Vergabe von besseren Noten bei Studienabschlüssen angemahnt hat, lässt sich dies auch auf die Promotionen übertragen. Hier kann man sogar von einer noch wesentlich weiter fortgeschrittenen Inflation der Bestnoten sprechen“, schlussfolgert Hornbostel. „Wir benötigen nicht nur, aber auch mit Blick auf die Benotungspraxis einen verbindlicheren Qualitätsmaßstab für die deutsche Promotion über alle Universitäten und Fächer hinweg.“

    Das Informationssystem Promotionsnoten in Deutschland basiert auf Daten das Statistischen Bundesamtes (DESTATIS). Es ist seit dem 30. November 2012 frei verfügbar im Internet unter: http://www.forschungsinfo.de/promotionsnoten

    Nutzerinnen und Nutzer können hier interessante Vergleiche der Benotungspraxis für Promotionen an deutschen Universitäten vornehmen – und zwar
    ** nach Noten von summa cum laude bis zum Nichtbestehen,
    ** nach Fächergruppen und einzelnen Disziplinen,
    ** nach Universitäten und
    ** über bestimmte Zeiträume.

    Ansprechpartner für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
    Dr. André Lottmann
    Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ)
    Schützenstraße 6a
    10117 Berlin
    Telefon: +49 (0)30 / 2064 177-43
    Telefax: +49 (0)30 / 2064 177-99
    E-Mail: presse@forschungsinfo.de
    Internet: http://www.forschungsinfo.de

    Allgemeines zum iFQ:
    Das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) ist eine Einrichtung der Wissenschaftsforschung mit Sitz in Berlin. Das iFQ informiert über das deutsche und europäische Forschungs- und Wissenschaftssystem, analysiert Stärken und Schwächen der Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik und berät verschiedene Akteure aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Verwaltung und Politik. Die Verzahnung von Forschungs- und Serviceaufgaben gehört zu den besonderen Merkmalen des iFQ. Schwerpunkte der aktuellen Arbeit bilden die vier Themenbereiche „Evaluation und Begutachtungswesen“, „Indikatorik und Methoden“, „Analysen des Wissenschaftssystems“ und „Nachwuchs und Karrieren“.


    Weitere Informationen:

    http://www.forschungsinfo.de/promotionsnoten


    Anhang
    attachment icon Ausgewähltes Bildmaterial zur Pressemitteilung

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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