Versöhnung im Heiligen Land

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29.04.2013 10:09

Versöhnung im Heiligen Land

Dr. Ute Schönfelder Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Wissenschaftler der Universität Jena starten mit einem internationalen Team ein Projekt zur Versöhnung von Israelis und Palästinensern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Vorhaben „Hearts of Flesh – Not Stone: Does Meeting the ‚Suffering of the Other‘ Influence Reconciliation in the Middle of Conflict?“ in den kommenden zwei Jahren mit über einer Million Euro.

    „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz aus Fleisch.“ Mit diesen Worten kündete das Buch Hesekiel von der Barmherzigkeit Gottes und wies dem Volke Israel einen Weg zur Versöhnung.

    Um Versöhnung geht es auch heute noch im Heiligen Land: Seit Jahrzehnten schwelt hier der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollen nun in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekt untersuchen, wie es in diesem Konflikt nachhaltig zur Versöhnung kommen kann. Die DFG unterstützt das trilaterale Projekt von Theologen, Psychologen, Politikwissenschaftlern und Ethikern aus Deutschland, Israel und Palästina in den kommenden zwei Jahren mit zunächst gut einer Million Euro. Eine anschließende Verlängerung des Vorhabens um weitere drei Jahre ist vorgesehen.

    Der Projekttitel „Hearts of Flesh – Not Stone: Does Meeting the ‚Suffering of the Other‘ Influence Reconciliation in the Middle of Conflict?“ greife bewusst das Bild des Propheten Hesekiel aus dem Alten Testament auf, sagt Prof. Dr. Martin Leiner von der Uni Jena. Das Herz aus Fleisch symbolisiere Empathie und das sei eine entscheidende Voraussetzung für Versöhnung, ist der Professor für Systematische Theologie und Ethik überzeugt. „Unsere Idee ist es daher, Empathie zwischen den Konfliktparteien zu wecken“, erläutert der Leiter des Gesamtprojekts.

    Damit schlägt das interdisziplinäre Forscherteam eine bisher verhältnismäßig wenig erforschte Richtung ein, wie Dr. Martin O’Malley vom Ethikzentrum der Universität Jena betont. „Wir wissen bisher einfach noch zu wenig über die konkreten Prozesse, die Einzelpersonen oder soziale Gruppen dazu bewegen, sich für Aussöhnung zu öffnen“, so der Koordinator des Jenaer Teilprojekts.

    „Bisher sehen sich beide Konfliktparteien ausnahmslos in der Opferrolle und konkurrieren vielfach darum, wer diese Rolle vor allem einnehmen darf“, sagt Prof. Leiner. Dies sei wenig produktiv, zumal diese Sicht von den politischen Eliten wie auch den Medien beider Seiten immer wieder bedient werde, was eine Begegnung mit den anderen und ihrem Leiden praktisch verhindert, so der Experte für Medienethik weiter. Hier will das internationale Wissenschaftlerteam ansetzen und den Konfliktparteien das Leiden der jeweils anderen Seite vor Augen führen: Zunächst werden junge Palästinenser nach Auschwitz fahren und junge Israelis palästinensische Flüchtlingscamps in der Westbank oder Jordanien besuchen. Anschließend sollen gemischte Gruppen die Orte erneut aufsuchen und sich über ihre Erfahrungen austauschen. Die Reisen werden vorbereitet und begleitet von sozialpsychologischen Untersuchungen und sollen in ein theoretisch fundiertes Konzept dieser Form des Perspektivenwechsels münden.

    Die Idee zu diesem Projekt ist bereits 2010 entstanden als Prof. Dr. Arie Nadler als erster „Scientist in Residence“ der Graduierten-Akademie für mehrere Monate an der Uni Jena forschte und lehrte. Der renommierte Sozialpsychologe von der Universität Tel Aviv ist auf die psychologischen Grundlagen der Versöhnung zwischen Individuen und sozialen Gruppen spezialisiert und bringt seine Expertise ebenso in das Projekt ein wie seine Jenaer Fachkollegen um Prof. Dr. Thomas Kessler, den Religionswissenschaftler Prof. Dr. Bertram Schmitz sowie den Leiter des Ethikzentrums Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler. Außerdem sind Forscher der Al Quds Universität in Jerusalem und der Ben Gurion Universität in Beer Sheva beteiligt.

    Am 18. Juli wird an der Universität Jena auch eine von Prof. Leiner geleitete Forschungsstelle für Versöhnung mit einem Vortrag und einem Empfang in den Rosensälen eröffnet.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Martin Leiner
    Theologische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Fürstengraben 6, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 941145
    E-Mail: Martin.Leiner[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Psychologie, Religion
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


    Prof. Dr. Martin Leiner (r.) und Dr. Martin O’Malley von der Uni Jena wollen in ihrem neuen Projekt gemeinsam mit deutschen, israelischen und palästinensischen Wissenschaftlern untersuchen, wie es im Nahostkonflikt zur Versöhnung kommen kann.


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