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12.09.2002 15:58

Enquete des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)

Ingrid Godenrath Stabsstelle Zentrale Kommunikation
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

    Ungleichgewicht zwischen Nachwuchs und verfügbaren Stellen

    Hochschulreform gefährdet die Überbrückung der
    Wartezeit auf eine Professur

    Eine Enquete des Deutschen Historikerverbands zur Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Geschichtswissenschaft, die auf dem diesjährigen Historikertag (vom 10. bis 13. September 2002 in Halle/Saale) vorgestellt wurde, erbrachte als wichtigstes Ergebnis, daß sich derzeit etwa 280 Privatdozenten auf jährlich ca. 30 freiwerdende Professuren bewerben; jährlich kommen etwa 60 Habilitierte dazu. Am dramatischsten ist die Lage in der Neueren und Neuesten Geschichte, wo das Verhältnis zwischen Bewerbern und jährlich freiwerdenden Stellen bei 13:1 liegt. Der Historikerverband fordert als Konsequenz aus diesen Befunden Übergangslösungen, um das Potential an hochqualifizierten Wissenschaftlern nicht zu verlieren. Insbesondere drängt er auf die Einrichtung von Förderprofessuren, die nach dem Vorbild des Fiebigerprogramms der achtziger Jahre exzellente Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Universität halten sollen.

    Einige andere Ergebnisse bestätigen in den Augen des Historikerverband die Kritik an der Hochschulreform von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Das neue HRG gefährdet die Überbrückung der Wartezeit auf eine Professur. Die mittlere Dauer bis zur Erstberufung liegt bei ca. vier Jahren, auch in Jahren, in denen relativ viele Stellen frei sind.
    Zwischen der Habilitation (und in Zukunft auch dem Ende der Juniorprofessur) und der Erstberufung wird deshalb auch weiterhin eine Phase der Allokation nötig sein. Dafür standen bisher befristete C2-Stellen (Oberassistenzen und Hochschuldozenturen) und Projektstellen zur Verfügung. Drei Viertel der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen überbrücken auf diese Weise die Wartezeit. Ohne diese Möglichkeiten wären die meisten heutigen Professoren und Professorinnen nicht auf ihre Stellen gekommen. Das neue HRG schafft die C2-Stellen ersatzlos ab. Der Historikerverband fordert deshalb dringend eine Kompensation dafür, etwa, wie manche Länder dies vorexerzieren, durch die Einrichtung von Stellen für beamtete Wissenschaftliche Mitarbeiter oder Akademische Räte auf Zeit.
    Gleichzeitig verwehrt die 12-Jahres-Begrenzung für befristete Stellen den meisten dieser Privatdozenten die Überbrückung der Wartezeit in Forschungsprojekten, wo sie aber ihrer Erfahrung wegen dringend benötigt werden. Der Deutsche Historikerverband fordert deshalb die ersatzlose Streichung der 12-Jahres-Regel, weil dadurch gerade der Verbleib von erfahrenen Forscherinnen und Forschern in der Wissenschaft unmöglich gemacht und Humankapital verschleudert wird.

    Eine Kurzfassung der Enquete ist auf der Homepage des Historikertags zugänglich:
    http://www.historikertag.de


    Weitere Informationen:

    http://www.historikertag.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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