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13.06.2013 12:56

Recht anschaulich – Comics für den Jura-Unterricht. Regensburger Team präsentiert Entwürfe

Alexander Schlaak Referat II/2, Kommunikation
Universität Regensburg

    Nicht nur trockene Materie: Der Rechtslehre-Unterricht an Schulen und Universitäten lässt sich aufpeppen. Eine Möglichkeit ist der Einsatz von juristischen Lehrcomics. Dieser Ansicht ist ein Regensburger Forscherteam, das jetzt Vorschläge für juristische Lehrcomics präsentiert hat.

    Prof. Dr. Christian Wolff vom Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur der Universität Regensburg und die beiden Juristinnen Tamara Hahn (Unternehmensjuristin, Volksbank Regensburg) und Dr. Bettina Mielke (Vorsitzende Richterin und langjährige hauptamtliche Leiterin von Arbeitsgemeinschaften für Rechtsreferendare, Landgericht Regensburg, sowie Lehrbeauftragte an der Universität Regensburg) stellten die Comics im Tagungsband zum 16. Internationalen Rechtsinformatik-Symposion (Salzburg, 2013) vor. Sie kommen zu dem Schluss, dass Comics auch zur Vermittlung von abstrakten juristischen Sachverhalten geeignet sein können.

    In der Schule werden Comics in vielen Fächern eingesetzt. Im juristischen Kontext finden sich Lehrcomics aber nur ganz vereinzelt. Zudem ist die Resonanz darauf zumeist verhalten. Zu Unrecht, wie Hahn, Mielke und Wolff meinen. Denn Comics haben vielfältige Vorteile: Sie sprechen verschiedene Sinne zugleich an und fördern auf diese Weise einen aktiven Lernprozess. Darüber hinaus wecken sie über den Einsatz von Symbolen und Farben Emotionen beim Leser – ein Umstand, der im Unterricht motivierend wirken kann.

    Die Regensburger Wissenschaftler entwickelten in diesem Zusammenhang eigene Vorschläge für juristische Lehrcomics. Ganz bewusst wählten sie dazu ein Problem aus dem Zivilrecht und nicht aus dem gemeinhin als anschaulicher empfundenen Strafrecht. So sollte geklärt werden, ob Comics auch für abstrakte Themengebiete geeignet sind. Zudem ging es um die Frage, ob gerade bei abstrakten Themen ein pädagogischer Mehrwert durch die Kombination von Bild und Text zu erzielen ist.

    Im Zentrum stand ein bekanntes juristisches Problem zur Testamentsgestaltung, die sogenannte Einheitslösung beim „Berliner Testament“. Als Berliner Testament bezeichnet man ein gemeinschaftliches Testament von Ehe- oder Lebenspartnern, in dem sich diese gegenseitig als Alleinerben einsetzen und für den Fall des Todes des Überlebenden den Nachlass an Dritte regeln. Hierzu gibt es mit der Einheitslösung und der Trennungslösung im Wesentlichen zwei unterschiedliche Gestaltungsformen.

    Mit Hilfe der Regensburger Comics lassen sich die Schwachstellen der beiden Gestaltungsvarianten gut darstellen, die zu bestimmten Zeitpunkten relevant werden. Dabei verzichtete man allerdings darauf, die dargestellten Personen in einem durchgehend laienhaften und flapsigen Stil sprechen zu lassen. Vielmehr enthalten die einzelnen Sprechblasen weitgehend juristische Fachsprache, wodurch ein über die Bilder hinausgehender Erkenntniswert geschaffen werden soll.

    Zur Verdeutlichung der für das Berliner Testament typischen Probleme nutzten Hahn, Mielke und Wolff aber überzeichnet dargestellte und immer gleich bleibende Charaktere („alter, reicher Ehemann“; „junge Ehefrau mit Hang zum exzessivem Luxusshopping“). Die Forscher erhoffen sich, dass dies dazu beiträgt, das Dargestellte besonders gut im Gedächtnis zu behalten. Langjährige didaktische Erfahrung hat gezeigt, dass es für Schülerinnen, Schüler und Studierende leichter ist, sich an den konkreten Fall der „einkaufssüchtigen“ Ehegattin zu erinnern, die die Erbmasse in Kleidung investiert hat und damit die Schlusserben benachteiligt.

    Nach Ansicht von Hahn, Mielke und Wolff bieten auch digitale Medien große Gestaltungsspielräume. In den letzten Jahren hat sich der Begriff der „Gamification“ etabliert, unter dem die Anwendung spieltypischer Elemente in spielfremdem Kontexten zur Motivationssteigerung verstanden wird. Das Spiel „JuraShooter StGB“, das als Smartphone-App entwickelt wurde, ist ein Beispiel im juristischen Kontext.

    Die Regensburger Arbeit lässt sich dem Themenfeld Rechtsvisualisierung bzw. multisensorisches Recht zuordnen, das von einer wachsenden internationalen Community bearbeitet wird. Sie gehört inhaltlich zum bildwissenschaftlichen Schwerpunkt der Universität Regensburg (Themenverbund „Sehen und Verstehen“).

    Der Original-Aufsatz unter:
    http://jusletter-eu.weblaw.ch/magnoliaPublic/issues/2013/20-Februar-2013/2158.ht...

    Ansprechpartner für Medienvertreter:
    Prof. Dr. Christian Wolff
    Universität Regensburg
    Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur
    Tel.: 0941 943-3386
    Christian.Wolff@ur.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung, Recht
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Juristische Fachsprache und Darstellungen in Comic-Form ergänzen sich sehr gut.


    Zum Download

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