idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
03.06.2013 09:42

Der lange Weg zum Schildkröten-Panzer

Nathalie Huber Kommunikation
Universität Zürich

    Schildkröten besitzen einen im Tierreich einmaligen Panzer. Dieser begann sich vor mehr als 260 Millionen Jahren zu entwickeln, wie amerikanische Forscher zusammen mit einem Paläontologen der Universität Zürich anhand eines Fossils nachweisen. Das Urzeit-Reptil aus Südafrika trug bereits die Anlagen eines Panzers in sich: einen nicht durchgehenden Rückenschild und einen rudimentär ausgebildeten Bauchpanzer. Das Fossil schliesst eine grosse Lücke in der Entwicklungsgeschichte der Schildkröten.

    Der Bauch- und Rückenpanzer charakterisiert die Schildkröte. Wie sich dieser Panzer entwickelte und Schildkröten in der Evolution einzuordnen sind, darüber rätseln Wissenschaftler schon länger. Alle bisher bekannten fossilen Formen besassen bereits vollständig ausgebildete Bauch- und Rückenpanzer und beantworteten somit die Frage nach der Evolution des Panzers nicht. Einzig die 2008 in China entdeckte 220 Millionen Jahre alte «Odontochelys semitestacea» zeigt mit einem voll entwickelten Bauchpanzer und einem teilweise entfalteten Rückenschild ein früheres Entwicklungsstadium.

    Ein internationales Team aus Forschern mehrerer nordamerikanischer Universitäten und der Universität Zürich präsentiert nun ein erweitertes Evolutionsmodell. Gemäss UZH-Paläontologe Torsten Scheyer handelt es sich bei diesem Vorläufer um ein eigenartiges kleines Reptil, das vor 260 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Südafrikas lebte. «Eunotosaurus africanus», so der wissenschaftliche Name des Tieres, besass noch keine durchgehende Panzerung, aber bereits die für Schildkröten charakteristischen Umformungen der Rippen.

    Übergangsfossil zu den Schildkröten
    Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 37 teilweise unveröffentlichte fossile Eunotosaurus-africanus-Funde. Das Urzeit-Reptil mass ohne Schwanz rund zehn Zentimeter. Es besass, wie die nächst jüngeren Formen mit weiter entwickelter Panzerung, neun verlängerte Rumpfwirbel, T-förmig verbreiterte Rippen und paarige Bauchrippen, sogenannte Gastralia. Aufgrund der verbreiterten Rückenrippen schliessen die Forscher, dass «Eunotosaurus africanus» bereits eine Art Rückenschild besass. Im Gegensatz zur 40 Millionen Jahre jüngeren chinesischen «Odontochelys semitestacea», die einen voll entwickelten Bauchpanzer besass, wies «Eunotosaurus africanus» aber nur erste Ansätze für eine Bauchpanzerung auf. Mit seinen morphologischen Merkmalen steht «Eunotosaurus africanus» zwischen den vollständig gepanzerten Schildkröten und primitiven Reptilien. «Eunotosaurus ist ein Übergangsfossil und schliesst eine Lücke von 35 bis 50 Millionen Jahren in der Entwicklungsgeschichte der Schildkröten», erläutert Torsten Scheyer die neuen Erkenntnisse.

    Sonderfall Schildkrötenpanzer
    Die Evolution des Schildkrötenpanzers ist innerhalb der Tierwelt einmalig. Fast alle fossilen und heute lebenden Panzertiere bilden ihre Panzer durch das Einlagern von Hautknochenplatten in die Haut. Bei den Schildkröten sind dagegen umgeformte Rumpfwirbel und Rippen mit in den unbeweglichen Schutzpanzer aufgenommen. Durch das Zusammenwachsen der Rippen verschwindet bei ihnen die Zwischenrippenmuskulatur, die bei den anderen Wirbeltieren den Atemvorgang bzw. das Heben und Senken des Brustkorbs unterstützt. Um diesem Defizit entgegenzuwirken, legt sich um die Lunge der Schildkröten eine Art Muskelschlinge, die die Atmung steuert.

    Literatur:
    Tyler R. Lyson, Gabe S. Bever, Torsten M. Scheyer, Allison Y. Hsiang, Jacques A. Gauthier. Evolutionary origin of the turtle shell. Current Biology. May 30, 2013. doi: 10.1016/j.cub.2013.05.003

    Kontakt:
    Dr. Torsten M. Scheyer
    Paläontologisches Institut und Museum
    Universität Zürich
    Tel. +41 44 634 23 22
    E-Mail: tscheyer@pim.uzh.ch


    Weitere Informationen:

    http://www.mediadesk.uzh.ch


    Bilder

    Fossiles Skelett des südafrikanischen Reptils Eunotosaurus africanus. Die verbreiterten Rippen, d. h. der Schritt zur Ausbildung eines durchgehenden Rückenpanzers sind bereits zu sehen.
    Fossiles Skelett des südafrikanischen Reptils Eunotosaurus africanus. Die verbreiterten Rippen, d. h ...
    Quelle: Bild: Tyler Lyson

    Eunotosaurus africanus trug bereits die Anlagen eines Panzers in sich.
    Eunotosaurus africanus trug bereits die Anlagen eines Panzers in sich.
    Quelle: Bild: Tyler Lyson


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Geschichte / Archäologie, Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Fossiles Skelett des südafrikanischen Reptils Eunotosaurus africanus. Die verbreiterten Rippen, d. h. der Schritt zur Ausbildung eines durchgehenden Rückenpanzers sind bereits zu sehen.


    Zum Download

    x

    Eunotosaurus africanus trug bereits die Anlagen eines Panzers in sich.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).