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24.01.2013 10:23

Rassismus als Mediengeschäft: Warum rassistische Aussagen stets eine gute Story sind.

Roland Hahn Pressestelle
Fachhochschule Erfurt

    In der gemeinsamen Ringvorlesung von Fachhochschule und Universität Erfurt zu „Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit – Spurensuche in Geschichte und Gegenwart“ spricht am 29.01. um 18 Uhr im Audimax der Universität Erfurt Dr. Liriam Sponholz (Uni Erfurt) zum Thema "Rassismus als Mediengeschäft: Warum rassistische Aussagen stets eine gute Story sind.".

    2007: Kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Buches verursachte der Genetiker und Nobelpreisträger James Watson eine massenmediale Polemik, als er in einem Zeitungsinterview behauptete, dass schwarze Menschen weniger intelligent sind. 2010: Nach Äußerungen über die geringere Intelligenz von Türken und Arabern in der Zeitschrift Lettre International, wird der SPD-Politiker Thilo Sarrazin Millionär mit dem Verkauf seines neuen Buches, das kurze Zeit nach den medienwirksamen Äußerungen erscheint.
    Rassistische Äußerungen sind offenbar eine erfolgreiche Strategie, um in die Medienöffentlichkeit zu kommen. Warum aber funktioniert die „Formel“? Das Argument des „Tabubruches“ liefert dafür keine zufriedenstellende Antwort, da rassistische Ideen weithin existieren und geäußert werden, so dass sie mitnichten ein Tabu darstellen. Wie aber gelingt es dann Personen wie James Watson und Thilo Sarrazin das publizistische Potential rassistischer Äußerungen zu entfalten, mittels dessen sie in die Medienöffentlichkeit kommen, um damit ihren Buchverkauf zu stimulieren?
    Das publizistische Potential der rassistischen Äußerungen erwächst aus der massenmedialen Betrachtung dieser Aussagen als legitim. Erst wenn rassistische Aussagen als diskutabel angesehen werden, entfalten sie ihr Potential für eine medienwirksame Polemik. Neben dem Inhalt ist es dabei der Polemiker selbst, seine Mitläufer aber auch seine Kritiker, die dazu beitragen, das publizistische Potential zur Entfaltung zu bringen, indem sie in die massenmediale Konfliktaustragung einsteigen. Antirassistische Akteure geraten hier in ein Dilemma, das sie so dazu beitragen, dass die Strategie der Polemisten aufgeht und Rassismus als legitime Meinung bestätigt wird.

    Vita:
    Dr. Liriam Sponholz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Rassismus zwischen Konsens, Meinung und Tabu. Die publizistischen Kontroversen um Thilo Sarrazin, Oriana Fallaci und James Watson“ an der Universität Erfurt. Zuvor promovierte sie in Kommunikationswissenschaft an der Universität Leipzig zum Thema „Journalistische Objektivität“. Sie studierte Journalistik (Bachelor) und Geschichte (Master) an der Bundesuniversität von Paraná (UFPR) und arbeitete mehrere Jahre als Journalistin in Brasilien, bevor sie vor 10 Jahren als DAAD-Stipendiatin nach Deutschland kam.

    Die gemeinsame Ringvorlesung wird auch im Sommersemester 2013 weiter gehen, sie wird sich ab April dem Thema Migration widmen. Über das genaue Programm und die Termine wird voraussichtlich im März informiert.

    Kooperationspartner der Ringvorlesung: Stadt Erfurt, Universitätsgesellschaft Erfurt e.V., Verein der Freunde und Förderer der Fachhochschule Erfurt, Volkshochschule Erfurt, Friedrich-Ebert-Stiftung sowie DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.
    Die Ringvorlesung findet dienstags, 18 Uhr, statt, der Eintritt ist frei. Programm auf http://www.fh-erfurt.de/ringvorlesung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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