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15.04.2013 10:55

Rassismus den Garaus machen

Stefanie Bühlchen Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Biologiedidaktiker der Universität Jena und Partner haben mit Schülern ein Video über Rassismus gestaltet, das nun auch im Internet zu sehen ist

    Was ist Rassismus und wie funktioniert er? Diesen Fragen haben sich Schüler der Jenaer Montessori-Schule gestellt. Die Antworten sind in einem Video zusammengefasst, das gemeinsam mit der Künstlerin Julia Tripke und der AG Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der Stadt Jena erstellt worden ist. Das Resultat ist nun sichtbar auf YouTube unter: http://www.youtube.com/watch?v=KFAf3FRn96Y.

    Die Tonaufnahmen sind während einer Projektwoche in der Montessori-Gesamtschule entstanden. Eine Gruppe von Schülern und ihr Biologielehrer Konstantin Seifert haben sich mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Im Vorfeld haben sich die Mitarbeiter der AG Biologiedidaktik und der Pädagoge über Bearbeitungsmöglichkeiten des Themas verständigt. Denn das Themenfeld Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus ist ein Forschungsschwerpunkt des AG-Leiters Prof. Dr. Uwe Hoßfeld. Dass diese Themen auch im Biologieunterricht von Bedeutung sind, zeige etwa die Verwendung des Begriffs „Rasse“ in Bezug auf die menschliche Spezies in Biologielehrbüchern. Und selbst in unserem Grundgesetz wird das Wort Rasse verwendet. So steht in Artikel 3 der Verfassung: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse (...) benachteiligt oder bevorzugt werden.“

    Prof. Hoßfeld setzt sich dafür ein, dass dieser Begriff aus dem Grundgesetz gestrichen wird. Damit steht der Biologiedidaktiker nicht allein da: Das EU-Parlament hat sich bereits gegen das Wort Rasse in Verfassungstexten ausgesprochen. Die Länder Finnland, Schweden und Österreich entfernten es bereits aus ihrem nationalen Recht. „Mit dem Begriff Rasse ist kein vernünftiger Diskurs möglich“, argumentiert Hoßfeld. Schließlich rechtfertige der Begriff Rasse eine Hierarchisierung und Kategorisierung von Menschen und letztlich eine Ausgrenzung und Herabsetzung fremder Kulturen. „Wissenschaftlich ist der Begriff der menschlichen Rasse im 21. Jahrhundert nicht mehr haltbar“, sagt er. Die Unterscheidung verschiedener Menschenrassen stammt aus der anthropologischen Forschung des 18./19. Jahrhunderts. Rassismus sollte hier wissenschaftlich begründet werden, um beispielsweise Hierarchisierungen wie Sklaverei rechtfertigen zu können.

    Obwohl der Begriff der menschlichen Rasse im alltäglichen Sprachgebrauch heutzutage als verpönt gilt, sind rassistische Tendenzen dennoch zu verspüren, weiß Uwe Hoßfeld. Die Angst vor den Herausforderungen der Globalisierung sei ein Motor von Rassismus. „In diesem Sinne beginnt Rassismus dort, wo Menschen der Ansicht sind, dass die Bekämpfung bestimmter Gruppen anderer Menschen die Welt besser macht“, sagt der Jenaer Biologiedidaktiker.

    Auch die Schüler der Montessori-Schule stellten fest, dass Rassismus oft aus dem Gefühl heraus entsteht, sich vor Fremdem schützen zu wollen. Um das zu verhindern, ist Aufklärung unabdingbar. Diese aber funktioniere nicht wirklich, wenn beispielsweise in der Verfassung, Biologielehrbüchern etc. noch immer die Rede von menschlichen Rassen ist. „Es ist mehr denn je notwendig, den wissenschaftlichen Nährboden rassistischer Tendenzen durch Aufklärung zu entziehen und die daraus resultierende Diskriminierung eindeutig abzulehnen“, sagt Prof. Hoßfeld. Anstelle des Wortes Rasse schlägt der Jenaer Wissenschaftler die Verwendung von menschlichen Populationen oder auch Ethnien vor.

    Das Video mit dem Titel „Was ist Rassismus? Ein Klärungsversuch“ ist auf der Plattform youtube sowie den Internetseiten der AG Biologiedidaktik und des Bio-Verbands VBio zu finden. „Uns war besonders wichtig, Schüler zu Wort kommen zu lassen und nicht Lehrer oder Wissenschaftler“, sagt Hoßfeld. Die Künstlerin Julia Tripke hat passend zu den Tonaufnahmen ein Drehbuch entwickelt und das Video gedreht.

    Kontakt:
    apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
    Arbeitsgruppe „Biologiedidaktik“ der Universität Jena
    Am Steiger 3 (Bienenhaus)
    07743 Jena
    Tel.: 03641 / 949491
    E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    - das Video auf YouTube


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler
    Biologie, Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


    „Im Kopf“: Bild aus dem neuen Jenaer Schüler-Video über Rassismus, das die Künstlerin Julia Tripke gestaltet hat.


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